Die Türkei zahlt für die aggressive Außenpolitik einen hohen Preis: „Jenseits der Landesgrenzen ist die Türkei heute so isoliert wie lange nicht. In Europa und der EU ist Erdogan weitgehend auf sich allein gestellt. Die Verbalattacken gegen Macron werden hier kaum als Wiedergutmachung empfunden, konstatiert Ronald Meinardus.

Türkische Stimmen zu Erdogans Fehde mit Frankreichs Macron
„Religion ist die letzte Waffe“

Die Beziehungen zwischen Ankara und Paris sind auf einem Tiefpunkt angelangt. Beide Länder liegen in zentralen außenpolitischen Fragen über Kreuz. Erdogan inszeniert sich als Anführer der islamischen Welt, dabei ist die Türkei außenpolitisch zunehmend isoliert. Aus Istanbul informiert Ronald Meinardus

Um das Verhältnis zwischen Recep Tayyip Erdogan und Emmanuel Macron steht es nicht zum Besten. „Es gibt immer eine Polemik zwischen den zwei Präsidenten, am Telefon und vor der Presse“  schrieb Burhanettin Duran kürzlich in der regierungsnahen türkischen Tageszeitung Daily Sabah.

Es sei bekannt, so verrät der Kolumnist mit gutem Zugang zum Präsidentenpalast, dass „Erdogan Macron am Telefon über die Weltpolitik und die französische Geschichte belehrt“. Dabei gehe es nicht immer herzlich zu, verrät Duran. Erdogan halte wenig von seinem französischen Kollegen. Dieser sei „unerfahren“ und „naiv“.

Der Kommentar erschien vor wenigen Wochen. Heute würde er womöglich schärfer ausfallen. Die türkisch-französischen Rededuelle auf höchster politischer Ebene sind ein Ausdruck der zerrütteten politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.    

„Die Türkei hat eine kriegerische Haltung gegenüber ihren Nato-Verbündeten“, sagte Emmanuel Macron kürzlich in einem Interview des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera.

Dass der Franzose ausgerechnet den Sender im Golfstaat Katar für seine Tiraden gegen Ankara wählte, entbehrt nicht der Pikanterie: Doha zählt zu den wenigen verbliebenen Verbündeten Erdogans in der arabischen Welt. Macron nutzte die Sendezeit, um die Gemüter nach seinem kategorischen Bekenntnis zur Meinungsfreiheit im erneut aufgeflammten Konflikt um die Mohammed-Karikaturen zu beruhigen.

Im Vordergrund standen allerdings die Breitseiten gegen Erdogans Türkei. Dieser hatte zuvor das Seine getan, um die Lage anzuheizen. Es sei sein Wunsch, dass sich die Situation entspanne, sagte Macron. Voraussetzung sei allerdings, dass der „türkische Präsident Frankreich respektiert, die Europäische Union und ihre Werte respektiert und aufhört, Lügen und Beleidigungen zu verbreiten“.

Anti-französische Proteste in Ankara nach der Wiederveröffentlichung der Mohammed-Karikaturen (. Foto: Adem Altan/AFP)
Im Dauerclinch: Das persönliche Verhältnis zwischen Recep Tayyip Erdogan und Emmanuel Macron ist zerrüttet. Schon im Konflikt um die Gasvorkommen im Mittelmeer setzte die türkische Führung auf eine aggressive Rhetorik und bezeichnete Macron als "Möchtegern-Napoleon". Der Streit um die Mohammed-Karikaturen hat diesen Streit noch einmal verschärft.

Macron versteht sich darauf, auszuteilen, das wurde hier abermals deutlich. Sein Gegenüber in Ankara steht ihm darin nicht nach. Mehrmals hat der türkische Präsident dem Franzosen öffentlich nahegelegt, er solle seinen Geisteszustand medizinisch untersuchen lassen.

Auslöser der wenig schmeichelhaften Empfehlung war Macrons viel zitierte Rede, in der er bekanntgab, er wolle gegen den „islamistischen Separatismus“ in Frankreich vorgehen.

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