Die TV-Soap über den osmanischen Sultan Süleyman und seinen Hof ist in vielen Länder sehr populär:
Türkische Fernsehserien

Der Vormarsch der Dizi

Die Türkei ist der weltweit zweitgrößte Exporteur von TV-Serien und wird immer präsenter auf internationalen Bildschirmen - von Pakistan bis Chile. Die "Dizis" bieten dem Publikum eine aufwendig inszenierte Alternative zu Hollywood und Bollywood. Aus Istanbul informiert Marian Brehmer.

Als Pakistans Premierminister Imran Khan diesen Frühling an sein Volk appellierte, sich die Fernsehserie “Auferstehung: Ertuğrul” anzuschauen, weil sie beispielhaft islamische Werte verkörpere, wusste er nicht, welche Massenbewegung er damit lostreten würde.

Auf Anweisung des Premierministers begann der Staatssender PTV pünktlich zu Beginn des Ramadan am 25. April, die türkische Geschichtsshow in einer Urdu-Synchronfassung auszustrahlen. So hielten Ertuğruls Schlachten und sein Liebesleben — einst für das türkische Publikum gedacht — Einzug in Millionen von pakistanischen Haushalten. Dort wurden die dramatischen Geschichten wochenlang von ganzen Familien konsumiert, trotz mitunter äußerst ruppiger Kampfszenen.

Die Produktion erreichte bis in die letzte Ramadanwoche einen Monat später über 130 Millionen Zuschauer in dem südasiatischen Land. Auch auf dem Youtube-Kanal von PTV bekam “Ertuğrul” millionenfache Klicks. Die Serie “Auferstehung: Ertuğrul” ist eine Art türkische Version von “Games of Thrones” und basiert auf dem Leben von Ertuğrul Gazi, Vater von Osman, dem Gründer des sechs Jahrhunderte überdauernden Osmanischen Reiches.

“Ertuğrul” besteht aus fünf Staffeln und ist eine der türkischen TV-Serien, die es in den letzten Jahren zu internationalem Ruhm gebracht haben. Die Gründe dafür, warum "Ertuğrul" in Pakistan so erfolgreich ist, reichen jedoch weiter als bis zur Langeweile während des Corona-Lockdowns.

Ein Ritter vor einem Sonnenuntergang; Foto: imago/Seskim Photo
Türkische TV-Serien erobern die Welt: Die „Serie Souleyman, der Prächtige“ ist nur eine von zahlreichen türkischen Fernsehproduktionen, die weltweit auf großes Interesse der Zuschauer stoßen. Sie stehen symbolisch für die Bestrebungen der Türkei, sich als “Soft Power” jenseits der kulturellen Macht des Westens zu positionieren, schreibt Marian Brehmer in seinem Beitrag.

Eine Serie für islamische Befindlichkeiten

Eine Erklärung ist, dass “Ertuğrul” dem pakistanischen Publikum endlich eine aufwendig produzierte Alternative zu Hollywood und Bollywood geboten hat; zwei Industrien, derer viele Zuschauer im Land überdrüssig geworden sind. Pakistanis können sich mit den Charakteren des Dramas leichter identifizieren als mit den glamourösen Stars aus Amerika: Vom Heldentum des virilen Kämpfers, der aus seinem Glauben Tapferkeit und Standhaftigkeit schöpft, bis hin zur bunt bestickten Kleidung der Schauspielerinnen, die traditionellen Trachten in der südwestpakistanischen Provinz Belutschistan ähnelt.

Vor allem jedoch spricht die Serie die islamischen Empfindlichkeiten einer Mehrheit der Pakistanis an. Sie identifizieren sich bereitwillig mit dem religionskonformen Verhalten der Protagonisten, was jedoch hinterher zu kuriosen Kontroversen führte: Die 27-jährige Esra Bilgiç spielt in der Serie Halime Hatun, die treue Frau an der Seite von Ertuğrul. Verzaubert von Bilgiçs Schauspielkünsten begannen pakistanische Männer, ihr auf Instagram zu folgen. Bald aber waren sie enttäuscht herauszufinden, dass sich Bilgiç in ihrem echten Leben ganz anders verhält als eine gesittete Frühosmanin aus dem 13. Jahrhundert.

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