Maghreb und die EU

Marokko: Cannabis als legaler Exportschlager?

In Marokko wird derzeit ein Gesetz debattiert, das den Anbau und Export von medizinisch genutztem Cannabis legalisieren soll. Für viele Kleinbauern brächte das erhebliche Vorteile. Doch der Entwurf ist umstritten. Hintergründe von Cathrin Schaer

In Kürze könnte Marokko um einen legalen Exportartikel reicher sein. Derzeit liegt dem Parlament ein Gesetzesentwurf zur Legalisierung des Cannabis-Anbaus zu medizinischen Zwecken vor. Sollte das Gesetz in den kommenden Wochen die letzten Hürden nehmen, könnte das Königreich das zweite Land in der Region werden, das Cannabis in diesem Kontext legalisiert. Den Auftakt machte 2020 der Libanon.

Laut mehreren internationalen Institutionen, unter ihnen die UN und die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, ist Marokko einer der weltweit größten Produzenten von Cannabis sowie der größte Lieferant von illegalen Cannabis-Produkten wie Haschisch. Ein Großteil dieser Produkte geht über verschiedene Schmuggelrouten in die EU.

Der Gesetzentwurf ist höchst umstritten. Im Vorfeld der Parlaments-, Regional- und Kommunalwahlen im September spaltet er erkennbar die öffentliche Meinung. Es sei daher schwer zu sagen, ob der Gesetzesentwurf verabschiedet werde, sagt Khalid Mouna, Professor für Anthropologie an der Moulay Ismail Universität in Meknes.

Bisher verboten, aber nicht selten toleriert: Cannabis-Anbau in Marokko; Foto: Fadel Senna/Getty Images/AFP.
Der Gesetzesentwurf schlägt eine nationale Agentur für Cannabis- und Bauernkooperativen vor, die den Anbau regulieren soll. Würde Cannabis legalisiert, dann wäre das für Marokko "die ideale Voraussetzung, um in großer Menge Investitionen in die Infrastruktur anzuziehen, die es braucht, um den lukrativen Markt zu bedienen", heißt es in einem Bericht des Cannabis-Marktforschungsunternehmens "New Frontier Data" aus dem Jahr 2019. Die marokkanischen Bauern hätten dann auch die Möglichkeit, in den Handel mit anderen Cannabis-bezogenen Produkte einzusteigen

Die Idee der Cannabis-Legalisierung sei bereits früher diskutiert worden. Meistens sei das aber nur eine Taktik gewesen, um die Unterstützung von Wählern in den ökonomisch oft benachteiligten Cannabis-Anbaugebieten zu gewinnen.

Dieses Mal aber könnte es anders sein, sagt Tom Blickman, der am "Transnational Institute" in Amsterdam zur internationalen Drogenpolitik forscht. "Es ist offenbar eine ernsthaft vorangetriebene Initiative. Denn sie geht von der Regierung aus. Und hinter der Regierung steht der Königspalast." Bislang seien entsprechende Vorschläge von der Opposition vorgebracht worden.

UN-Entscheidung als juristische Grundlage

Die derzeitige Kampagne zur Legalisierung begann Anfang Dezember 2020 während eines Treffens der UN-Kommission für Suchtstoffe in Österreich. Die Weltgesundheitsorganisation hatte empfohlen, Cannabis von der Liste der gefährlichen Drogen zu streichen, um so die medizinische Verwendung zu ermöglichen. Die UN-Kommission nahm die Empfehlung der WHO mit knapper Mehrheit an.

Für den marokkanischen Innenminister Abdelouafi Laftit war das die juristische Grundlage, um den Gesetzesentwurf zur Cannabis-Legalisierung im April im Parlament einzubringen. Inzwischen hat die Regierung den Gesetzesentwurf genehmigt. Nun müssen die Abgeordneten ihn aber noch ratifizieren.

Der größte Teil des Cannabis des Landes kommt aus der wirtschaftlich schwachen Rif-Region im Norden. Zwar wird der Anbau geduldet, doch die Bauern leben im Umfeld der Kriminalität oft in Armut und Angst.

Der marokkanische Innenminister Abdelouafi Laftit hat den Gesetzentwurf eingebracht; Foto: Fadel Senna/Getty Images/AFP.
Auftakt einer Kampagne: Anfang Dezember 2020 hatte die Weltgesundheitsorganisation empfohlen, Cannabis von der Liste der gefährlichen Drogen zu streichen, um so die medizinische Verwendung zu ermöglichen. Die UN-Kommission nahm die Empfehlung der WHO mit knapper Mehrheit an. Für den marokkanischen Innenminister Abdelouafi Laftit war das die juristische Grundlage, um den Gesetzesentwurf zur Cannabis-Legalisierung im April im Parlament einzubringen. Inzwischen hat die Regierung den Gesetzesentwurf genehmigt. Nun müssen die Abgeordneten ihn aber noch ratifizieren.

Der Gesetzesentwurf schlägt eine nationale Agentur für Cannabis- und Bauernkooperativen vor, die den Anbau regulieren soll. Würde Cannabis legalisiert, dann wäre das für Marokko "die ideale Voraussetzung, um in großer Menge Investitionen in die Infrastruktur anzuziehen, die es braucht, um den lukrativen Markt zu bedienen", heißt es in einem Bericht des Cannabis-Marktforschungsunternehmens "New Frontier Data" aus dem Jahr 2019. Die marokkanischen Bauern hätten dann auch die Möglichkeit, in den Handel mit anderen Cannabis-bezogenen Produkte einzusteigen, so "New Frontier Data".

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