In Frankreich setzt der Staat in Zukunft auf Imame aus dem eigenen Land.
Frankreichs koloniales Erbe

Das Erbe der französischen Kolonialpolitik: Feindbild Islam

Die französische Kolonialmacht stützte in Algerien, Tunisien und Marokko einerseits muslimische Autoritäten. Besser Islam als Kommunismus, lautete die Devise. Zugleich galt die fremde Religion als etwas Gefährliches, denn in ihrem Namen lehnten sich die Unterdrückten gegen die Besatzer auf.

Mit seinen Eroberungszügen in Afrika war Frankreich Anfang des 20. Jahrhunderts zur zweitgrößten kolonialen Weltmacht aufgestiegen. Dahinter standen wirtschaftliche Interessen, vor allem aber der Wunsch, das Licht der Lumières, der Aufklärung, Frankreichs Humanismus in die afrikanische Welt zu tragen. Dort eroberte die Armee Länder in der Subsahara, vor allem aber in Nordafrika. Bei der dortigen Bevölkerung handelte es sich zumeist um arabische Muslime. Frankreich sah den Islam als Bindeglied. Als Angelpunkt seiner „muslimischen Politik“.

In ihrer historischen Studie beleuchtet Jalila Sbaï die vielschichtige Politik, mit der Paris zwischen 1911 und 1954 die Gebiete insbesondere in Nordafrika, dem Maghreb, zu einem arabisch-muslimischen Großreich formen wollte. Den regionalen Eigenheiten von Algerien, Marokko und Tunesien auch im religiösen Bereich zum Trotz.

Jalila Sbaï hat den Untertitel ihres Werks zur „muslimischen Politik Frankreichs“ als Frage formuliert: „Ein christliches Projekt für den Islam?“ Darin resümiert sie ihre These:

„Bis zu Beginn der 1950er-Jahre, in der Kolonialzeit, versucht Frankreich, die Kräfte des zersplitterten muslimischen Reichs bei sich im ‚Mutterland‘ zu zentralisieren. Die Achse, die diese Politik bestimmt, ist der Islam – er soll reformiert werden, indem man ihn „christianisiert“, um die Muslime zu assimilieren.“

Lesen Sie den Hintergrundbeitrag des Deutschlandfunk "Denkfabrik Dekolonisierung Feindbild Islam" hier.

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