Christentum und Islam
Theologe hebt Bedeutung des Koran für Christentum hervor

Der Koran kann nach Ansicht des katholischen Theologen Klaus von Stosch dabei helfen, die christliche Identität zu schärfen.

Die koranische Kritik am Christentum sei auch heute noch relevant, sagte der Professor am Dienstag (3.5.2022) bei einer Veranstaltung an der Universität Bonn. Sie warne etwa vor einer politischen Verzweckung des Christentums für imperiales Denken. 

Deutlich machte von Stosch dies an der Figur Marias, der Mutter Jesu. In koranischer Zeit hätten manche christlichen Traditionen begonnen, Maria als unverwundbar und unzerstörbar zu denken. Maria sei als Feldherrin und Beschützerin dargestellt worden. Diese Vorstellung weise der Koran zurück. Erst kürzlich habe der orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. russischen Soldaten eine Marienikone geschenkt und sie unter den Schutz der Gottesmutter gestellt. Der Patriarch habe Maria somit für die eigenen politischen Belange verzweckt, so von Stosch. 

Die koranische Kritik am Christentum sei auch heute noch relevant, sagt Klaus von Stosch

Der Koran versuche zudem, Christentum und Judentum in ein "wechselseitiges Verflechtungsverhältnis" zu stellen. Anders als vielen christlichen Kirchenvätern gehe es der heiligen Schrift des Islam nicht darum, das Christentum als Ablösung des Judentums zu verstehen. Stattdessen wolle sie diejenigen, die an den einen Gott glauben, in einer gemeinsamen politischen Bewegung zusammenführen. 

Auch warne der Koran immer wieder vor einem christlichen Vielgötterglauben, erklärte der Theologe. Er entwickele damit eine Sorge, "die vielleicht eine innere Gefährdung des Christentums in allen Zeiten ist". Es bestehe die Gefahr, Jesus Christus zu "vergötzen". 

Von Stosch äußerte sich im Rahmen seiner Antrittsvorlesung an der Universität Bonn. Dort hat er im Oktober die erste der im Rahmen der Exzellenzstrategie neu geschaffenen Schlegel-Professuren angetreten. Der Lehrstuhl in der Systematischen Theologie dient der besonderen Berücksichtigung gesellschaftlicher Herausforderungen. 

Der gebürtige Kölner studierte katholische Theologie an der Universität Bonn sowie an der Universität Fribourg in der Schweiz. Er promovierte im Fach Dogmatik und habilitierte in Fundamentaltheologie. Ab 2008 war er Professor für Systematische Theologie an der Universität Paderborn. In Bonn hat er das "International Center for Comparative Theology and Social Issues" (CTSI) für den weltweiten Dialog von Theologien verschiedener Religionen gegründet. Es wird am Mittwoch offiziell eröffnet. (KNA) 

 

 

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