Ägyptischer Fußball-Star Mohamed Salah

"Walk like an Egyptian"

Wenige Wochen vor Beginn der Fußball-WM ist in Ägypten eine regelrechte Manie ausgebrochen. Der Grund ist der Liverpool-Stürmer Mohamed Salah, der gegenwärtig als weltbester Fußballer gehandelt wird. Ein Porträt des Ausnahmespielers von Bachir Amroune

Mit zwei Toren und zwei Vorlagen war "König" Mo Salah maßgeblich beteiligt am 5-2 Sieg des FC Liverpool gegen den AS Rom im Halbfinal-Hinspiel der Champions League Ende April. Seit mehreren Monaten wird der Ägypter als phänomenale Erscheinung im Weltfußball gefeiert. Viele Fußballexperten sehen in ihm sogar den momentan besten Fußballer weltweit, noch vor Ronaldo und Lionel Messi. Die Statistik spricht auch für ihn: 43 Tore gehen auf sein Konto in nur 47 Pflichtspielen in der aktuellen Saison.

Sein Einkauf gilt als gutes Geschäft: Für 42 Millionen Euro wechselte der 25 Jährige vergangenen Sommer von eben diesem AS Rom zum englischen Erstligisten, der sich nun gute Chancen um den Einzug ins Finale des weltweit prestigeträchtigsten Vereinsfußballwettbewerb ausrechnet.

Seine ersten Sporen im europäischen Profi-Fußball verdiente sich Mohamed Salah aber beim FC Basel. Nach einer Saison wechselte er zum FC Chelsea, danach wurde er vom AS Florenz ausgeliehen, um dann beim AS Rom zu landen.

König der Herzen

Dass ein solcher Erfolg die Fans in Begeisterung versetzt, versteht sich von selbst. Mo Salah, der auch liebevoll "The King" oder "The Pharaoh" genannt wird, verkörpert aber mehr. Er ist fleißig, bescheiden, hat keine Allüren wie die anderen Superstars.

Im Halbfinalspiel gegen Rom entschuldigte er sich sogar für seine beiden Tore bei den Fans seines Ex-Clubs. Die Römer selbst haben ihn in guter Erinnerung. Nach der Auslosung des Halbfinalspiels hatten sie auf Twitter in seine Richtung geschrieben: "Wir werden für 180 Minuten Gegner sein, aber ganz egal, was passiert, wir bleiben Freunde fürs Leben".

Mo Salah beim Spiel gegen den AS-Rom am 24.4.2018 in Liverpool; Foto: Reuters
Enormes fußballerisches Potenzial: Mohamed Salah ist deshalb so beliebt, weil er auch neben dem Platz ein Vorbild ist. Der Muslim ist völlig frei von Allüren, er spendete bereits Millionen Euro für Krankenhäuser, Schulen und Fußballplätze in Ägypten. "Mo ist ein fantastischer Junge", erklärte FC-Liverpool-Trainer Jürgen Klopp.

Dass Mo Salahs Popularität außergewöhnliche Züge angenommen hat, zeigt sich an einigen Fangesängen beim FC Liverpool. In einem ihm gewidmeten Lied singen die Fans, dass sie, sollte er noch mehr Tore schießen, zum Islam übertreten und mit ihm zusammen in der Moschee beten. Das ist natürlich nicht ernstgemeint und zum Teil auch dem Reim geschuldet, spricht aber Bände angesichts der Tatsache, dass die englische Liga ansonsten als eine der rassistischsten in ganz Europa klassifiziert wird.

Viele Araber und Ägypter haben daher die große Hoffnung, dass der gläubige Muslim Salah, der sich nach seinen Toren oft in Anlehnung an das islamische Gebet niederwirft, das ansonsten von Terror und Gewalt geprägte Bild des Islam in der britischen (und westlichen) Öffentlichkeit positiv beeinflussen kann.

Ägyptens neuer Nationalheld

In seiner Heimat Ägypten selbst ist Mohamed Salah in aller Munde. Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen soll Afrikas Fußballer des Jahres angeblich eine Million Stimmen erhalten haben - ohne überhaupt zu kandidieren.

In den Qualifikationsspielen zur Weltmeisterschaft in Russland hat er das Land fast im Alleingang mit 5 Toren (bei den übrigen beiden assistierte er) in die Endrunden geschossen. 28 Jahre lang haben die fußballbegeisterten Ägypten auf eine WM-Teilnahme warten müssen.

Weil Mo Salah beim ägyptischen Erstligisten al-Muqâwilûn al-'Arab (Arabische Bauunternehmer) debütierte und seine Heimat erst mit 20 Jahren Richtung Schweiz verließ, sind seine Mitbürger besonders stolz auf ihn. Anders als andere arabische Fußballstars hat er nämlich sein Handwerk in Ägypten gelernt, und nicht in einem der europäischen Spitzenclubs.

Das ist für ein Land, das angesichts großer wirtschaftlicher Probleme, massiver politischer Unterdrückung und Terror sonst wenig positive Nachrichten produziert, ein großer Grund zur Hoffnung.

Bachir Amroune

© Deutsche Welle 2018

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