Inhaftierter Autor Ahmet Altan zum PEN-Ehrenmitglied ernannt

20.11.2019

Das PEN-Zentrum Deutschland hat den inhaftierten türkischen Schriftsteller und Journalisten Ahmet Altan zum Ehrenmitglied erklärt. Mit Altan solle eine der bekanntesten kritischen Stimmen in der Türkei zum Verstummen gebracht werden, kritisierte die Schriftstellervereinigung am Dienstag in Darmstadt.

«Wir fordern die zuständigen türkischen Behörden auf, unser Ehrenmitglied Ahmet Altan sofort und bedingungslos aus dem Gefängnis zu entlassen. Seine fortdauernde Haft ist einzig politisch begründet und daher weder hinnehmbar noch berechtigt», erklärte der Vizepräsident Ralf Nestmeyer.

Der 1950 geborene Ahmet Altan gilt als einer der bekanntesten türkischen Schriftsteller und Journalisten. 2007 gründete er die Zeitung «Taraf», sie wurde nach dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli 2016 verboten und Altan im selben Monat wegen «Unterstützung einer Terrororganisation» festgenommen. Obwohl nach Angaben des PEN keinerlei Beweise vorlagen, wurde er von einem Gericht in Istanbul zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 4. November dieses Jahres wurde das Strafmaß auf zehn Jahre und sechs Monate Haft verringert und Altan unter Auflagen freigelassen, jedoch nach Einspruch der Generalstaatsanwaltschaft am 12. November erneut inhaftiert.

«Die türkische Justizwillkür ist einzig politisch motiviert; sie steht im Widerspruch zu jeglicher Rechtsstaatlichkeit und offenbart den despotischen Charakter des türkischen Regimes», kritisierte die Schriftstellervereinigung. Zu den Ehrenmitgliedern des deutschen PEN-Zentrums gehörten nach dessen Angaben Václav Havel (1936-2011) und Liu Xiaobo (1955-2017), aktuell beispielsweise Anabel Hernández sowie Selahattin Demirta , Raif Badawi und Li Bifeng, die sich immer noch in Haft befinden.

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung versteht sich als Anwalt des freien Wortes und als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller. (epd)

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