US-Sanktionen gegen den Iran

Allein auf der "Achse des Bösen"

Im neuen Kalten Krieg zwischen den USA und der Islamischen Republik nimmt der Gottesstaat nunmehr den Stellenwert der untergegangenen Sowjetunion ein, meint der Publizist Ali Sadrzadeh. Doch auf Trumps verschärfte Sanktionspolitik reagieren die Mächtigen in Teheran mit Gegenstrategien.

Wie kann ein Staat den "Schwarzhandel" effektiv organisieren? Eine merkwürdige Frage, möchte man meinen: Der Staat ist doch gerade dafür da, Schmuggel und Schieberei zu bekämpfen – nicht zu organisieren.

Aber der Einwand ist nur im Prinzip richtig, denn es gibt Ausnahmen und Sonderfälle. Ein Staat, der den "Schwarzhandel" bekämpfen will, muss selbst ein halbwegs normaler Staat sein; außerdem muss die Zeit, in der er agiert, ebenfalls eine normale, will heißen, eine Friedenszeit sein. Und genau diese Ausnahmen sind es, die uns zum Iran und zu seinem Erdöl führen.

Die Islamische Republik Iran ist kein normaler Staat. Sie ist jedenfalls keine Republik im herkömmlichen Sinne. Und dieser besondere Staat befindet sich gegenwärtig in einer Art Kriegszustand. Und deshalb sieht er sich gezwungen, Schwarzhandel zu betreiben, anstatt diesen zu bekämpfen. Denn der "Gottesstaat" sucht in diesen sonderbaren Zeiten dringend Wege und Methoden, um dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, ein Schnippchen zu schlagen. Und er glaubt, fündig geworden zu sein.

"Schmerzhafte Sanktionen"

Trump sprach von "schmerzhaften Sanktionen" in Hinblick auf den Iran. So will er etwa die Bankverbindungen des Landes zur Außenwelt kappen, den Verkauf bestimmter Güter an den Iran verbieten und den Kauf iranischen Erdöls unter Strafe stellen. Doch die Machthaber in Teheran haben sich einiges einfallen lassen, um ihr wichtigstes Exportgut weiterhin an den Kunden bringen zu können.

Mitte Oktober eröffnete der iranische Vizepräsident Ishagh Jahangiri in Teheran eine Börse, die in ihrer Art einmalig in der Welt sein dürfte. Sie nennt sich Energiebörse. Der Staat tritt dort als Verkäufer auf und bietet Erdöl an: zu verschiffen am Persischen Golf und pro Barrel bis zu fünf Dollar billiger als der Tagespreis auf dem Weltmarkt. Der Käufer bleibt anonym, damit die USA ihn nicht bestrafen können. Er muss allerdings kleine wendige Tankschiffe zur Verfügung haben. Diese Schiffe dürfen außerdem höchstens 37.000 Tonnen Öl laden und müssen ohne Navigation auf den Weltmeeren unterwegs sein, um nicht geortetet werden zu können. Der Käufer zahlt im voraus 20 Prozent des Preises in iranischer Währung, den Rest nach dem Weiterverkauf des Öls in US-Dollar oder Euro.

Irans Ölverladeinsel Khargh im Persischen Golf; Foto: AP
"Donald Trump ein Schnippchen schlagen": In Teheran prüft man derzeit Wege, die neuen US-Sanktionen im Ölsektor zu umgehen. Der Staat tritt an der Börse in Teheran als Verkäufer auf und bietet Erdöl an: zu verschiffen am Persischen Golf und pro Barrel bis zu fünf Dollar billiger als der Tagespreis auf dem Weltmarkt. Der Käufer bleibt anonym, damit die USA ihn nicht bestrafen können. Er muss allerdings kleine wendige Tankschiffe zur Verfügung haben, die vom Radar nicht geortet werden können.

Bei diesen Deals bleibe alles anonym, verspricht die Regierung: nicht nur der Name des Käufers, sondern auch der des Endabnehmers. Auch wo der Öltanker herkommt und unter welcher Flagge er unterwegs ist, werde nicht bekannt gegeben. Damit glaubt die Regierung in Teheran einen Weg gefunden zu haben, um mindestens eine Million Barrel Öl pro Tag verkaufen zu können.

Dubioser Handel mit dem "schwarzen Gold"

Es ist ein ökonomisches Wagnis mit vielen Ungewissheiten. Ob der Staat durch diesen illegalen Handel tatsächlich den kompletten Preis für sein Öl erzielt, ist ungewiss. Außerdem sind sich alle Beobachter einig, dass dieser undurchsichtige Weg des Ölverkaufs der Korruption im Land weiter Tür und Tor öffnet.

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