Umweltzerstörung in Indonesien

Biodiesel - Urwaldvernichtung fürs Klima

Deutschland hält an der Fiktion fest, Palmöl, das man aus Südostasien als Beimischung für Dieselkraftstoffe bezieht, sei ökologisch gut und klimafreundlich. Ein Irrtum wie Inge Altemeier und Stefan Buchen herausgefunden haben.

"Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Das Bonmot des Philosophen Theodor W. Adorno mag hin und wieder überstrapaziert worden sein. Mit vollem Recht darf man es jedoch der deutschen Palmöl-Politik entgegenschleudern.

Mehr als 500.000 Tonnen Palmöl hat Deutschland 2018, das Jahr mit der aktuellsten Statistik, als Biokraftstoff importiert. Die Folge: Der Regenwald in Indonesien und anderen Ländern Südostasiens wird dezimiert, Ölpalmen breiten sich aus.

Die großen Tropeninseln Sumatra und Borneo, die einmal Paradiese der Artenvielfalt und Riesenspeicher von Kohlendioxid waren, haben sich in agrarindustrielle Komplexe verwandelt. Lässt man den Blick über die Tiefländer dieser Inseln schweifen, sieht man Palmölplantagen, so weit das Auge reicht.

Abermillionen Tonnen CO2 entweichen so in die Atmosphäre. Denn der üppige Regenwald hatte viel mehr des klimaschädlichen Gases gebunden als eine Palmölplantage von gleicher Fläche. Manche der vernichteten Regenwälder standen auf Torfböden, zusätzlichen CO2-Speichern, die mit ausgebrannt wurden.

Indonesische Regenwälder in Gefahr

Im Jahr 2015, als es wegen der Brandrodungen auf Sumatra und Borneo zu riesigen Feuern kam, stieg Indonesien zum weltweit viertgrößten Emittenten von CO2 auf. Ähnliche Brände loderten 2019. Die Treibhausgasstatistiken des vergangenen Jahres liegen noch nicht vor.

Tom Kirschey, Naturschutzbund Deutschland (NABU); Quelle: ARD/Panorama
Fürchtet, dass es 2050 in Indonesien keine Regenwälder mehr geben wird, wenn die Produktion von Palmöl so weitergeht: Tom Kirschey vom NABU.

Indonesiens Regierung setzt auf die Produktion von Palmöl, um wirtschaftlich voranzukommen. 30 Prozent des Treibstoffs, den die Dieselautos der 270 Millionen Indonesier verbrauchen, sollen schon bald aus Palmöl stammen, hat die Regierung von Präsident Joko Widodo verkündet.

"Wenn es so weitergeht, wird es 2050 in Indonesien keine Regenwälder mehr geben", sagt Tom Kirschey vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), der sich bestens mit Wirtschaft und Umwelt in Südostasien auskennt. Neben der Produktion für den Binnenmarkt forcieren Indonesien und der kleinere Nachbar Malaysia den Export.

China und Indien sind große Kunden - und die Europäische Union. Etwa acht Millionen Tonnen Palmöl kauft Europa im Jahr, mehr als die Hälfte davon für Kraftstoffe, vor allem als Beimischung für den Diesel zum Antrieb von Fahrzeugen. Wenn ein Autofahrer 50 Liter Diesel tankt, ist in der Regel ein halber bis ein Liter Palmöl dabei. Nach Raps und Bioabfällen ist der Rohstoff aus Südostasien der drittwichtigste "Biotreibstoff". Dabei machen Altfette aus Asien, in denen wiederum Palmöl steckt, einen erheblichen Anteil der wiederverwendeten Bioabfälle aus.

Die Idee dahinter: durch die Beimischung von Biokraftstoffen soll der Verkehrssektor seine Klimabilanz aufbessern. Dadurch, dass Palmöl einen kleinen Anteil des herkömmlichen Erdöls ersetzt, aus dem der Diesel hauptsächlich besteht, sollten Autos etwas CO2 einsparen. Denn eine Ölpalme "verbraucht" beim Wachstum CO2 aus der Atmosphäre.

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