Salafismus in Deutschland

Ein Keil zwischen Riad und Berlin

Die nachrichtendienstlichen Einschätzungen Berlins zum extremistischen Salafismus in Deutschland könnten die latenten Spannungen mit Riad erneut verstärken. Informationen von Mahmoud Jaraba

Zur Förderung eines "gemäßigten Islam" und zur Verbesserung des Ansehens Saudi-Arabiens in Deutschland und im Westen insgesamt ließ Riad im Juli 2017 die König-Fahd-Akademie in Bonn schließen. Gleichzeitig wurde der Bau einer fast fertiggestellten Zweigstelle der Schule in Berlin gestoppt.

Deutsche Medien hatten der König-Fahd-Akademie wiederholt vorgeworfen, die ca. 150 Schüler der 12 Jahrgangsstufen nach dem saudischen Lehrplan zu unterrichten und den Fundamentalismus unter Jugendlichen zu fördern, indem sie zum "Heiligen Krieg" gegen Nichtmuslime aufrufe. Trotz der Schließung treibt die Rolle Saudi-Arabiens als Unterstützer salafistischer Gruppen, denen vorgeworfen wird, Hunderte von Dschihadisten in Deutschland zu indoktrinieren, einen wachsenden Keil zwischen beide Partner.

Gegen die Ausweitung des schiitischen Islam verfolgt Saudi-Arabien vor allem seit der iranischen Revolution eine fundamentalistische wahhabitische Auslegung des Islam, und zwar sowohl in der islamischen Welt als auch unter den muslimischen Minderheiten im Westen.

Salafismus finanziert aus Saudi-Arabien

Die finanzielle und vor allem religiöse Unterstützung aus Saudi-Arabien trug in den 1980er und 1990er Jahren entscheidend dazu bei, den Salafismus in Deutschland zu etablieren. Mit saudischem Geld wurden Übersetzungen salafistischer Werke aus dem Arabischen ins Deutsche mit dem Ziel finanziert, die wahhabitische Ideologie unter Muslimen zu verbreiten.

In letzter Zeit äußert die Bundesregierung offen ihre Verärgerung über die saudische Unterstützung von Salafisten. So forderte im Dezember 2015 der damalige Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, Saudi-Arabien dazu auf, die Finanzierung wahhabitischer Moscheen im Westen mit dem Hinweis darauf einzustellen, "dass viele Islamisten, die eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit darstellen, aus diesen Gemeinschaften stammen".

Angeklagter mutmaßlicher Anführer der Terrormiliz IS in Deutschland, Abu Walaa, vor Gericht in Celle am 26.09.2017; Foto: picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte
Mutmaßlicher Deutschlandchef der Terrormiliz "Islamischer Staat": Der Iraker Abu Walaa und vier Mitangeklagte müssen sich gegenwärtig wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz verantworten. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben.

2016 sickerte ein nachrichtendienstlicher Bericht in den deutschen Medien durch, der nachwies, dass Saudi-Arabien Qatar und Kuwait den Salafismus in Deutschland mit dem Bau von Moscheen und Schulen sowie der Entsendung von Predigern unterstützten.

Zwar stuften die deutschen Geheimdienste die Salafisten nicht pauschal als extremistisch ein, aber sie sahen eine organische Beziehung zwischen Salafisten und Extremismus unter Jugendlichen, da Salafisten ein Umfeld schaffen, das die extremistische, dschihadistische Ideologie fördere.

Ein nachrichtendienstlicher Bericht aus dem Jahr 2014 zu islamistischen Gotteskriegern, die aus Deutschland ausreisen, um in Syrien und im Irak zu kämpfen, verwies darauf, dass von den 323 im Bericht identifizierten Personen, deren Ideologie bekannt war, 319 ausdrücklich als Salafisten eingestuft wurden.

Null-Toleranz gegenüber militanten Salafisten

Im Rahmen ihrer Bemühungen, die Ausbreitung des Extremismus unter Jugendlichen zu stoppen, verfolgen die deutschen Sicherheitsbehörden eine Null-Toleranz-Politik gegenüber gewalttätigen salafistischen Aktivisten, insbesondere seit eine wachsende Zahl deutscher Dschihadisten in die Kampfgebiete im Irak und in Syrien ausreiste.

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Leserkommentare zum Artikel: Ein Keil zwischen Riad und Berlin

Aus dem unten verlinkten Artikel von Mohammad Gharaibeh von 2014:

Zitat Anfang
Wahhabiten kann man in der Regel nur der ersten Gruppe zurechnen. Es ist ein offensichtlicher Unterschied zwischen Wahhabiten und Salafisten, dass Wahhabiten loyal zum Königshaus der Al Saud stehen. Salafisten dagegen wollen einen islamischen Staat - ohne weltliche Macht wie etwa eine Monarchie.

Dennoch werden die Begriffe Wahhabismus und Salafismus oftmals synonym benutzt. Was einer genauen Betrachtung jedoch nicht Stand hält. Zwar berufen sich beide - nicht zuletzt wegen gegenseitigen Beeinflussung - auf nahezu identische Glaubensgrundsätze, unterscheiden sich aber in ihren Methoden.
Zitat Ende

Anders als der Artikel von Mohammad Gharaibah verbreitet der Artikel von Mahmoud Jaraba Platitüden über die Verbindung zwischen Wahabismus und Salafismus.
Es stimmt zwar, dass Wahabiten mit viel Geld massgeblich die Verbreitung des Islamismus in der Welt vorangetrieben haben.
Es stimmt aber auch, dass die meisten Islamisten in der Welt, Muslimbrüder und Salafisten, inzwischen aktuell erbitterte Gegner der Wahabiten oder zumindest des saudischen wahabitischen Systems sind.

Diese Tatsachen sind geeignet, eine fundierte Kritik des Islamismus zu begründen ....

Was anscheinend nicht das Anliegen des Autors Jaraba ist. Wahrscheinlich ist sein Anliegen, die westliche Öffentlichkeit gegen Saudi-Arabien aufzubringen, wofür aber zutreffende aktuelle Gründe an erster Stelle aufgeführt werden könnten (Jemen-Krieg, Koshoggi-Mord).

Bleibt die Frage, warum ein Text mit so undifferenziertem Inhalt auf Qantara steht.

Benita Schneider29.03.2019 | 19:32 Uhr