Nachfolgediskussionen im saudischen Königshaus

Generationswechsel am Golf?

König Abdullah von Saudi-Arabien gehört zu den ältesten Monarchen der Welt. Zwei seiner Brüder hat er zu Nachfolgern ernannt. Das Problem: Die Prinzen sind nicht viel jünger als der erkrankte Autokrat. Einzelheiten von Anne Allmeling

Es war eine Nachricht, die Beobachter der Golf-Region hat aufhorchen lassen: König Abdullah von Saudi-Arabien wird seit Mittwoch (31.01.2014) in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Riad behandelt. Nichts Ungewöhnliches für einen Mann, der über 90 Jahre alt sein soll. Doch die Gesundheit des greisen Monarchen, dessen genaues Alter umstritten ist, ist eng verknüpft mit der Frage nach einem Generationenwechsel im saudischen Königshaus. Denn die beiden Kronprinzen sind ebenfalls bereits um die 80 und um die 70 Jahre alt.

Seit dem Tod von Staatsgründer Abdul Asis Ibn Saud 1953 folgt jeweils der älteste Sohn auf seinen verstorbenen Bruder - sofern dieser fähig und willig ist, das Königreich zu führen. Abdullah steht seit 2005 an der Spitze des Staates. Er übernahm die Macht von seinem Halbbruder Fahd, dessen Amtsgeschäfte er schon vorher geführt haben soll. Denn Fahd war bereits Jahre vor seinem Tod gesundheitlich stark geschwächt.

Zahlreiche Nachkommen

Die beiden Brüder gehören zu den mehr als 40 Söhnen, die Ibn Saud mit mehreren Frauen gezeugt hat. Viele seiner Nachkommen sind bereits gestorben. Dazu gehören auch Sultan und Naif, die ursprünglich als Abdullahs Nachfolger vorgesehen waren. Längst machen sich die Enkel des Staatsgründers Hoffnungen auf die Krone. Manche von ihnen sind sogar älter als die jüngeren Söhne von Ibn Saud. Doch der Wechsel der Krone in die nächste Generation ist bislang ausgeblieben.

Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die saudische Königsfamilie in dieser Frage nicht einig ist. Bereits in der Vergangenheit gab es zahlreiche Konflikte, die die Thronfolge betrafen. Verschiedene Gruppen versuchten, ihre Interessen durchzusetzen - zum Beispiel die so genannten Sudairi Sieben. Die sieben Brüder, zu denen auch Fahd, Sultan und Naif gehörten, hatten dieselbe Mutter und galten als besonders einflussreich - bis zu ihrem Tod.

Prinz Salman bin Abdul-Aziz Al Saud; Foto: picture-alliance/dpa
Als aussichtsreicher Nachfolger im Gespräch: Nachdem Abdullah 2012 bereits zum dritten Mal am Rücken operiert wurde, ernannte er seinen Halbbruder Salman zum saudischen Kronprinzen. Dieser übernahm seither eine Vielzahl der Amtsgeschäfte und gilt als chancenreichster Nachfolger auf den Thron.

Im Jahr 2007 hat König Abdullah eine Nachfolgekommission einrichten lassen, die einen Thronfolger bestimmen soll, wenn der König und der Kronprinz erkrankt oder stirbt. Ob diese Kommission aber tatsächlich eine Rolle spielt, ist unklar - so wie viele politische Entscheidungen in dem konservativen Königshaus.

Unübersehbare Spannungen

Reformen scheinen im größten Golf-Staat besonders lange zu dauern. Das liegt aber nur zum Teil daran, dass viele der Beteiligten bereits sehr betagt sind. Auch die ständige Suche nach einem Konsens verlangsamt den Prozess. Saudi-Arabien ist zwar eine absolute Monarchie. Das bedeutet aber auch, dass die Familie die wichtigsten Entscheidungen mitträgt und die Prinzen sich weitgehend einig sein müssen.

In der weit verzweigten Königsfamilie mit hunderten von Mitgliedern wird das immer schwieriger. Welcher Enkel des Staatsgründers als erster den Thron besteigen darf, scheint längst noch nicht geklärt zu sein. Während die politische Führung immer älter wird, bleibt Saudi-Arabien ein vergleichsweise junges Land: Etwa zwei Drittel der saudischen Bevölkerung sind 25 Jahre oder jünger.

Im Zuge des so genannten Arabischen Frühlings ist es in Saudi-Arabien zwar überwiegend ruhig geblieben. Der immense Öl-Reichtum des Landes ermöglichte es der Monarchie, weitgehend Wohlstand zu garantieren. Doch die Spannungen innerhalb der Gesellschaft sind nicht zu übersehen - zum Beispiel, wenn es um Religion, die Rechte der Frauen und politische Mitsprache geht.

Viele dieser Probleme werden in den sozialen Netzwerken diskutiert - gerade auch von der jüngeren Generation. Doch wer das Land in die Zukunft führt, steht in den Sternen.

Anne Allmeling

© Deutsche Welle 2014

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