Myanmar: Die Generäle, die Buddhisten und die Rohingya

"Ihr legt euch mit der falschen Generation an"

Die Proteste gegen den Staatsstreich der Generäle vom 1. Februar hören trotz aller Repression nicht auf. Und es gibt Zeichen, dass sich die tief sitzenden Ressentiments gegenüber der muslimischen Minderheit in Myanmar abschwächen. Ein Bericht von Dominik Müller

"Ihr legt euch mit der falschen Generation an" ist einer der populären Slogans der vielen jungen Menschen, die seit Wochen in Myanmar demonstrieren. "Mein Ex ist schlimm, aber das Militär ist schlimmer" oder "Ich will keine Diktatur, sondern einen Liebhaber" sind weitere Parolen der jungen Generation. Denn ihr Protest richtet sich auch gegen eine konservative Gesellschaftsordnung, für die die Generäle und viele buddhistische Mönche stehen.

Immer mehr Bewohner aus armen Stadtvierteln und Angehörige ethnischer Minderheiten beteiligen sich an den Aktionen der Studierenden. Auch Beamte und Angestellte schlossen sich der "Generation Z" und ihrer "Bewegung des zivilen Ungehorsams" an, viele legten dafür sogar die Arbeit nieder. Bisheriger Höhepunkt war der Generalstreik am 22. Februar, an dem sich trotz der Gewaltandrohungen der Militärs Hunderttausende beteiligten.

"Generation Z" steht für die jungen Menschen, die um die Jahrtausendwende geboren wurden und durch die wenigen Jahre der vorsichtigen Öffnung des Landes geprägt worden sind. Offiziell haben die Streitkräfte erst 2015 die politische Macht an die Zivilbevölkerung abgetreten, nachdem sie das Land jahrzehntelang unterdrückt hatten.

Ein Demonstrant hält ein Plakat mit dem Bild der gestürzten Führerin Aung San Suu Kyi während eines Anti-Coup-Protestes vor dem Hledan-Zentrum in Yangon, Myanmar, am 21.02.2021. Foto: AP Photo
Aung San Suu Kyi, eine zwiespältige Figur: Einst eine Ikone der Demokratiebewegung Myanmars, fiel Suu Kyi international in Ungnade. Kritiker forderten, ihr den Friedensnobelpreis zu entziehen, da sie zur Verfolgung der Rohingya in Myanmar schwieg. Als 2017 das Militär mit brutalen Mitteln 740.000 Rohingyas nach Bangladesch jagte, angeführt vom jetzigen Juntachef Min Aung Hlaing, schwieg die Friedensnobelpreisträgerin. Bereits die pogromartigen Angriffe buddhistischer Nationalisten 2013 auf die muslimische Minderheit rechtfertigte sie in einem Interview mit der BBC und leugnete den Völkermord an den Rohingya. Obwohl sie die letzten Wahlen in Myanmar gewonnen hat, wurde sie vom Militär entmachtet und steht derzeit unter Hausarrest.

Seitdem hat die Partei "National League for Democracy" (NLD) unter der Führung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi versucht, den Einfluss des Militärs allmählich zu reduzieren.

Die Meinungs- und Pressezensur konnte sie etwas abmildern, es gab freie Wahlen, aber die Generäle kontrollieren bis heute große Teile von Wirtschaft und Justiz. Noch immer gilt die Verfassung von 2008, die den Militärs unabhängig von Wahlergebnissen ein Viertel der Sitze in den beiden Kammern und drei Schlüsselministerien garantiert: Verteidigung, Inneres und Grenzkontrollen.

Die Wahlen im November letzten Jahres endeten dennoch in einem Debakel für die militärnahe Partei USDP: Die NLD gewann 80 Prozent der Sitze bei den Parlamentswahlen. Vor der geplanten Parlamentseröffnung im Februar putschten die Militärs dann schließlich und inhaftierten Aung San Suu Kyi.  

Situation der Rohingya

Keine Verbesserungen brachte die Regierung der NLD für die 1,5 Millionen muslimischen Rohingyas im Westen des Landes. Die Rohingyas werden in Myanmar als "bengalische Flüchtlinge" bezeichnet, allein das Wort Rohingya in den Mund zu nehmen, gilt in vielen Kreisen als anstößig.

 

Als 2017 das Militär mit brutalen Mitteln 740.000 Rohingyas nach Bangladesch jagte, angeführt vom jetzigen Juntachef Min Aung Hlaing, schwieg die Friedensnobelpreisträgerin. Bereits die pogromartigen Angriffe buddhistischer Nationalisten 2013 auf die muslimische Minderheit rechtfertigte sie in einem Interview mit der BBC und leugnete den Völkermord an den Rohingya.

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