Mona Raouf Arafat, 28. Juli 2006

zu: Die Verbändegesellschaft ist der Schlüssel, Interview mit Wolf Ahmad Aries

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich als Muslima, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt, habe den veränderten Einfluss, den die muslimischen Verbände erhalten haben, wahrgenommen. Und der macht mir Angst. Meine Eltern haben mich zum Studieren nach Deutschland geschickt (Jura). Als es an der Zeit war, nach Ägypten zurückzukehren, meinten sie, ich solle lieber hier bleiben, da die konservativen Muslime immer stärkeren Einfluss hätten. In Deutschland ginge es mir besser.

Plötzlich werden wir säkulare Muslime von irgendwelchen Wichtigtuern in die Öffentlichkeit gezerrt. In Deutschland wird plötzlich debattiert, ob muslimische Lehrerinnen Kopftuch tragen dürfen oder nicht. (Mein Mann und ich würden unsere Tochter nicht von einer solchen unterrichten lassen!).

Anders als in unseren Heimatländern hat jeder hier in Deutschland die Möglichkeit, nach seiner Facon hier etwas zu erreichen. Und es gibt viele von uns, die beruflich erfolgreich sind.

Die Lobbyisten stärken den Eindruck der ewig unterdrückten Minderheit. Sie brauchen dies für ihre Daseinsberechtigung.

Wir säkulare Muslime möchten nicht länger von den Forderungen dieser Verbände hören. Wir fühlen uns langsam eingeengt. Wie weit soll der Einfluss gehen?

Mein Mann ist kein Muslim, bin ich dann irgendwann in Deutschland nicht mehr verheiratet, weil ein Oberster Muslimischer Dachverband der Deutschen Regierung sagt, dass das nach dem Islam ungültig ist?

Dann wandern wir nach Amerika aus.

Mona Raouf Arafat

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