Mode für Muslimas in Deutschland

Nicht zweckmäßig, sondern hochwertig

Die 30-jährige Modedesignerin Belkis Baharcieva entwickelte ihr ursprüngliches Hobby zur Geschäftsidee: Vor kurzem gründete sie einen eigenen Online-Modeshop für Muslimas, die sich modern, schön und islamisch kleiden wollen. Mit Baharcieva sprach Falah Elias.

Wie wurden Sie Modedesignerin und wie kam es dazu, dass Sie speziell Mode für muslimische Frauen entwerfen?

Belkis Baharcieva: Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Mode. Doch zu meinem Beruf gemacht habe ich meine Leidenschaft erst seit 2006: Ich hatte erfahren, dass es an der Hochschule in Trier einen Fachbereich für Modedesign gibt. Als ich dort mit dem Studium anfing, wusste ich allerdings noch nicht, dass ich eines Tages Mode für muslimische Frauen gestalten würde.

Wann haben Sie damit begonnen, Kopftuchmode zu entwerfen?

Baharcieva: Nachdem ich mich für das Tragen des Kopftuchs entschlossen habe. Da habe ich festgestellt, dass der Markt uns Muslimas nichts anbietet. Man findet keine Mode mit Qualität. Die Kleidungsstücke, die man in türkischen oder marokkanischen Läden sieht, dienen zwar dem Zweck, sind aber qualitativ und stilistisch furchtbar. Diese Kleidungsstücke will man doch nicht tragen!

Wie kam es dazu, dass Sie sich zum Tragen des Kopftuchs entschieden haben?

Kollektion aus der Mode von Belkis Baharcieva, Foto: Zabbary.eu
Frech, lässig, unkonventionell: Belkis Baharcievas Kollektion bietet vor allem jungen muslimischen Frauen attraktive und praktische Alternativen zur herkömmlichen muslimischen Mode an.

Baharcieva: Es war ein langer Weg. Ich wurde zwar als Muslima geboren, doch vom Islam wusste ich lange Zeit nur wenig. Als ich mich in Deutschland dann vermehrt mit meiner Religion beschäftigt habe, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass das Kopftuch eine von Gott vorgeschriebene islamische Pflicht ist.

Wurden Sie nach dieser Entscheidung mit Problemen konfrontiert?

Baharcieva: Ja, es gab auf jeden Fall einige Schwierigkeiten, nicht nur gesellschaftlicher Art, sondern auch mit meiner Familie. Meine Eltern sind in der Sowjetunion aufgewachsen und die Religion hatte dort bekanntlich keine Rolle gespielt. Kopftücher wurden in meiner Heimat nicht angezogen.

Warum haben Sie Ihre Heimat verlassen?

Baharcieva: Ich kam während des zweiten Tschetschenienkriegs im Jahr 2001 als Kriegsflüchtling nach Deutschland. Die Grausamkeit des Krieges hat mich zu diesem Schritt gezwungen. Was gibt es Schlimmeres als den Krieg? Nichts!

Wie ist Ihre Arbeit hier in Deutschland aufgenommen worden? Wie groß ist die Nachfrage?

Baharcieva: Seit November 2012 bin ich selbstständig und habe einen Online-Modeshop aufgebaut und vom Entwurf bis zum Verkauf und Versand alles entwickelt. Die Nachfrage ist größer als erwartet. Der Grund dafür ist, dass dieser Bereich noch völliges Neuland ist. In Deutschland gibt es keine Designer, die Mode für muslimische Frauen gestalten. Sogar europaweit ist diese Mode selten. Am Anfang habe ich nur schlechte Prognosen und Feedbacks erhalten. Aber mit der Zeit wurde klar, dass dieses Projekt durchaus von Erfolg gekrönt ist.  Meine Modedesign-Idee für muslimische Frauen kam vom Herzen und vielleicht ist sie deshalb auch so erfolgreich.

Richtet sich diese Mode ausschließlich an muslimische Mädchen und Frauen?

Baharcieva: Es ist in der Tat interessant, dass nicht nur muslimische Frauen an meiner Mode interessiert sind, sondern auch nicht-muslimische, die beispielsweise meine Hosen sehr praktisch finden. Ich spiele mit Formen und Schnittmustern und manchmal ist das Resultat ein einzigartiges Kleidungsstück. Die Frauen sagen dann: "Wow, das gefällt mir! Das möchte ich auch haben".

Wo kann man Ihre Mode kaufen?

Baharcieva: Sie ist über das Internet zu beziehen. Bislang biete ich nur bestimmte, fertige Kollektionen an, hoffe aber, in Zukunft auch individuelle Anfertigungen offerieren zu können. Zurzeit ist das nicht möglich, weil ich - abgesehen vom Nähen - allein arbeite. Da mir die Qualität der Produkte am Herzen liegt, habe ich ein Atelier in Köln beauftragt, für mich zu arbeiten. Im März letzten Jahres habe ich bereits meine erste Modenschau in Düsseldorf präsentieren können. In Zukunft wird sie zweimal im Jahr stattfinden.

Was motiviert Sie bei Ihrer Arbeit?

Baharcieva: Ich möchte muslimischen Frauen, die in den westlichen Städten leben, arbeiten und studieren die Möglichkeit geben, sich modern, schön, praktisch und islamisch anzuziehen.

Interview: Falah Elias

© Qantara.de 2014

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.