Mit Kaya Yanar lachen alle

Er ist türkisch-arabischer Herkunft, hat in Frankfurt am Main Phonetik, Amerikanistik und Philosophie studiert und wurde als Stand Up–Comedien in Deutschland zur Kultfigur. Mit „Was guckst du?“ belustigt der gebürtige Frankfurter Kaya Yanar die gesamte Nation. Ein Portrait von Sabine Pahlke-Grygier

Er ist türkisch-arabischer Herkunft, hat in Frankfurt am Main Phonetik, Amerikanistik und Philosophie studiert und wurde als Stand Up–Comedien in Deutschland binnen kurzer Zeit zur Kultfigur. Mit seiner Sendung „Was guckst du?“ belustigt der gebürtige Frankfurter Kaya Yanar die gesamte Nation – und zwar in all ihren ethnischen Facetten.

Kaya Yanar, Foto: Sat 1

​​Ob Türken, Araber, Italiener, Inder oder Deutsche, eines haben sie seit dem 26. Januar 2001 gemeinsam. Seitdem Kaya Yanar freitags kurz nach 22 Uhr beim privaten Kanal SAT.1 auf Sendung ist, lachen sie kollektiv über ihre Macken und Marotten. Ob er nun als Ranjid, der indische Taxifahrer, Hakan, der türkische Türsteher, Yildrim, der ebenfalls türkische Fahrschullehrer, Francesco, der italienische Casanova oder Tarek, Starreporter beim fiktiven TV-Sender Dubai 2 daherkommt, seine Überzeichnungen ethnischer Eigenarten sorgen für Erheiterung. Das geht soweit, dass sich Bevölkerungsgruppen, die er bisher noch nicht aufs Korn nahm, grob vernachlässigt fühlten. Als sich Griechen darüber beschwerten, reagierte Kaya Yanar sofort und erweiterte sein Repertoire um den griechischen Restaurantbesitzer Alexandros Apostolakis.

Politisch korrekt?

„Ethno-Comedy“ nennt der Sender das, was der Comedien produziert. Ein Format, dass es vor Kaya Yanar noch nicht gab. Dass es funktioniert, überraschte zu Beginn, löste aber auch Bedenken aus. Belustigung über ethnische Wesensarten in Deutschland lebender Bevölkerungsgruppen, vorgetragen in typischem Slang – war das politisch korrekt - durfte das sein? Doch das internationale Gelächter überzeugte auch die Skeptiker. Kaya Yanar, der niemanden „runterputzen“ möchte, „will den Leuten vor allem zeigen, wie ähnlich wir uns alle sind.“ Und es scheint ihn zu geben, den „ One-World-Humor.

Er trifft ihn, wenn Ranjid die Zuschauer z.B. in die Geheimnisse der indischen Liebesschule „Tantra“ einweiht. Wenn Suleyman, der sich bisher mit Gelegenheitsjobs oder fragwürdigen Deals über Wasser hielt, seine Berufung als Radiomoderator findet. Wenn Tarek, der eigentlich mit 18 die Ölquelle seines Vaters übernehmen sollte, für den TV-Kanal Dubai 2 - bei dem er ein zweiwöchiges Praktikum absolvierte - mit Kameramann Murat aus dem fernen Deutschland berichtet. Oder wenn sich der schlitzohrige Fahrlehrer Yildrim mit unbeholfenen deutschen Fahrschülern plagt.

Aufgewachsen in drei Kulturen

Dass seine Art von Comedy so gut ankommt, erklärt er sich zum einen durch seine Authentizität als jemand, der selbst in drei Kulturen aufgewachsen ist, aber auch dadurch, dass sein Humor nicht „verletzend“ ist, wie er einem Augsburger Szene-Magazin sagte. „Die Leute, die veräppelt werden – egal ob Deutsche oder Ausländer – lachen darüber, weil sie merken, der zieht uns nur auf. Es ist nicht dieser `ich bin besser als du´-Humor.“

Von seiner Ein-Mann-TV-Show, die aus Stand-Ups, Sketchen und Einspielern aus internationalen TV-Programmen besteht, sind inzwischen drei Staffeln produziert. Er erhielt Auszeichnungen wie u.a. den Deutschen Fernsehpreis für Comedy oder den Österreichischen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Programmidee“. Die Presse schwärmt: „...seine Integrität, seine Ausstrahlung, glaubwürdig bis in die Fingerspitzen“, so der Kölner Stadtanzeiger. „Da macht sich einer in dankenswerter Weise lächerlich, indem er das ausspricht, was manchen wirklich beschäftigt“, stellt die Frankfurter Rundschau fest. „Er nimmt sich das Recht eines Menschen, der trikulturell aufgewachsen ist: Er darf sich über alles lustig machen, ohne dabei nur eine Sekunde fremdenfeindlich zu wirken“, urteilt die Stuttgarter Zeitung.

Aber auch auf der Bühne überzeugt der 30jährige, der sich gern „mit alltäglichen Themen“ von „gewichtig bis banal“ auseinandersetzt. So bescheinigte ihm die Osnabrücker Zeitung: „sein Auftritt war von der ersten bis zur letzten Minute Unterhaltung der Güteklasse auf höchstem Niveau.“

Sabine Pahlke-Grygier

Quelle: www.goethe.de

© 2003, Goethe-Institut

"Was guckst du?" auf Sat1

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