Little Mosque on the Prairie

Allah ist groß - und lustig

Die TV-Comedy-Serie "Little Mosque on the Prairie" nimmt den Kulturkampf zwischen Nordamerikanern und Muslimen aufs Korn. Und kommt natürlich nicht aus den USA, sondern aus Toronto, Kanada. Adrienne Woltersdorf informiert.

​​Ein junger Pakistani in Anzug und Krawatte steht in der Schlange vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen. Heftig gestikulierend spricht er in sein Handy. "Wenn Papa glaubt, dass das Selbstmord ist, dann soll er das eben glauben", sagt er, und nach einer kleinen Pause: "Das ist aber das, was Allah für mich vorgesehen hat."

Und, ganz wie erwartet, zerren ihn umgehend Sicherheitsbeamte aus der Wartegemeinschaft. Seine Reise ins Paradies ende hier, wird dem protestierenden Muslim beschieden - auch wenn der beteuert, der vom Vater ins Spiel gebrachte Selbstmord meine seinen soeben erwogenen Plan, das hart erkämpfte Jurastudiums abzubrechen und sich in Zukunft lieber für soziale Projekte zu engagieren.

Die Szene stammt aus der achtteiligen kanadischen Comedy-Serie "Little Mosque on the Prairie". Der Titel, in Anspielung an den Originaltitel der US-Kultserie "Unsere kleine Farm", lässt sich am besten mit "Kleine Moschee auf dem flachen Land" übersetzen.

Verwirrende und provokante Dialoge

Gesendet wird das Ganze vom öffentlich-rechtlichen kanadischen Fernsehen CBC in Toronto. Glaubt man der Blogosphäre, die dem vor kurzem gestarteten Projekt beachtliche Reverenz erwies, sind Szenen und Dialoge durchaus verwirrend und provokant. Die Serie ist schließlich die erste ihrer Art in Nordamerika.

Zarqa Nawaz; Foto: &copy Canadian Broadcasting Corporation
Drehbuchautorin Nawaz: "In den Nachrichten ist immer nur die Rede von Muslimen mit extremen Positionen. Unsere Comedy erzählt dagegen von ganz normalen Menschen."

​​In ihr machen sich Autoren und Produzenten lustig über das multireligiöse Miteinander in einer erfundenen kanadischen Kleinstadt, genannt Mercy (Gnade).

Anders als die Flughafenszene im Film sind negative Erlebnisse für Muslime und Araber in der nordamerikanischen Welt nach den Attacken vom 11. September 2001 keineswegs Fiktion.

Das bewies erst kürzlich erneut die kurzzeitige Festnahme von sechs Imamen auf einem Flughafen des US- Bundesstaates Minnesota, die durch ihre Gebete und den Anruf von Allah bei ihren Mitreisenden Angst ausgelöst hatten - und zum Flugverbot für die sechs Geistlichen führte.

Prüfung für die Zuschauer

Die Macher der Comedy-Serie sagen daher selbst, dass sie gespannt sind. Gespannt, ob die Zuschauenden tatsächlich lachen können über die, die die meisten Nordamerikaner als ernsthafte Gefahr empfinden.

"Alle erwarten, dass die Serie völlig kontrovers und politisch ist", sagt Zarqa Nawaz, die 39-jährige Drehbuchautorin. "Aber es ist einfach eine Comedy, in der Muslime die Hauptrolle spielen, die in der kanadischen Kleinstadt leben."

Bewegt vor allem die Frage, wie Muslime das finden? - "Diese Frage wird immer von denen gestellt", sagt Nawaz, "die automatisch annehmen, dass Muslime sofort auf die Straße gehen, Fatwas aussprechen und Botschaften anzünden."

"Muslime sind schließlich auf der ganzen Welt bekannt für ihren Humor" - dieses zentrale Motto der Serie ist genau die Art von satirischem Input, der in erster Linie von Zarqa Nawaz selbst stammt.

Sie selbst ist eine Kopftuch tragende, pakistanischstämmige Mutter von vier Kindern. Nawaz selbst hatte so ihre Schwierigkeiten mit dem Provinzleben, besonders nachdem sie vor einem Jahrzehnt ihre Geburtsstadt Toronto verließ, um sich mit ihrem Mann in Regina, einer Kleinstadt im öden Saskatchewan, niederzulassen.

Grenzen ein wenig überschreiten

"Man muss die Grenzen immer ein bisschen mehr überschreiten, sodass man als Gemeinschaft wachsen und sich entwickeln kann", fasst Nawaz ihre Lebensauffassung zusammen.

So ist es für sie nahe liegend, dass die Frage, welche Kleidung für eine Muslima wann angemessen ist, in der Serie eine zentrale Rolle spielt.

Wie in der Episode im Hallenbad, wo plötzlich die Wasseraerobic-Trainerin krank und nun von Johnny vertreten wird. Die lachend aus der Umkleidekabine kommenden Muslima, die sonst nur verschleiert das Haus verlassen, erstarren in Horror.

Nawaz war mit den Schauspielerinnen zuerst nicht zufrieden. "Die sahen nicht wirklich aus, als ob sie in Panik waren. Für eine Hijab tragende Muslima ist es aber eine Katastrophe, ohne ihre Bedeckung gesehen zu werden." Es stellt sich dann in der Comedy heraus, dass Johnny stockschwul ist und beteuert, dass ihn Frauenhaare kein bisschen erregen.

"Ich fange in meiner Community immer solche Gespräche an", sagt Nawaz schelmisch. Gespräche wie die, ob ein schwuler Mann auch zählt? Ob sich frau vor ihm verhüllen muss?

"Das sind Themen, die in muslimischen Ländern nie debattiert werden, auch nicht von den Import-Imamen in Nordamerika." Oder die, ob muslimische Kinder wie ihre Klassenkameraden Halloween, eine eher christliche Angelegenheit, feiern dürfen.

Die Macher der Serie wollen aber nicht nur unterhalten. Wie Humor und Comedy in der Vergangenheit auch Juden, Italienern und Schwulen geholfen haben, in der Mehrheitsgesellschaft Anerkennung zu finden, so hoffen Nawaz und ihre Auftraggeber, auch den rund sieben Millionen in Nordamerika lebenden Muslimen mit ihrer Arbeit zu helfen.

"In den Nachrichten ist immer nur die Rede von Muslimen mit extremen Positionen. Unsere Comedy erzählt einfach mal mit Witz von ganz normalen Menschen", sagt Nawaz.

Adrienne Woltersdorf

© taz 2007

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