Jerusalems Afrikaner

Fremdheit und Entfremdung

In seiner Analyse erläutert Yasser Qous, Sohn aus einer afrikanisch-palästinensischen Ehe, das Gefühl der Fremdheit der Afrikaner in ihrem Jerusalemer Umfeld der 1970er Jahre und die damalige Entfremdung der afrikanischen Gemeindemitglieder untereinander.

Jerusalemer Afrikaner (Al-afariqa al-maqdisin) oder takarina (im Singular takruri) nach der Definition des palästinensischen Historikers Aref al-Aref (1892–1973) aus seinem Buch Detaillierte Geschichte Jerusalems (1961), bezeichnet "eine der großen Familien in Bayt al-Maqdis [Jerusalem], die aus Darfour und Umgebung stammen. Sie werden als Klan mit Ursprung in Tikrit genannt, zugehörig zu den 'Zoba', einem Klan des Volksstammes der 'Shammar'.Von der Regierung wurden sie für Bewachungsarbeiten eingesetzt und im Gegenzug wurde ihnen die Sicherheit ihrer Schulen zugesichert, die sie in ihren Häusern, Wohnungen und Hallen um den Tempelberg abhielten. [...] Sie sind schwarzer Farbe, hochgewachsen und stark gebaut."

Hosni Shahin, ein palästinensischer Forscher afrikanischen Hintergrunds, wiederum definiert sie in seinem Werk Afrikanische Muslime in Bayt al-Maqdis, herausgegeben von der Waqf-Behörde Jerusalem (1984), als "afrikanische Muslime, die aus mehreren afrikanischen Ländern stammen, darunter: Nigeria, Tschad, Französisch-Sudan – jetzt Mali – und Senegal. Daher setzt sich diese Gruppe aus verschiedenen afrikanisch-arabischen Stämmen wie folgt zusammen: Die Stämme der Hausa, Salamat, Bargu, Zaghawa, Barno, Kaném-Bornou und Bilalah."

Der "Afrikaner schwarzer Hautfarbe"

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Problematik, den soziokulturellen Status der Schwarzafrikaner in Jerusalem, der eng mit ihrer Hautfarbe verbunden ist, sowie die sich aus diesem Status ergebenden Konsequenzen für ihre Wohn- und Arbeitssituation zu verstehen und einzuschätzen.

Wächter am Auguste-Viktoria-Hospital, Palästina 1928; Foto: © Library of Congress
Yasser Qous schreibt, dass heute zwar die kulturellen Grenzen zwischen der palästinensischen Gesellschaft und den Takruri-Afrikaner als Teil der islamischen Gemeinschaft verschwimmen. Allerdings bestehe die rassistische Differenzierung weiterhin. Daher bleibe der Schwarzafrikaner in der arabischen Vorstellung eben doch "der schwarze Sklave".

Zu Beginn soll ein Blick auf die Definition des Wortes "schwarz" (aswad) im Arabisch-Wörterbuch geworfen werden: Zum einen wird hier auf die Hautfarbe hingewiesen; zum anderen bezieht sich das Wort auch auf den Ort, aus dem "Afrikaner schwarzer Hautfarbe" kommen.

Der zweite Punkt überschneidet sich mit der Definition Aref al-Arefs, der den Ursprung der Jerusalemer Afrikaner in "Darfour und Umgebung" sieht. In beiden Fällen wird das Wort also in Bezug auf einen geographischen Raum mit spezifischen kulturellen und religiösen Charakteristiken gesetzt.

Dies führt uns zu der Frage der Beziehung und des Einflusses, den diese geographisch-kulturelle Bestimmung auf den, im palästinensischen Denken, existierenden Unterschied zwischen dem freien Schwarzafrikaner (Takruri) und dem verschleppten "Sklaven" hatte.

Außerdem stellt sich die Frage, inwiefern dieses Konzept von ersterem verinnerlicht worden ist, sodass er ebenfalls eine Unterscheidung zwischen seinem eigenen Status und dem des "anderen" Afrikaners macht.

Festlegung des soziokulturellen Status der Schwarzafrikaner

Es mag nicht allen bekannt sein, dass Schwarzafrikaner in zahlreichen Siedlungen und Lagern Palästinas leben. Viele palästinensische Forscher und Historiker, darunter die Historikerin Huda Lotfy, der Historiker Aref al-Aref und der Forscher Ali Qleibo, glauben, dass der Kontakt der Afrikaner mit Palästina auf die Zeit der Mamluken und Osmanen zurückgeht.

In einer Studie untersuchte Huda Lotfy Aufzeichnungen und Dokumente aus der Zeit der Mamluken, die auf dem Tempelberg gefunden wurden. In ihnen fällt die Unterscheidung zwischen dem Tekruri-Schwarzafrikaner, der ein Teil der islamischen Gemeinde ist, und dem nicht-muslimischen Schwarzafrikaner auf, der als "Sklave" angesehen wurde.

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