Islam und Bildung in Indonesien

Religiöse Toleranz lehren

In Indonesien gibt es im Bildungswesen erste Ansätze zur Förderung des interreligiösen Verständnisses – so zum Beispiel in Form von "multikulturellen Laboren". Doch leider hinken staatliche Schulen dieser Entwicklung immer noch weit hinterher. Lyn Parker berichtet.

In Indonesien gibt es im Bildungswesen erste Ansätze zur Förderung des interreligiösen Verständnisses – so zum Beispiel in Form von "multikulturellen Laboren". Doch leider hinken staatliche Schulen dieser Entwicklung immer noch weit hinterher. Lyn Parker berichtet.

Schülerinnen in einer Schule in Aceh; Foto: AP
Erziehung zu Toleranz und Respekt gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften: Ein großer Teil der Bildungsarbeit, die auf eine friedliche Koexistenz abzielt, scheint jedoch außerhalb der staatlichen Schulen geleistet zu werden, meint Lyn Parker

​​Die ethnische, religiöse und sprachliche Vielfalt gehört zum Wesen des indonesischen Staates. Und doch war es – in der Ära Suharto – verboten, die Unterschiede in Bezug auf Klasse, Ethnizität, "Rasse" und Religion ernsthaft zu hinterfragen. Die Regierung gab sich alle erdenkliche Mühe, das Bild einer homogenen nationalen Kultur zu konstruieren – insbesondere in Hinblick auf das Bildungssystem.

Seit dem Rücktritt Suhartos und der zunehmenden Festigung der Pressefreiheit, der Demokratisierung und der Politik einer größeren regionalen Autonomie und allgemeinen Dezentralisierung des Landes wurde der Weg frei für eine größere Entfaltung lokaler ethnischer und religiöser Identitäten.

Die politischen Eliten jeder Couleur verstanden es seitdem, diese Unterschiede übermäßig zu betonen und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, was zu gewalttätigen Konflikten in einigen bekannten Unruheherden überall im Land geführt hat. Die meisten Glaubensrichtungen entwickelten fundamentalistischen Strömungen, wobei der Islamisierung der öffentlichen Sphäre international gewiss die meiste Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Indonesien ist kein islamischer Staat, aber das Land ist ausgesprochen religiös. Das erste Prinzip der "Pancasila", der Staatsideologie, ist der Glaube an den einen Gott. Die Verfassung von 1945 erkennt sechs Religionen an: den Islam, den Protestantismus, den Katholizismus, den Hinduismus, den Buddhismus und den Konfuzianismus.

Freie Religionsausübung im multireligiösen Staat

Alle Bürger müssen ihre jeweilige Religion in ihren Identitätsnachweisen und in vielen offiziellen Dokumenten vermerken lassen, etwa auf der Geburts- und der Heiratsurkunde. Indonesien beheimatet eine nicht unbedeutende christliche Minderheit; Angehörige balinesischer und anderer Varianten des Hinduismus wie die Kaharingan in Kalimantan oder die Religion der Tengger auf Java; Buddhisten und Anhänger des Konfuzianismus ebenso wie Millionen Angehörige lokaler und anderer Weltreligionen.

All diese, mit Ausnahme der letzten und den Anhängern einiger Sekten wie die der Ahmadiyya, sind inzwischen frei in der Ausübung ihrer jeweiligen Religion. Gerade diese letzten Ausnahmen machen deutlich, dass Indonesien noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen ist.

Der frühere indonesische Präsident Suharto; Foto: AP
Homogene nationale Kultur als Konstrukt: In der Ära des indonesischen Diktators Suharto war es verboten, die Unterschiede in Bezug auf Klasse, Ethnizität, "Rasse" und Religion ernsthaft zu hinterfragen.

​​Schon seit 1998 ist eine Verschlechterung in den Beziehungen zwischen den Religionen festzustellen. Ein Zeichen hierfür mag die Verabschiedung des Gesetzes 20/2003 sein, das vorschreibt, dass Kinder ihren jeweiligen Religionsunterricht nur noch von Lehrern erhalten sollen, die der gleichen Religion angehören.

Doch die Spannungen, manchmal auch Brüche, zwischen den Religionen sind auch in vielen anderen Bereichen zu erkennen: in den gemischt-religiösen Ehen, beim Bau von Gotteshäusern kleinerer Glaubensrichtungen in einer Nachbarschaft einer anderen Mehrheitsreligion und sogar in der Wahl der Begrüßung.

2005 erließ der Indonesische Rat der Ulama (MUI) eine Anordnung, die den Muslimen das gemeinsame Gebet mit Nicht-Muslimen untersagte. Im gleichen Jahr gab der Rat eine Fatwa heraus, die die Heirat zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen verbot. 2006 ächtete der Rat nicht nur die Sekte der Ahmadiyya, sondern auch noch den Pluralismus, den Säkularismus und den Liberalismus.

Dies sind einige der strukturellen Hindernisse, mit denen jene zu kämpfen haben, denen daran gelegen ist, dass Indonesien seine religiöse Toleranz behält sowie jene, die glauben, dass die gemischt-religiöse Bildung und eine Ausweitung des inter-religiösen Dialogs der Weg ist, der Indonesien voranbringt.

Religionsunterricht an staatlichen Schulen

Religion war schon immer ein Pflichtfach an den indonesischen Schulen – und das für alle Schüler, in sämtlichen Stufen. In den meisten Schulen wurde Religion in zwei Klassen pro Woche unterrichtet. Das neue Bildungsgesetz von 2003 verfügte jedoch, dass jede Schule ihre Schüler nur noch von Lehrern des jeweiligen Glaubens unterrichten lassen darf, also ein muslimischer Lehrer für die muslimischen Schüler, einen Hindu-Lehrer für die hinduistischen Schüler und so weiter.

Selbst private, konfessionelle Schulen mussten danach für die Minderheit ihrer andersgläubigen Schüler Lehrer der anderen Konfessionen bereitstellen. So muss beispielsweise eine private katholische Schule für ihre muslimischen Schüler auch einen muslimischen Religionslehrer anstellen.

Einerseits kann diese Gesetzgebung positiv bewertet werden, da sie die religiösen Minderheiten an einer Schule anerkennt und dafür sorgt, dass alle Schüler einen ihnen entsprechenden Religionsunterricht erhalten. Zudem soll dafür gesorgt werden, dass der jeweilige Glauben mit Respekt und auf Grundlage eines angemessenen Kenntnisstandes vermittelt wird.

Und doch ist auch zu hören, dass einige Schüler religiöser Minderheiten ihre Schule wechseln mussten oder sogar in eine andere Stadt umziehen mussten, weil ihre Schulen nicht bereit waren, für sie die nötigen Lehrer anzustellen. Schließlich kann es die Schulen viel kosten, wenn sie für nur einen oder zwei Schüler einen eigenen Lehrer verpflichten müssen, weshalb einige Schulen sich dieser Regelung entziehen.

Interreligiöses Gespräch in einer pesantren; Foto: Lyn Parker
Lernen von der Religion "der anderen": Christliche Schüler und Schülerinnen aus China im Religionsgespräch mit indonesischen Schülern einer islamischen Internatsschule ("pesantren")

​​Der Ansatz, mit dem an den staatlichen Schulen Religion unterrichtet wird, ist einer von "innerhalb der Religion" – also ein konfessioneller Ansatz. Der Lehrplan für jede Religion betont die Grundsätze und moralischen Prinzipien des jeweiligen Glaubens.

Gleichzeitig aber sehen alle Lehrpläne vor, dass die Schüler aller unterschiedlichen Glaubensrichtungen von Beginn bis zu ihrem Schulabschluss lernen sollen, "tolerant zu sein und nach Harmonie im persönlichen wie im sozialen Leben zu streben".

Sie sollen lernen, "sich standhaft gegenüber Herausforderungen, Hindernissen und Veränderungen zu verhalten, denen sie sich im sozialen Austausch und lokalen, nationalen, regionalen wie auch im globalen Rahmen gegenübersehen".

Schwindende Toleranz?

Und doch scheint es, dass der Toleranz inzwischen kein allzu hoher Stellenwert im Religionsunterricht beigemessen wird. In den drei Jahren des Islamunterrichts in der Oberstufe, wird der Begriff Toleranz nur einmal erwähnt, nämlich im Lehrplan der zwölften Stufe.

Im Lehrplan der Protestanten wird das Wort dagegen gar nicht erwähnt, obwohl "christliche Werte" intensiv gelehrt werden. In der zwölften Stufe sollen die Schüler dann eine "kritische Haltung gegenüber den demokratischen Werten und Menschenrechten entwickeln" sowie lernen, "die Überbringung froher Botschaften und den Einzug von Wohlstand und Frieden im Privatleben wie in der Gemeinde zu befördern".

Das Curriculum im Fach Staatsbürgerkunde sieht vor, den Schülern beizubringen, die unterschiedlichen Lebensstile der anderen Bürger des Landes zu achten, "unabhängig von Rasse, Religion, Geschlecht, Gruppe, Kultur oder Ethnie".

Doch handelt es sich hierbei um die einzige Erwähnung der Religion im Lehrplan dieses Schulfachs. Es werden keine Versuche unternommen, zwischen den Religionen zu vermitteln, also auch andere, fremde Religionen in einer Weise darzustellen, die dazu dienen könnte, das Verständnis für den Wert anderer Glaubensbekenntnisse zu fördern.

Gewiss herrscht Konsens darüber, dass andere Religionen ein Existenzrecht in Indonesien haben, doch die Neugier auf die andere Glaubensgemeinschaft kommt gar nicht auf. Ein Unterricht, der die Schüler in die Lage versetzt, andere Religionen tatsächlich zu verstehen und wertzuschätzen, existiert so gut wie nicht.

Angesichts der gegenwärtig aufgeheizten Stimmung im Land kann es nicht überraschen, dass auch der Religionsunterricht zunehmend im Fokus der Politik steht. Nun haben sich auch einige indonesische Wissenschaftler in die Debatte eingeschaltet.

2003 veröffentlichte RELIEF, ein von der Gadjah-Mada-Universität herausgegebenes Magazin für religiöse Themen, einen Leitartikel, der zu dem Schluss kam, dass "unser religiöser Unterricht zunehmend dogmatisch, ausschließend und rigide wird".

2008 führte das Zentrum für Islamische und Soziale Studien an der National Islamic University in Jakarta eine Umfrage unter 500 Religionslehrern durch, die in den Oberstufen von Gymnasien und an Berufsschulen in einigen Städten Javas unterrichten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine große Mehrheit der Lehrer gegen die Vermittlung religiöser Vielfalt im Unterricht eingestellt ist. So sprechen sich 87 Prozent dagegen aus, andere Religionen im Unterricht zu porträtieren. Überhaupt zeigen die Resultate der Umfrage eine wahrlich nicht tolerante Einstellung, möchte doch eine Mehrheit der Befragten nicht unter einem nicht-muslimischen Schulleiter arbeiten.

Nach den Worten des Direktors des Zentrums, Dr. Burhanuddin, spiegelt sich diese "anti-pluralistische Sicht" der Religionslehrer auch in ihrem Unterricht wider, was zu einem Anwachsen des Konservativismus und Radikalismus in den muslimischen Gemeinden Indonesiens beiträgt.

Es scheint, dass die Ministerien für Religion und Bildung nicht in der Lage sind, mit dem, was religiöse Toleranz und Pluralismus eigentlich bedeuten, angemessen umzugehen, vor allem im Hinblick auf die Herausforderungen, die mit dem Begriff "Weltbürgertum" verbunden sind.

Vielfalt an Kulturen und Religionen

Einzelne Lehrer geben sich aber große Mühe, die interreligiöse Toleranz zu fördern. Eine Religionslehrerin an einer privaten islamischen Schule in Yogyakarta etwa thematisiert in ihrem Unterricht auch soziale Belange wie Abtreibung, häusliche Gewalt und Polygamie.

Sie arbeitet mit Hilfe von Zeitungsausschnitten, die ein aktuelles Thema behandeln oder zeigt einen Dokumentarfilm, wobei sie ihre Schüler dann auffordert, sich kritisch damit zu befassen, zu diskutieren und zu diesem Thema Stellung zu nehmen.

Die dabei entwickelten Perspektiven ihrer Schüler sprechen für die Effektivität ihres Unterrichts in religiösem Pluralismus. Wie es ein Schüler ausdrückte, sollten "die Indonesier sich idealerweise gegenseitig respektieren und wertschätzen. In Indonesien existieren viele Kulturen: Wir alle sollten aber eine Kultur werden. Gott tat recht daran, der Menschheit eine Vielfalt der Kulturen und Religionen zu geben."

Manchmal aber ist es die Schule selbst, die diese Anstrengungen unternimmt oder zumindest den Rahmen bietet, der zur friedlichen Koexistenz verschiedener Kulturen ermutigt.

​​Der Lehrer an einer privaten katholischen Schule zum Beispiel, der seinen Schülern mehr Humanismus und weniger Dogmen vermittelt oder Vergleiche zwischen den Religionen anstellt, genießt die Unterstützung seines Schulleiters und der Schulverwaltung.

Wenn zukünftige Schüler und deren Eltern die Schule besuchen, werden sie darauf hingewiesen, dass dort kein Katholizismus unterrichtet wird, sondern dass es ihnen um ein gemeinsames "Treffen" der Religionen geht, wobei der Dialog im Vordergrund steht und ein interaktiver Ansatz, der Unterrichtsmaterial nutzt, das nicht nur von einer bestimmten Religion stammt.

Ein "multikulturelles Labor"

Die Stiftung, die die Schule unterhält, hatte bei ihrer Gründung so etwas wie ein "multikulturelles Labor" im Sinn, das alle Menschen gleichermaßen wertschätzt, unabhängig von ihrem Hintergrund. Es sollte eine Schule werden, die integrierend wirkt und Unterschiede überbrückt.

Die Schüler werden ermutigt, selbst etwas herauszufinden. In einer Unterrichtsstunde etwa gingen sie auf die Straße, um Passanten zu interviewen und sie zu fragen, was ihnen ihr Glaube bedeute. Viele Schüler entschlossen sich, Menschen aus niedrigen und mittleren Einkommensschichten zu interviewen, wofür ihr Lehrer sie lobte, weil er glaubt, dass die gutsituierten Schüler an der Schule lernen müssten, "Menschen sämtlicher Couleur und Klassen" kennenzulernen.

Nach dieser Erfahrung kam einer der Schüler zum Schluss, dass sein Lehrer ihm beigebracht hätte, "die Spiritualität und Ansichten anderer Menschen wertzuschätzen, egal, von wem sie stammten". Ein anderer sagte: "Ich habe gelernt, dass Spiritualität einen großen Nutzen im täglichen Leben hat, da sie den Menschen hilft, Schwierigkeiten zu überwinden."

Und doch handelt es sich bei diesen lobenswerten Bemühungen zur Vermittlung von Toleranz um vereinzelte Anstrengungen, die allein vom guten Willen und der Energie einzelner Lehrer abhängen, oder zuweilen von der Schule.

Hier liegen die Grenzen solcher Versuche und es wäre sicher eine gute Idee, einige dieser experimentellen Projekte zu evaluieren. Auch den staatlichen Schulen würde es gut zu Gesichte stehen, sich diese "multikulturellen Labore" genauer anzuschauen.

Universitäten in Bewegung

Auch an einigen Universitäten sind interessante Initiativen zu beobachten. Die Gadjah-Mada-Universität in Yogyakarta verfügt über ein eindrucksvolles Zentrum für interreligiöse Studien, das sich an Graduierte wendet. Hierbei handelt es sich um ein sehr umtriebiges Forschungszentrum, in dem Seminare abgehalten, Konferenzen organisiert und Forschungen gesponsert werden. Gleichzeitig unterhält es enge Verbindungen zur ebenfalls in Yogyakarta ansässigen Sunan Kalijaga-Universität.

Doktoranden von hier und von anderen islamischen Universitäten leisten Beachtliches in diesem interreligiösen Bereich. Nicht nur entstehen viele Doktorarbeiten zu traditionellen religiösen Themen wie der Theologie, sondern auch im Bereich der komparativen Religionswissenschaften und im Feld der Religionssoziologie.

Die staatlichen Universitäten, insbesondere in Jakarta und Yogyakarta, sind bereits seit langem aktiv im Bereich des interreligiösen Dialogs. Die Sunan Kalijaga-Universität unterhält gemeinsam mit der christlichen Universität Duta Wacana einen Kurs für Graduierte der Theologie. Dieses innovative Programm, bekannt als "Cross-Religion School", dauert ein akademisches Jahr, währenddessen die Studenten Andachtsorte besuchen, an Gottesdiensten teilnehmen und eine ganze Reihe unterschiedlicher Religionen studieren können.

Verständnis für den Islam fördern

NGO unterrichtet Schüler in Jakarta; Foto: Lyn Parker
Vor allem NGOs geben heute wichtige Impulse, wenn es um neue Lerninhalte und Methode beim interreligiösen Dialog in Schulen geht, schreibt Parker.

​​Die Petra Christian University in Surabaya hat ihrerseits ein innovatives Programm entwickelt, mit dem das Verständnis für den Islam gefördert werden soll durch den Besuch zweier Klassen von Wirtschaftsstudenten in einer Pesantren (islamische Internatsschule) in Surabaya. Die meisten Studenten an dieser Schule sind Chinesen. Die Schüler und Lehrer an der Pesantren empfingen die chinesischen Studenten sehr herzlich und nahmen an Interviews und Diskussionen in kleinen Gruppen teil.

Darauf folgten weitere Diskussionen. Und als die Wirtschaftsstudenten ihre Ergebnisse präsentierten, bildeten einige der Schüler aus der Pesantren das Publikum. Viele der christlichen Studenten stammen aus sehr wohlhabenden Familien der oberen Mittelklasse und wurden dort der Realität eines islamischen Internats zum ersten Mal gewahr. Wie die Präsentationen zeigten, hatte die Interaktion mit den Andersgläubigen eine sichtbare Änderung in ihrer bisherigen Haltung gegenüber Muslimen zur Folge.

Einige dieser Universitäten können als Elitehochschulen bezeichnet werden, sie bringen die nächste Generation der politischen, akademischen, wirtschaftlichen und sozialen Führungsschicht hervor. Deshalb ist es ermutigend, dass zumindest ein Teil ihrer Studenten ermuntert wird, zu lernen, wie ein Leben in Harmonie mit Menschen anderer Religionen geführt werden kann.

NGOs an der Spitze des interreligiösen Dialogs

Heute sind es vor allem auch die NGOs, die wichtige Impulse geben, wenn es um den Anstoß zu solchen Experimenten geht, aber auch bei der Vermittlung und Organisation spielen sie eine große Rolle.

In Jakarta sind es Organisationen wie die "Indonesian Conference on Religion and Peace", das "Wahid-Institut" und die Frauenrechtsinitiative "Kapal Perempuan", die eine ganze Reihe von Aktivitäten unterhalten wie Seminare für junge Menschen und Frauen, die Herausgabe von Publikationen, Bibliotheksdienste, Trainingskurse und Forschung zu Fragen der inter-religiösen Kommunikation, Toleranz und Friedensarbeit.

Eine der wichtigsten und beständigsten NGOs ist "Interfidei" in Yogyakarta, die auch für die Organisation der genannten "Cross-Religion-School" verantwortlich ist. "Interfidei" spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung des interreligiösen Dialogs. Die Organisation gibt Publikationen heraus, vergibt Forschungsaufträge, organisiert Besuche internationaler Experten und führt Seminare durch. Der Schwerpunkt der Arbeit von "Interfidei" liegt also im interreligiösen Dialog und ist allseits respektiert.

Andere NGOs führen Programme durch, die sich nicht in erster Linie auf den interreligiösen Dialog konzentrieren, die aber dennoch geeignet sind, zur Integration, zum Multikulturalismus und zur interreligiösen Kommunikation beizutragen.

Dies gilt etwa für die christlichen Aktivisten, die im streng islamischen Süden Sulawesis arbeiten. Sie bevorzugen es, ihre Projekte für Entwicklung und Armutsbekämpfung lieber an der Seite mit den Muslimen durchzuführen als in ausgewiesenen interreligiösen Gruppen.

Ein großer Teil der Bildungsarbeit, die auf eine friedliche Koexistenz abzielt, scheint außerhalb der staatlichen Schulen geleistet zu werden. Die NGOs sind es, die den Weg weisen. Auch wenn es natürlich großartig ist, wenn NGOs, Universitäten und einige Lehrer von Privatschulen vorbildliche Arbeit leisten, ist es doch besorgniserregend genug, dass die interreligiöse Bildungsarbeit nicht besser in den staatlichen schulischen Lehrplänen verankert und strukturell besser unterstützt werden.

Dabei gibt es bereits wertvolle Erfahrungen, die den Unterricht in religiöser Toleranz im ganzen Land voranbringen könnten. Bildung kann einen großen Beitrag leisten, wenn es darum geht, unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.

Lyn Parker

© Inside Indonesia 2010

Lyn Parker ist Professorin für Asienstudien an der University of Western Australia. Sie leitet das vom "Australian Research Council" (ARC) geförderte Forschungsprojekt "Bildung für ein tolerantes und multikulturelles Indonesien".

Übersetzung aus dem Englischen von Daniel Kiecol

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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