Hochschulen in Syrien

Die Universität war hier nie ein Ort der Freiheit

Die Auswirkungen des Krieges auf die unterfinanzierten syrischen Hochschulen sind vielfältig. Deutsche Behörden sehen gefälschte Bildungsnachweise, die dort überhandnehmen, aber kaum als Problem. Von Joseph Croitoru

Eine der verheerenden Folgen des syrischen Bürgerkriegs ist die bedenkliche Lage der Hochschulen im Land. Und die war auch schon vor dem Krieg, der etwa fünf Millionen syrische Bürger, darunter zahlreiche Dozenten, Studenten und Studierwillige, ins Exil getrieben hat, keineswegs unproblematisch.

Auch wenn unter den Arabern die Syrer als diejenigen gelten, die über die umfassendste Schul- und Hochschulbildung verfügen, so gab es in Syrien auch noch Jahre nach der Staatsgründung 1946 zunächst nur die Universität Damaskus, die bereits 1923 entstand. Erst 1958 kam diejenige von Aleppo hinzu, zwei weitere Universitäten wurden in den siebziger Jahren im Zuge der Konsolidierung des Baath-Regimes Hafiz al Assads in Latakia und Homs gegründet.

Unter der Regierung seines Sohnes Baschar wurden dann nicht nur weitere drei staatliche, sondern auch zwanzig Privathochschulen eröffnet. Die Neugründungen im privaten Bereich hatten allerdings den Druck auf die staatlichen Bildungsanstalten, der durch die rechtlich verbriefte Garantie auf einen Studienplatz weiter stieg, nur teilweise gemindert. Mit ein Grund dafür war, dass, während für das Studium an einer staatlichen Universität nur symbolische Studiengebühren entrichtet werden müssen, sie bei den privaten Hochschulen Summen erreichen, die sich die meisten Studenten nicht leisten können.

Dieser Umstand führte auch schon vor dem arabischen Frühling zu massiv überfüllten Lesesälen. So war denn auch 2012 der größte Teil der beachtlichen etwa 33 Prozent der jungen Syrer an einer staatlichen Hochschule eingeschrieben.

Syrer versammeln sich am 15. Januar 2013 am Ort einer Explosion außerhalb der Aleppo-Universität. (Foto: AFP/Getty Images).
Universitäten unter Beschuss: Insgesamt haben die Kriegsjahre zu einer massiven Ausdünnung der syrischen Hochschulen geführt. Einheimischen Presseberichten zufolge ist die Zahl der Studenten deutlich gesunken, ein Fünftel der Dozenten soll das Land verlassen haben.

Als Schwäche des Systems wurden schon damals veraltete Lehrpläne und Unterrichtsmethoden beklagt, die das Auswendiglernen von Textbüchern in den Vordergrund stellten. Rigider Frontalunterricht war die Regel und ein freier und intensiver Austausch mit den Dozenten selten möglich, weil diese aufgrund der schlechten Bezahlung häufig einer weiteren Beschäftigung nachgehen mussten und wenig Zeit für die Betreuung ihrer Studenten hatten.

Einengend auf den Hochschulbetrieb wie auch auf die Forschung wirkten zudem die politischen Rahmenbedingungen. Kritik am Assad-Regime wurde nicht geduldet, und Studenten oder Hochschullehrer, die es ab 2011 wagten, sich für mehr Freiheiten einzusetzen, wurden schnell Opfer brutaler Unterdrückung – wie übrigens auch Schulkinder.

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