Die Türkei und die Gülen-Bewegung

Erdoğans neue Schulen im Ausland

Seit dem Putschversuch in der Türkei dringt Präsident Erdoğan im Ausland auf die Übergabe der Schulen der Gülen-Bewegung. Auf Druck Ankaras haben viele Länder die Schulen an die türkische Maarif-Stiftung übergeben, doch in Deutschland genießt die umstrittene Bewegung weiter Schutz. Von Ulrich von Schwerin

Als Recep Tayyip Erdoğan vor zehn Jahren Deutschland besuchte, warb er zur Irritation der Deutschen für die Eröffnung "türkischer Schulen", um die Bildung seiner Landsleute zu fördern. Heute will der türkische Präsident genau diese Schulen wieder geschlossen haben, da sie zur Bruderschaft des islamischen Predigers Fethullah Gülen gehören, die er für den gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich macht.

In Deutschland und anderen westlichen Staaten stößt Erdoğan damit auf Ablehnung, doch haben sich viele Länder dem Druck gebeugt und die Schulen der Türkei übergeben. Die Gülen-Bewegung stellt dies nun vor ernste Herausforderungen.

Schon von dem Putschversuch hatte Ankara die Maarif-Stiftung ins Leben gerufen, um die Schulen, Wohnheime und Universitäten der Gülen-Bewegung zu übernehmen. Seit ihrer Gründung im Juni 2016 hat die Stiftung in 28 Ländern mehr als hundert Schulen mit über 10.000 Schülern übernommen. Mit 80 weiteren Ländern laufen derzeit Gespräche über eine Übernahme. Erst am 12. November wurde im afghanischen Herat trotz der Proteste von Eltern und Schülern eine Schule der Bewegung von den Sicherheitskräften besetzt und der Maarif-Stiftung übergeben.

"Friedliche Koexistenz wie bei den Osmanen"

Auf wiederholte Anfragen reagierte die Stiftung nicht, doch in einem Interview mit der regierungsnahen Zeitung "Daily Sabah" beschrieb ihr Vorsitzender Birol Akgün ihr Ziel als die Verbreitung "türkischer Werte". Damit wolle sie helfen, die Spannungen zwischen dem Westen und der islamischen Welt abzubauen, und zur Verständigung zwischen den Zivilisation beitragen, sagte Akgül. Ihr Ziel sei die "friedliche Koexistenz" der Volksgruppen "wie bei den Osmanen". Langfristig sollten die Maarif-Schulen eine "vertrauenswürdige internationale Marke" werden.

Mit ihrer Betonung von Bildung und Dialog ähnelt die Maarif-Stiftung durchaus der Gülen-Bewegung, doch sind die Maarif-Schulen laut der Sozial- und Kulturanthropologin Kristina Mashimi klarer islamisch geprägt. So würden sie islamische Studien als Schulfach anbieten, während bei den Gülen-Schulen Koranunterricht nur außerhalb des Lehrplans stattfinde, sagt die Forscherin von der Freien Universität Berlin, die zu Gülen-Schulen in Tansania arbeitet. Auch würden sie sich klarer an Muslime wenden, während die Gülen-Schulen äußerlich säkular seien.

Der islamische Prediger Fethullah Gülen; Foto: picture-alliance/dpa
Fethullah Gülen - vom einstigen partner zum erbitterten Feind: Nach ihrer Regierungsübernahme in der Türkei hatte Erdoğans islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) lange mit der Gülen-Bewegung kooperiert, um ihre Macht im Staat zu konsolidieren und Posten in Justiz, Polizei und Verwaltung zu besetzen. Im Ausland nutzte die AKP-Regierung die weit gespannten Netzwerke Gülens, um ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss auszuweiten, während die türkische Diplomatie umgekehrt die auch Cemaat genannte Bruderschaft bei der Gründung neuer Schulen unterstützte.

Nach ihrer Regierungsübernahme in der Türkei hatte Erdoğans islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) lange mit der Gülen-Bewegung kooperiert, um ihre Macht im Staat zu konsolidieren und Posten in Justiz, Polizei und Verwaltung zu besetzen. Im Ausland nutzte die AKP-Regierung die weit gespannten Netzwerke Gülens, um ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss auszuweiten, während die türkische Diplomatie umgekehrt die auch Cemaat genannte Bruderschaft bei der Gründung neuer Schulen unterstützte.

Von der informellen Koalition zur erbitterten Feindschaft

So ging es lange Hand in Hand, bis sich Erdoğan und Gülen 2013 im Streit um Macht und Posten überwarfen. Aus der informellen Koalition wurde eine erbitterte Feindschaft, die zwischen den einstigen Verbündeten zu einem Kampf auf Leben und Tod führte. Schon vor dem Putschversuch drang Erdoğan im Ausland darauf, dass die Gülen-Schulen geschlossen werden – teils mit Erfolg wie in Gambia. Nach dem Putschversuch schloss Ankara dann sämtliche verbliebenen Einrichtungen der Bruderschaft in der Türkei und verschärfte auch die Verfolgung im Ausland.

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