Die Ditib und der interreligiöse Dialog

Belastete Verständigung

Seitdem die türkische Politik immer autokratischer wird, ist der Dialog zwischen Ditib-Moscheegemeinden und christlichen wie kommunalen Akteuren vielerorts schwierig geworden. Trotz dieser Ernüchterung gibt es auch neue Anknüpfungspunkte vor allem unter den Jugendverbänden. Von Claudia Mende

Seit langem gibt es Kritik an der Türkisch-Islamischen Union Ditib, der größten sunnitisch-islamischen Organisation in Deutschland. Sie vertritt heute bundesweit über 900 lokale Moscheevereine. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die enge Anbindung an den türkischen Staat, die eine Integration in Deutschland verhindere und einen konservativen Islam fördere. Denn die Organisation ist der türkischen Religionsbehörde Diyanet unterstellt, in ihren Moscheegemeinden predigen Imame, die in der Türkei ausgebildet und vom türkischen Staat wie Beamte nach Deutschland entsandt werden.

Über die letzten Jahrzehnte hatten sich trotz dieser problematischen Ausgangslage zahlreiche interreligiöse Kontakte zwischen Ditib-Moscheegemeinden und christlichen Kirchen sowie in den Kommunen entwickelt. Bei runden Tischen mit Religionsvertretern oder Räten der Religionen waren Vertreter der Ditib meist selbstverständlich dabei.

Putschversuch in der Türkei als Zäsur

Doch das hat sich seit 2016 geändert. Der interreligiöse und gesellschaftliche Dialog mit der Ditib ist an vielen Orten schwieriger geworden. Nach dem gescheiterten Putschversuch 2016 in der Türkei bezichtigte Erdogan den Prediger Fetullah Gülen, Drahtzieher des Putschversuchs zu sein. Die Gülen-Bewegung wird in der Türkei als Terrororganisation eingestuft. Auch in Deutschland ist die Stimmung in der türkischen Community gegenüber Anhängern von Gülen aufgeheizt.

Die Türkei hat sich seitdem immer weiter von einem säkularen Staat hin zu einem islamisch-religiös geprägten Staatswesen verändert. Jüngster Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee, die nun der Religionsbehörde Diyanet unterstellt wird.

Als die Türkei noch laizistisch war, galt die Ditib als Garant für eine Trennung von Religion und Politik, sagt Thomas Lemmen, Referent für interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln, in einem Interview mit dem Domradio. Die Situation in der Türkei habe sich aber deutlich verändert. „Aus einem Wahrer des Laizismus ist der türkische Staat unter Erdoğan zu einem Förderer seiner islamisch konservativen Politik geworden. Damit hat sich die Rolle der Religionsbehörde Diyanet und auch der Ditib in Deutschland gewandelt“.

Allerdings war die Organisation Ditib schon immer klar der Religionsbehörde Diyanet und damit dem türkischen Staat unterstellt. Aber die Bewertung dieses Abhängigkeitsverhältnisses hierzulande hat sich verändert.

Stärkere Einflussnahme der Diyanet

"Der Einfluss der türkischen Religionsbehörde Diyanet auf Ditib wird jetzt als größer wahrgenommen als vor 2016“, meint der Islamwissenschaftler Hussein Hamdan von der Katholischen Akademie Rottenburg-Stuttgart. Hamdan leitet das Projekt „Muslime als Partner in Baden-Württemberg“, in dem er Kommunen zum Beispiel bei Konflikten berät. „Dabei war die Ditib auch vorher schon von Diyanet abhängig, nur war der türkische Staat damals laizistisch, deshalb fand das niemand problematisch."

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