Für Syrien, gegen die Regierung: Anti-Asssad-Demonstration in Hazzanu, nahe der Stadt Idlib, September 2018. Foto:  (Getty Images/AFP/A. Watad)
Die Diktaturen Syrien und DDR im Vergleich

Im Gefängnis der Ideologien

Viele autoritäre Systeme stützen sich einerseits auf eine politische Ideologie, andererseits auf den organisierten Terror des Staates gegen seine Bürger. Dies trifft gleichermaßen auf die Baath-Diktatur und die DDR zu, meint der syrische Schriftsteller Tarek Azizeh in seinem Essay.

1989 wehte in den meisten osteuropäischen Ländern der Wind des demokratischen Wandels. Die Zeichen standen auf Veränderung und kündigten den Zerfall der Sowjetunion an, deren System längst zu bröckeln begonnen hatte.

Das internationale Klima zum damaligen Zeitpunkt bereitete den bürgerlichen Protesten in Ostdeutschland bzw. in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) einen fruchtbaren Boden. Die Bürgerinnen und Bürger der DDR erhoben sich zur "friedlichen Revolution" und riefen zum Sturz des Einparteiensystems und der Schreckensherrschaft des "Staatssicherheitsdienstes" (Stasi) auf – mit Erfolg: Mit dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung nach 40 Jahren der Teilung ging auch eine Ära des Schreckens zu Ende.

Von Erfolg sind friedliche Revolutionen jedoch nicht immer gekrönt, wie die Syrerinnen und Syrern im Gegensatz zu ihren ostdeutschen Vorgängern erfahren mussten, als sie sich gegen die Tyrannei des Assad-Regimes erhoben.

Denn die friedliche Revolution in Syrien, die im März des Jahres 2011 ihren Anfang nahm, entwickelte sich in ihrem Verlauf schrittweise zu einem offenen Krieg, innerhalb dessen landesinterne Gegebenheiten auf ungünstige Weise mit regionalen und internationalen Konflikten verschmolzen.

Gründe für das Scheitern der friedlichen Revolution in Syrien

Zu den maßgeblichen Ursachen für die verheerende Entwicklung des Konflikts gehören mitunter die Einmischung externer Akteure sowie die übermäßige Gewaltanwendung  des Assad-Regimes, unter dem die Menschen bis zum heutigen Tage getötet, weggesperrt und vertrieben werden. Des Weiteren keimten im Zuge des Konflikts terroristische Gruppierungen auf, die die Tyrannei des Regimes um ihren eigenen religiösen Terror ergänzten. All dies geschah und geschieht zu Lasten der syrischen Zivilbevölkerung.

Baschar al-Assad bei der Stimmabgabe in einem Wahllokal anlässlich der syrischen Parlamentswahlen 2016; Foto: Reuters/Sana
Herrschaftsakklamation im Stile von DDR-Volkskammerwahlen: Würden in Syrien Wahlen etwas an den Machtverhältnissen des Assad-Clans in Staat und Gesellschaft ändern, wären sie dort gewiss verboten. "Trotz aller Unterschiede lassen sich bei autoritären Systemen in bestimmten Stadien ihrer Entwicklung auch Gemeinsamkeiten identifizieren. Durch die vermeintliche Adaption moderner Ideologien wird eine Fassade aufgebaut, hinter der ein rigider Polizeistaat zum Vorschein kommt. Dies lässt sich sowohl im Fall der DDR als auch in Syrien unter der Herrschaft des Assad-Regimes beobachten", schreibt Azizeh.

Zweifellos finden sich zwischen Syrien, seiner Gesellschaft und seiner Revolution und der damaligen Situation in Ostdeutschland zahlreiche Unterschiede, darunter in den Verwaltungs-, Wirtschafts- und Bildungssystemen sowie in Hinblick auf die Lebensstandards der jeweiligen Länder. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die Verschiedenheit der Volksgruppen und Konfessionen, die Rolle von Religion in der Gesellschaft sowie die Struktur von Familien und sozialen Beziehungen.

Die Unterschiede zwischen den beiden Systemen sind nicht zu übersehen. Zu den Spezifika des Assad-Regimes zählt seine allmähliche Entwicklung von einem despotischen Regime zu einer dynastischen Alleinherrschaft der Assad-Familie, denn der Clan saß bereits zum Zeitpunkt der Machtübernahme an den entscheidenden Machthebeln im Land und dreht bis heute die Stellschrauben in Syrien.

Gemeinsame Merkmale autoritärer Regime

Trotz all dieser Unterschiede lassen sich bei autoritären Systemen in bestimmten Stadien ihrer Entwicklung auch Gemeinsamkeiten identifizieren. Durch die vermeintliche Adaption moderner Ideologien wird eine Fassade aufgebaut, hinter der bei genauerem Hinsehen ein rigider Polizeistaat zum Vorschein kommt. Dies lässt sich sowohl im Fall der Deutschen Demokratischen Republik als auch in Syrien unter der Herrschaft des Assad-Regimes und der Baath-Partei beobachten.

Autoritäre Systeme weisen in der Regel folgende zwei Grundpfeiler auf: eine politische Ideologie sowie die allgemeine Verbreitung von Furcht und Schrecken, oder vielmehr von organisiertem Terror seitens des repressiven Staatsapparates gegen seine Bürger.

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