Der syrische Demokratie-Aktivist Raed Fares

"Ideen kann man nicht mit Waffen töten"

Am 23. November 2018 erschossen Attentäter den syrischen Bürgerrechtler Raed Fares in seiner Heimatstadt Kafranbel im syrischen Gouvernement Idlib. Mit seinem Engagement hinterließ er ein Vermächtnis, das noch Generationen von Aktivisten ermutigen wird. Von Marta Vidal

"Black Friday Special Offer" (dt. Sonderangebot zum Schwarzen Freitag) lautete ein Spruchband, das Aktivisten in Kafranbel hochhielten, einer kleinen Stadt in Nordsyrien. "Bringen Sie Ihren Feind mit und kommen Sie nach Syrien, um dort gratis zu kämpfen".

Als sich die Syrer 2011 gegen das autoritäre Regime von Baschar al-Assad erhoben, gingen die Demonstranten in Kafranbel jede Woche mit auffälligen Botschaften auf die Straße. "ASSad ist der Ursprung des Terrorismus", war eine davon, wobei das englische Wort "ass" auf Esel oder andere Schimpfwörter anspielt.

Diese originellen Botschaften werden oft auch mit Zeichnungen in Szene gesetzt. Sie prangerten die Brutalität des Assad-Regimes und seiner Verbündeten an und machten die ehemals unbekannte Stadt Kafranbel berühmt. "Die Spruchbänder von Kafranbel bezeugen nach wie vor die Träume der meisten Syrer", schrieb der syrische Schriftsteller Khalid Khalifa in seinem Vorwort zum Buch "Dancing in Damascus". Ihr Wortwitz und ihre Kreativität erhoben die Stadt schon bald zum "Gewissen der Revolution".

Raed Fares war der kreative Kopf hinter den Aktionen. Als prodemokratischer Aktivist und Organisator gründete er einen Radiosender, half beim Aufbau einer neuen Zivilgesellschaft im Gouvernement Idlib und trug maßgeblich dazu bei, die internationale Aufmerksamkeit auf die Notlage Syriens zu lenken.

Kafranbel-Banner: "Black Friday Special Offer"; Quelle: Twitter/Raed Fares
Mit Biss und Ironie gegen das Assad-Regime: "Bringen Sie Ihren Feind mit und kommen Sie nach Syrien, um dort gratis zu kämpfen", so das "Black Friday Special Offer" aus Kafranbel.

Doch sein Einsatz zum Aufbau einer freien Presse, zur Stärkung der Frauenrechte und zur Schaffung der Grundlagen für eine demokratische Gesellschaft zog den Zorn extremistischer Gruppen auf sich, die immer zahlreicher wurden, je weiter der Krieg eskalierte. Vor rund einem Jahr, am 23. November, wurden Fares und sein Mitstreiter Hamoud Jnaid von Attentätern in Kafranbel ermordet. Sein Vermächtnis indes bleibt und wird für viele Aktivisten weiterleben.

Fünfzig Jahre Unterdrückung und Leid

"Revolutionen sind Ideen und Ideen kann man nicht mit Waffen töten", sagte Fares in einer Rede auf dem Oslo Freedom Forum 2017. Die Syrer seien Opfer von zwei Arten von Terrorismus, erklärte er dem dortigen Publikum, als er über seinen Einsatz für ein freies und demokratisches Syrien sprach: Auf der einen Seite stehe das Assad-Regime und seine Verbündeten, auf der anderen Seite der IS und weitere extremistische Gruppen.

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