Lale Akgün: Deutschland hat bei Integration "falsche Ansprechpartner"

01.08.2016

Aus Sicht der türkischstämmigen Buchautorin und SPD-Politikerin Lale Akgün arbeiten deutsche Behörden und Politiker in der Integrationspolitik schon seit Jahrzehnten zu stark mit Verbänden zusammen, die heute vor allem im Sinne des türkischen Präsidenten Erdogan und der Führung in Ankara handeln. "Da stellt sich für mich natürlich die Frage, ob man nicht in der Integrationspolitik immer die Falschen unterstützt hat", sagte Akgün am Montag im Deutschlandfunk.

Seit dem missglückten Putsch habe Erdogan "seinen Kampf gegen Demokratie zu einem Kampf für die Demokratie deklariert", kritisierte Akgün weiter: "Was sind das für Demokraten, die immer mehr Rechte eindämmen, die auch sogar hier in Deutschland Andersdenkende beleidigen, verfolgen. Von Demokratie kann keine Rede sein." Erdogan werde versuchen, immer mehr demokratische Rechte einzuschränken und viele in Deutschland würden dies auch fordern, weil "es der große Führer befiehlt".

Seit Jahrzehnten habe man in Deutschland vor allem diejenigen im Blick, "die eigentlich ihre Heimat in der Türkei sehen und so tun, als wären sie hier angekommen", kritisierte die Autorin. Stattdessen solle man das Augenmerk in der Integrationspolitik stärker auf die richten, die schon integriert sind: "Denen das Gefühl geben, sie sind hier zu Hause, sie gehören dazu, anstatt permanent mit denen zusammen zu sein, die ein Beispiel sind dafür, dass man hundert Jahre in einem Land leben kann und hundert Jahre sich woanders zu Hause fühlt."

Dass am Sonntag 40.000 Demonstranten nach Köln gekommen seien, sei nur auf den ersten Blick ein Erfolg für die AKP, bemerkte Akgün weiter: "Denn man muss ganz klar sehen: Es sind die gekommen, die organisiert sind und die im Prinzip auch gebracht worden sind nach Köln." Vor allem die Ditib, die türkisch-islamische Union und andere islamische Organisationen hätten ihre Anhänger dazu gebracht, in die Domstadt zu kommen. "Deswegen muss man fein unterscheiden: Hat Erdogan wirklich eine so große Attraktivität unter den Deutschtürken in Deutschland, oder hat er eine Basis, die eben aus der Türkei gelenkt wird." (AFP)

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