Ditib-Moschee in Köln; Foto: dapd
Neuer Streit um Kölner Moschee

Christliche Symbole ''eingeschmuggelt''?

Eigentlich hatten die Kölner begonnen, sich an ihrer im Rohbau fertigen Zentral-Moschee zu erfreuen. Doch jetzt gibt es abermals Streit um das muslimische Bauwerk, weil die Ditib bizarre Vorwürfe gegen den Architekten Paul Böhm erhebt: Er soll versteckte christliche Symbole im Bau untergebracht haben. Von Bernd Dörries

Am 10. September 2009 ging im Architekturbüro von Paul Böhm ein Brief aus der Ditib-Zentrale ein, in dem die Bauherren der Kölner Zentralmoschee zu einer interessanten Beweisführung ansetzen.

Die Baupläne des geplanten Gotteshauses sind beigelegt, aufgeschnitten und aneinandergeklebt, zu einer Perspektive, die es in der Wirklichkeit nicht gibt. Die Verfasser argumentieren dennoch, dass es dem Architekten Böhm gelungen sei, christliche Symbole in das Bauwerk einzuschmuggeln.

Es sind Kopien aus einem Religionslexikon beigelegt, die beweisen sollen, dass die Architekten neben Kreuzen auch ein verstecktes Christogramm eingearbeitet haben, ein verwobenes x und p, ein geheimes Christenzeichen.

Auf den beigelegten Bauplänen ist es auch mit viel gutem Willen nicht zu entdecken. Trotzdem veränderten die Architekten den Entwurf für die komplette Kuppel. So wie schon so viele Male zuvor aus ähnlichen Gründen.

Seltsamer Konflikt

Architekt der Kölner Moschee, Paul Böhm; Foto: picture alliance
Der Architekt der Kölner Moschee, Paul Böhm, hatte die Vorwürfe seitens der Ditib zurückgewiesen, er sei für Baumängel und Kostenzuwächse verantwortlich.

​​"Es war nie sehr einfach, diese Moschee zu bauen", sagt Paul Böhm. Und derzeit baut er überhaupt nicht mehr, er ist gekündigt. Wegen einer gewaltigen Kostenexplosion, Baumängeln und der falschen Farbe der ganzen Moschee, sagt die Ditib.

Die Kosten seien auch deshalb gestiegen, weil der türkische Verein ständig Änderungswünsche hatte, mal ein geheimes Kreuz entdeckte, mal einfach den geplanten Basar verlegte. Eineinhalb Jahre hätten allein die Ausschreibungen für den Bau gedauert, so lange wie sonst der Bau selbst, verteidigt sich Böhm. So geht es hin und her, schon seit Wochen.

Es ist ein seltsamer Streit, der da tobt in Köln, weil man dachte, die Konflikte um die riesige Moschee in der Innenstadt seien längst beigelegt, weil mit der Moschee doch auch die Freude der Bürger über das schöne Bauwerk wuchs.

Die Kölner blieben stehen vor der Betonkugel, vor den 55 Meter hohen Minaretten, vor der "Kölschen Moschee". Es erinnerte nur noch wenig an die Stimmungsmache der rechtsradikalen Bürgerbewegung pro Köln, das letztlich gescheiterte Bürgerbegehren im Jahr 2007.

Noch im Frühjahr sah es danach aus, als sei das einzig verbliebene Problem des fast fertigen Rohbaus der viele Taubendreck. Als könne bald die Eröffnung gefeiert werden und das Gelingen eines Projekts, das einen offenen und transparenten Islam symbolisieren könnte.

"Von dem Streit profitieren nur die Radikalen"

Lale Akgün; Foto: dpa
Die Kölner SPD-Politikerin Lale Akgün wies darauf hin, dass die Ditib über die staatliche Religionsbehörde an die AKP-Regierung in der Türkei gebunden sei. Die dortige Großwetterlage - und damit auch die bei der Ditib in Köln - sei deutlich konservativer geworden, so Akgün.

​​In Wahrheit gärte es schon lange zwischen dem Architekten und den Bauherren, seit einigen Wochen nun wird der Konflikt auch öffentlich ausgetragen. "Von dem Streit profitieren nur die Radikalen", sagt Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD). Als der Architekt Böhm sich am vergangenen Mittwoch rechtfertigte, bewachte ihn ein privater Sicherheitsdienst, Rechtsradikale hatten sich angekündigt.

Böhm sieht den Grund für das Zerwürfnis vor allem im neuen Vorstand der Ditib, dem größten muslimischen Dachverband in Deutschland, der wiederum der Regierung in Ankara untersteht. Die Ditib will ihre Deutschland-Zentrale in der neuen Moschee einrichten, und wer sie bezieht und wie der Vorstand denkt, ist auch für das Verhältnis von Deutschen und Türken nicht unwichtig.

Die SPD-Politikerin Lale Akgün glaubt, die Ditib werde immer konservativer und verschlossener, so wie die politische Großwetterlage in der Türkei. "Der Streit jetzt ist nur ein Symptom dafür."

Die Ditib besteht darauf, dass einzig Baumängel die Ursache des Zerwürfnisses seien. "Als Künstler hat Herr Böhm brilliert, als Baumeister hat er leider versagt", sagt die Ditib-Sprecherin Ayse Aydin. Man hat einen Gutachter beauftragt, der 2.000 Baumängel fand in einem Bau, der noch gar nicht übergeben und fertig ist.

Viele hundert Nägel und Drahtreste im Beton sind dabei, die einfach entfernt werden könnten, aber auch eine gravierende 23-Zentimeter-Abweichung in der Kuppel. Außerdem will der Ditib-Vorstand nun womöglich eine weiße Moschee, keine aus hellem Beton.

Architekt Böhm will weiterbauen, pocht auf sein Urheberrecht. Am Donnerstag (14.11.) hat der Beirat der Moschee, dem viele Persönlichkeiten der Stadt angehören, einen Vermittlungsversuch gestartet. Sonst geht womöglich der ganze Streit wieder von vorne los.

Bernd Dörries

© Qantara.de 2011

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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Die internationale Gemeinschaft befindet sich in einem großen Dilemma: wie soll es weitergehen in Libyen? Denn es ist klar, dass sie militärisch eingreifen muss, um das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Die Alternative wäre ein endloser Bürgerkrieg vor den Toren Europas.

Makus Halmann12.04.2011 | 09:49 Uhr

Ich befürchte auch, dass der Politologe F. Stephen Larrabee Recht hat, denn die Bedingungen in der Türkei und vor allem die lange Tradation des Kampfes um Demokratie unterscheiden sich in der Tat von denen in den meisten arabischen Ländern. Schöner Beitrag.

Ahmad Ezzat12.04.2011 | 17:13 Uhr

Gesegnt seid ,Anonimität ist ein bestandteil der Freiheit,und des inhalt kontex Qualität was zelt

Jaljaloot Elharoot13.04.2011 | 20:43 Uhr

Wunderbarer Beitrag von Michael Roes, den ich als Autor und kritischer Beobachter der arabischen Welt seit langem sehr schätze. Roes besitzt die nötige Empathie für die arabischen Bürger und den Respekt vor ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Hans Zimmermann17.04.2011 | 09:51 Uhr

Das Jahr 2001 sollte nicht wiederholt werden

Beate Elefant18.04.2011 | 23:29 Uhr

Der sogenannte Streit ums Kopftuch ist nur Symptom für die Unfähigkeit aller Akteure, sich den wichtigeren Problemen zu widmen. Das schreibe ich, obwohl ich die Argumente von Frau Kaddor nicht überzeugend finde.

Susan Müller-H...20.04.2011 | 07:46 Uhr

Die Sicherheitskräfte des verhassten Assad-Regimes haben heute und gestern in mehreren Städten und Regionen Syriens Massaker angerichtet. Wo es Tote gab, war das perfide Muster immer dasselbe: Nicht Polizisten in Uniform feuerten die tödlichen Schüsse ab, sondern Heckenschützen in Zivil, die auf Hausdächern lauerten und willkürlich in die Menschenmengen schossen, um Panik und Furcht auszulösen. In Homs sind dadurch so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Es ist an der Zeit, auch das Assad-Regime zu ächten und international zu isolieren.

Helmuth Alkadli22.04.2011 | 23:50 Uhr

Mit diesem Satz hat Jesus seinem Bruder gezeigt, dass die Liebe stärker ist als Hass und Neid.
Luzifer wollte seinen Bruder, den Metadron (Jesus) vom Thron stürzen, um für sich selber die Herrschaft zu stehlen. Jesus lies sich aus Liebe zu seinem "verlorenen" Bruder freiwillig am Kreuz morden. Er wußte, dass Gott ihm das Leben zurück geben wird.
GOTT IST >Leben kann man nicht töten. Es wäre sonst nicht das Leben das ewig ist! Es wandelt sich nur.

Die Christen beten beim Gottesdienst: "Deinen Tod oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" Da haben sich die Herren in Rom aber einen schönen Unsinn ausgedacht. Wer will denn noch immer den Tod Jesu verkünden und warum? Der Teufel will es. Nutzt ihm aber nichts, denn Jesus lebt und ändert von der geistigen Welt aus das Leben auf der Erde. Das ist ein sehr schwieriger Änderungsprozess, weil die Menschen freiwillig nichts ändern und auch nicht umdenken wollen.
Trotzdem wird das Werk gelingen, weil es der Wille Gottes, des Vaters ist.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lässt Änderungen wie derzeit in der Arabischen Welt zu und auch im Christentum hat ein Nachdenken bereits begonnen. Gott ist die Liebe und die Liebe ist die stärkste Macht im Universum und Gott liebt uns alle gleich.
http://www.hopeland.at
Möge das Werk gelingen. Das wünsche ich mir und allen Menschen auf der Erde.
Mathilde

Mathilde Heiml30.04.2011 | 10:51 Uhr

exzellenter artikel. danke.

ulrich johannes...30.04.2011 | 12:56 Uhr

Die Idee, die durch die zurückgehende gesellschaftliche Bindungskraft der evangelischen Kirche ausgelöste (innere) Krise als Chance auf eine Neuformierung im Sinne einer neofundamentalistischen, gesellschaftliche Fragen ausblendenden Missionstheologie zu interpretieren, mag als privates Hirngespinst von Herrn Pfarrer (sic!) Teufel hingenommenwerden müssen, als Vorbote einer dadurch beförderten ethnisch-religiösen Kantonisierung unserer Gesellschaft ist es mir jedoch eine Horrorvorstellung! Stattdessen brauchen wir tatsächlich eine weit konsequentere Hinwendung zum Laizismus und die Rückkehr zu einer tatsächlich (statt nur noch alibimäßig betriebenen) umverteilenden Sozialpolitik und ein Bündnis aller (auch der jeweils moderaten Anhänger der diversen Religionen) zu deren Durchsetzung. Sonst können wir uns in zwanzig Jahren mit bosnischen Verhältnissen zwischen Rhein und Oder anfreunden...

Max Schumacher30.04.2011 | 17:02 Uhr

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