Interreligiöser Dialog in Indonesien

Franz Magnis-Suseno – ein Javaner aus Deutschland

Der katholische Priester Pater Franz Magnis-Suseno lebt seit mehr als 40 Jahren in seiner Wahlheimat Indonesien. Dort setzt er sich für den interreligiösen Dialog ein. Christina Schott hat ihn getroffen.

Pater Franz Magnis-Suseno; Foto: Christina Schott
Pater Franz Magnis-Suseno: "Ich hatte das Gefühl, dass ich hier den richtigen Platz gefunden habe."

​​Er ist einer der bekanntesten Intellektuellen in Indonesien. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Und er gehört zu den wichtigsten Figuren im interreligiösen Dialog in einem Land, das von Hunderten verschiedener Kulturen, Sprachen und Glaubenstraditionen geprägt ist:

Pater Franz Magnis-Suseno – erzogen auf einem Jesuitenkolleg im Schwarzwald – hat seine wahre Berufung im Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt gefunden.

Obwohl der hoch gewachsene Europäer mit den strahlend weißen Haaren nicht so aussieht, ist sein Pass indonesisch. Vor 28 Jahren nahm der katholische Priester, der 1936 in Schlesien als Franz Graf von Magnis geboren wurde, die indonesische Staatsbürgerschaft an. Als äußeres Zeichen hängte er das javanische Suseno hinter seinen Namen.

Wichtige Figur im Dialog der Religionen

"Ich hatte das Gefühl, dass ich hier den richtigen Platz gefunden habe. Daher wollte ich mich mit dem Land, in dem ich lebe, auch identifizieren", erzählt Magnis-Suseno. "Natürlich bin ich kulturell und von der Sozialisation her deutsch – die Indonesier erwarten auch gar nicht, dass ich indonesischer werde als ein Indonesier. Aber meine Sympathien und Antipathien sind natürlich geprägt von den mehr als 40 Jahren, die ich hier lebe. Ich fühle mich nicht mehr als Deutscher."

Der langjährige Rektor der Philosophischen Hochschule Driyarkara in Jakarta ist in den indonesischen Medien sehr präsent. Er hat bereits an so vielen Veranstaltungen und Regierungskommissionen teilgenommen, dass ihn sogar die Zollbeamten begrüßen, wenn er am Flughafen in Jakarta ankommt. Sein javanischer Akzent hilft ihm dabei, akzeptiert zu werden, und viele Indonesier halten den moderaten Pater vor allem im Dialog zwischen den Religionen für eine unverzichtbare Figur.

"Jede Religion muss in ihrer Wurzel humanistisch sein. Ich sehe es daher als meine Aufgabe, für soziales Denken Werbung zu machen. Das wichtigste ist, Kontakt aufzunehmen und sich gegenseitig kennen zu lernen. Wissen ist der einzige Weg, Ängste und Misstrauen auszulöschen", sagt Magnis-Suseno, der selbst viele muslimische Freunde hat.

Ein gutes Beispiel dafür bietet Aceh: "Ich glaube, dass die vielen positiven Erfahrungen mit den ausländischen Helfern die Acehnesen öffnen werden."

Franz Magnis war bereits Mitglied des Jesuiten-Ordens, als er 1966 nach Indonesien kam. Inspiriert hatten ihn zu dieser Reise Briefe der Ordensbrüder auf Java. In der alten Sultansstadt Yogyakarta lernte er zunächst Javanisch, dann erst die Landessprache Bahasa Indonesia.

Später studierte er Theologie, Philosophie und Politik. "Meine erste Motivation war mein Glaube: Ich dachte, ich könnte der Kirche in Indonesien nützlicher sein als in Deutschland. Aber dann bin ich in andere Fragen hineingewachsen – und bin inzwischen sehr viel in Gesprächen mit Muslimen. Das hat sich einfach so entwickelt", erzählt der Professor.

Auseinandersetzung mit Marxismus und Kommunismus

Angesichts der politischen Situation unter dem Regime von General Suharto, der Hunderttausende Kommunisten umbringen oder ohne Verhandlung in Gefängnissen verschwinden ließ, spezialisierte sich der Jesuit beim Studium auf Fragen des Marxismus und Kommunismus.

Später wurde er oft als Experte angerufen – zum Beispiel bei der Gerichtsverhandlung gegen Mitglieder der "Demokratischen Volkspartei" Mitte der neunziger Jahre. Magnis-Suseno sollte beweisen, dass die Angeklagten weder Kommunisten waren, noch gegen die Pancasila – die indonesische Staatsideologie – gehandelt hatten.

Ein aussichtsloses Unterfangen. Einige Leute missverstanden dieses Engagement und sahen den Pater selbst als Kommunisten. Als 2001 eine "Anti-Kommunistische Allianz" die Buchläden Jakartas stürmte, verbrannten sie auch einige von Magnis’ Büchern.

"Sie wussten nicht einmal, was darin stand", sagt der Verleumdete. "Einen Monat später habe ich dieselben Leute eingeladen und wir haben uns anderthalb Stunden lang unterhalten. Das Ganze endete mit Umarmungen, und ich habe ihnen eine signierte Kopie meines Buches mitgegeben."

Westliches Ausland soll Demokratisierung unterstützen

In den Augen des ehemaligen Hochschul-Rektors, der immer noch die Doktoranden der Driyarkara betreut, sind fehlende moralische Werte im Leben von jungen Leuten der Hauptgrund für die Zunahme von radikalen Bewegungen. Dabei unterscheidet er deutlich zwischen einer Islamisierung im religiösen und im politischen Sinn:

"Es stimmt, dass die junge Muslim-Generation ihren religiösen Pflichten mit größerer Intensität nachgeht. Aber dieser Trend hat sich bisher politisch nicht durchgesetzt: Bei den Wahlen im vergangenen Jahr haben rund 40 Prozent für die islamischen Parteien gestimmt, gewonnen haben die Nationalisten."

Der Pater zählt auf die moderaten Konzepte der muslimischen Massenorganisationen wie der Nahdlatul Ulama (NU) und der Muhammadiyah, um die radikalen Splittergruppen in Indonesien zu überwinden.

Gleichzeitig appelliert er an das westliche Ausland, bei der Stabilisierung der jungen Demokratie zu helfen.

"Mir ist es sehr wichtig, dass im Westen eine ausgeglichene Sicht darüber herrscht, dass man nicht den Islam als solchen mit dem Terrorismus gleichsetzen darf. Wir haben in Indonesien eine muslimische Terrorgruppe, aber die ist trotz der schlimmen Anschläge nicht repräsentativ – vor allem die Balibombe hat bei den moderaten Muslimen großes Entsetzen ausgelöst. Und diese stellen immer noch den allergrößten Teil des indonesischen Islam."

Christina Schott

© Qantara.de 2005

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