Hanya Dikaton, 05. April 2012

zu Der alte Mann und das Stereotyp von Klaus Hillenbrand

"Doch Grass nutzt seine Gedichtveröffentlichung für etwas ganz anderes: Er entschuldigt sein langes Schweigen mit der Furcht, als Antisemit abgestempelt werden zu können."
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Genau das ist doch passiert! Und es sind wahrlich nicht nur die Zionisten, wie Hillenbrand meint, die jeden als Antisemiten beschimpfen, der ihre Kriegstreiberei kritisiert, es sind auch die Rechten im Lande, die Islamhasser, die sich als Verbündete Israels masikeren, die so etwas gerne tun. Und denkfaule Tugendbolde tun das ebenfalls, die, die meinen, Israel nicht zu kritisieren sei dasselbe wie eine weiße Weste zu tragen.

Hillenbrand muss seinen Artikel geschrieben haben, bevor der vorhersehbare Sturm der Entrüstung sich erhob, denn der kann ihm jetzt nicht entgangen sein. Als eine unmittelbare Reaktion allein auf das Gedicht zeugt der Artikel von einem beachtlichen Mangel an Gespür für die Zeichen der Zeit - im Unterschied zu dem klaren Realitätssinn, den die kritisierten Zeilen von Grass beweisen.
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Man kann dem Gedicht vorwerfen, dass es nicht mehr sagt, als 1000 andere Autoren auch. Vielleicht ging es aber auch gar nicht darum, eine neue Weisheit auszubrüten, sondern nur um das, was auch wirklich passiert ist: Ein Großer hat die Stimme erhoben und unter den Vielen ein Zeichen gesetzt.

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