Theologe von Stosch erhält höchsten Buchpreis des Iran

09.02.2018

Der katholische Theologe Klaus von Stosch arbeitet seit Jahren über das Verhältnis von Christen und Muslimen. Für sein Buch "Herausforderung Islam" ist er jetzt ausgezeichnet worden - mit dem höchsten Buchpreis des Iran.

"Der Islam hat derzeit keine gute Presse." Mit dieser Feststellung beginnt das Buch "Herausforderung Islam", das der katholische Theologe Klaus von Stosch 2016 als "Christliche Annäherungen" vorgelegt hat. Der Leiter des Zentrums für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften an der Universität Paderborn befasst sich in seinem inzwischen in zweiter Auflage vorliegenden Buch mit Vorurteilen, denen sich Muslime und ihre Religion ausgesetzt sehen. Dafür hat er jetzt den höchsten Buchpreis des Iran erhalten - als erster christlicher Theologe.

Der mit 10.000 Dollar (8.170 Euro) dotierte "World Award for Book of the Year of Islamic Republic of Iran" wurde ihm durch Präsident Hassan Rohani verliehen, wie die Universität Paderborn am Donnerstag mitteilte. "Ich freue mich besonders, dass durch diese Auszeichnung deutlich wird, dass sich auch Muslime durch mein Einführungsbuch zum Islam richtig verstanden fühlen", erklärt der Preisträger dazu. "Das bestärkt mich sehr darin, durch meine Arbeit weiterhin Brücken zwischen Christen und Muslimen zu bauen."

In "Herausforderung Islam" geht es dem Autor vor allem um eine christliche Würdigung des Islam, die gerade die Verschiedenheit beider Religionen als Wert entdecken möchte. Systematisch behandelt er zunächst Entstehung und Lesarten des Koran, Biografie und Bedeutung des Propheten Muhammad - von Stosch verwendet diese Schreibweise - sowie die Unvergleichlichkeit Allahs.

Dabei packt der 46-Jährige heiße Eisen in der Debatte über den Islam auf: vom Kopftuch über das Rechtssystem Scharia bis hin zur Gewalt gegen Andersglaubende. Jeweils am Ende eines Kapitels fragt von Stosch "Der Koran - ein Wort Gottes auch für Christen?", "Muhammad - ein Prophet auch für Christen?" bis hin zu der entscheidenden Frage "Glauben wir an denselben Gott?". Der Theologe bietet Argumente für ein "Ja" - unter bestimmten Bedingungen.

Mit der Analyse und historischen Einordnung einschlägiger Koranverse gelingt es ihm, einige kritische Themen wie die Stellung der Frau, Polygamie oder Muhammad als gewaltbereiten und judenfeindlichen Streiter geradezurücken - derzeit im Zusammenhang mit Antisemitismus-Vorwürfen gegen Zugewanderte hochaktuell. Richtig verstanden ist für von Stosch die Scharia ein System, das Glaubensfreiheit für jeden, Unverletzlichkeit der Menschenwürde sowie Wachstum und Wohlergehen künftiger Generationen propagiert. In diesem Sinne sollte auch Deutschland "mehr Scharia wagen", so der kühne Appell des Autors.

Prominent nimmt sich von Stosch vermeintliche Aufrufe im Koran zur Gewalt gegen Andersdenkende vor. "Letztere sind es ja auch, die heute im Kontext des Islams so viel Aufsehen erregen und durch den Terror des IS traurige Berühmtheit erlangt haben", schreibt der Theologe und entlarvt Fehlinterpretationen einschlägiger Verse.

Muslimische Fundamentalisten zeichneten sich durch eine atemberaubende Ignoranz gegenüber der eigenen Religion und ihrem intellektuellen Fundus aus, so der Theologe. "Die Neosalafisten hassen nichts so sehr wie die islamische Tradition." Damit könne sich auch der IS nicht auf den Islam berufen.

Bei seiner Analyse kommt der Experte zu dem Schluss, dass sich das Verschleierungsgebot für muslimische Frauen keinesfalls aus dem Koran ergibt. Zu dem Koranzitat, nach dem Frauen ihren Ausschnitt mit einem Tuch bedecken sollen, befindet er: "Wie man aus diesem Vers eine Kopftuchpflicht ableiten soll, ist mir schleierhaft."

Man merkt den Ausführungen des Professors deutlich an, dass er seit Jahren nicht nur mit muslimischen Wissenschaftlern in Deutschland und dem Nahen Osten eng zusammenarbeitet, sondern auch mit ihnen die Freude an der eigenen, aber auch der je anderen Religion teilt. In diesem Sinne will das Buch zu einer Begegnung mit dem Islam einladen, "die nicht nur Verstehen, sondern Liebe will", schreibt von Stosch. Den Preis nennt er eine "Ermutigung für alle, die sich für ein emanzipatorisches, menschenfreundliches und modernes Islamverständnis einsetzen". (KNA)

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