Sitzung des Schura-Rats in Riad; Foto: picture-alliance/dpa
Frauenrechte in Saudi-Arabien

Hindernisse überwinden

Frauen in Saudi-Arabien haben in den letzten Jahrzehnten beträchtliche Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung gemacht, genießen inzwischen eine bessere Bildung und sind jetzt erstmals auch im Schura-Rat politisch verteten, wie die saudische Journalistin Maha Akeel berichtet.

Frauen in Saudi-Arabien haben es zuletzt mehrfach in die internationalen Schlagzeilen geschafft: Zuletzt ging es nicht darum, dass sie nicht Auto fahren dürfen oder um ihren Kampf um die Aufhebung dieses Verbots.

Vielmehr war zu lesen, dass sie bei internationalen Filmfestivals Preise für den besten Film gewannen und dass erstmals Frauen im Schura-Rat, dem Oberhaus des saudi-arabischen Parlaments, vertreten sein werden. Einmal mehr haben sie damit unter Beweis gestellt, dass sie sehr wohl zu den treibenden Kräften des Fortschritts in ihrem Land gehören, das ansonsten nur für seine strikten Gesetze gegen den Einfluss von Frauen bekannt ist.

Am 11. Januar dieses Jahres verfügte König Abdullah bin Abdulaziz in einem historischen Dekret, dass künftig erstmals Frauen in dem zuvor rein männlich dominierten Schura-Rat vertreten sein dürfen. Zugleich wurde darin festgelegt, dass in Zukunft 20 Prozent der 150 Sitze Frauen zufallen sollen; entsprechend ernannte er sodann 30 Frauen für das Gremium, das vor allem beratende Funktion hat und Gesetze entwirft, die dem König zur Zustimmung vorgelegt werden.

Anerkannte Führungsfiguren und Pioniere

Saudische Unternehmerinnen; Foto: AP
Neues Selbstbewusstsein in beruflichem und gesellschaftlichem Umfeld: Saudische Frauen behaupten sich zunehmend in der öffentlichen Sphäre und mit jedem Karriereschritt unterstreichen sie ihre Ansprüche auf gleiche Chancen und Rechte wie die Männer, schreibt Maha Akeel.

​​Die 30 von ihm für den Schura-Rat ernannten Frauen sind hoch qualifiziert und in vielen Bereichen erfahren. Ihre Qualitäten als Führungsfiguren und Pioniere konnten sie bereits auf lokaler, regionaler wie internationaler Ebene unter Beweis stellen.

Nicht von allen wurde dieser Schritt begrüßt. Und das, obwohl das Dekret auf die Vorbehalte der konservativen Strömungen in der Gesellschaf eingeht, indem sogar die Sitzordnung im Gremium genauestens geregelt ist (Frauen sitzen getrennt von den Männern und haben ihren eigenen Ein- und Ausgang) und auch, wie sie sich zu kleiden haben (also verschleiert).

Viele religiöse Führer äußerten dennoch ihre Einwände gegen Frauen im Parlament und das sowohl öffentlich wie gegenüber dem König persönlich. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass diese Einwände Konsequenzen haben werden, da der König sich vor seiner Entscheidung mit vielen religiösen Führern im Land beraten hatte.

Zaghafter Wandel und Fortschritt

Die 30 Frauen, die nun in der Schura sitzen werden, sind ein Beispiel für die anhaltenden Fortschritte der Frauenrechtsbewegung und den zaghaften Wandel im Königreich. Jede der Frauen schreibt auf ihre Art eine Erfolgsgeschichte, die von ihrer Entschlossenheit zeugt, sich in den verschiedensten Bereichen durchzusetzen, sei es in der Medizin, der Wissenschaft, im Management, der Literatur oder bei internationalen Organisationen.

Eine dieser Frauen, Dr. Thoraya Obaid, war die erste saudische Frau, die 1963 ein staatliches Stipendium für ein Studium in den USA erhielt. Sie war auch die erste saudische Frau, die später (von 2000 bis 2010) Exekutivdirektorin eines Organs der UN wurde, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen.

Tausende anderer Frauen haben seither Auslandsstipendien erhalten und auch heute sind Tausende mit Stipendien unterwegs, um bald mit Abschlüssen in den verschiedensten Fächern zurückzukehren und an die Türen der Arbeitgeber zu klopfen und weitere Hindernisse zu überwinden.

Noch immer ist die Zahl von saudischen Frauen ohne Anstellung selbst unter den Promovierten hoch, was an den gesetzlichen Einschränkungen liegt, denen sie in Bezug auf ihren Arbeitsort und ihren Karrierechancen unterworfen sind; noch immer leiden sie unter der männlichen Angst vor einer Vermischung der Geschlechter und einem Verfall der Sitten.

Jahrelang wurde die Entscheidung hinausgezögert, die es Frauen endlich erlaubte, in Kaufhäusern Frauenkleidung und Make-up zu verkaufen. Als diese dann aber im letzten Jahr getroffen wurde, öffnete sie Türen – vor allem für jene Frauen, die über keinen höheren Abschluss verfügen, was in ähnlicher Weise auch für die Jobs in Restaurants und Lebensmittelgeschäften gilt.

Der ökonomische Aspekt der Gleichberechtigung

Frauenfußball in Saudi-Arabien; Foto: Omar Salem/AFP/Getty Images
Abgeschottet von der Außenwelt: Trotz religiöser Zwänge und Tabus ist es saudischen Frauen mittlerweile gestattet, in einigen Stadien des Königreichs Fußball zu spielen. Mittlerweile existieren drei Frauenfußballvereine im Land, die gegeneinander spielen dürfen.

​​Zugute kam den Frauen dabei auch die ökonomische Realität im Land: Immer mehr Haushalte mit nur einem Einkommen, die nicht mehr imstande sind, ihren Lebensstandard halten zu können, führten zu einer Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen. Heute bevorzugen viele junge Männer bei ihrer Partnerwahl Frauen, die selbst auch arbeiten wollen.

Hinzukommt, dass einige Frauen-Universitäten inzwischen Abschlüsse in Fächern anbieten, die ihnen bislang nicht zugänglich waren, wie Jura, Maschinenbau und bald auch Bildende und digitale Kunst. Dabei war es nicht einmal so, dass die Frauen darauf gewartet hätten, dass sich diese Türen für sie öffnen. Einige waren bereits von sich aus aktiv geworden und haben im Ausland ein Studium aufgenommen und Abschlüsse gemacht, die ihnen in den einheimischen Universitäten verwehrt wurden.

Auch wenn die Öffentlichkeit toleranter geworden ist gegenüber Frauen, die sich künstlerisch ausdrücken, ob im Film oder in der Literatur, ob auf der Leinwand oder über YouTube, begegnen Frauen noch immer Missgunst und männliche Einschüchterungen. Noch immer sehen viele sich gezwungen, ihre Arbeit aufzugeben oder ihre künstlerischen Ausstellungen abzubrechen.

Und doch konnte etwa der Film "Wadhda" der angesehenen Regisseurin Haifa Al-Mansour komplett in Saudi-Arabien gedreht werden – ein Film, der von einer couragierten Elfjährigen handelt, die es sich in den Kopf gesetzt hat, gegen alle Widerstände aus ihrer Familie und der Gesellschaft, Fahrrad zu fahren. Besetzt waren die Rollen ausschließlich mit saudischen Schauspielern. Nicht nur wurde der Film bei den Filmfestspielen in Cannes und Venedig von der Kritik sehr positiv aufgenommen, er gewann auch den Preis als bester Film beim vergangenen Filmfestival in Dubai.

Saudische Frauen behaupten sich zunehmend in der öffentlichen Sphäre und mit jedem Karriereschritt unterstreichen sie ihre Ansprüche auf gleiche Chancen und Rechte wie die Männer – und dies trotz aller Hindernisse, denen sie sich noch gegenübersehen. Jeder Erfolg und jede Errungenschaft ist daher ein Grund zum Feiern.

Maha Akeel

© Common Ground News Service 2013

Übersetzt aus dem Englischen von Daniel Kiecol

Redaktion: Arian Fariborz/Qantara.de

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Die internationale Gemeinschaft befindet sich in einem großen Dilemma: wie soll es weitergehen in Libyen? Denn es ist klar, dass sie militärisch eingreifen muss, um das Gaddafi-Regime zu beseitigen. Die Alternative wäre ein endloser Bürgerkrieg vor den Toren Europas.

Makus Halmann12.04.2011 | 09:49 Uhr

Ich befürchte auch, dass der Politologe F. Stephen Larrabee Recht hat, denn die Bedingungen in der Türkei und vor allem die lange Tradation des Kampfes um Demokratie unterscheiden sich in der Tat von denen in den meisten arabischen Ländern. Schöner Beitrag.

Ahmad Ezzat12.04.2011 | 17:13 Uhr

Gesegnt seid ,Anonimität ist ein bestandteil der Freiheit,und des inhalt kontex Qualität was zelt

Jaljaloot Elharoot13.04.2011 | 20:43 Uhr

Wunderbarer Beitrag von Michael Roes, den ich als Autor und kritischer Beobachter der arabischen Welt seit langem sehr schätze. Roes besitzt die nötige Empathie für die arabischen Bürger und den Respekt vor ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Hans Zimmermann17.04.2011 | 09:51 Uhr

Das Jahr 2001 sollte nicht wiederholt werden

Beate Elefant18.04.2011 | 23:29 Uhr

Der sogenannte Streit ums Kopftuch ist nur Symptom für die Unfähigkeit aller Akteure, sich den wichtigeren Problemen zu widmen. Das schreibe ich, obwohl ich die Argumente von Frau Kaddor nicht überzeugend finde.

Susan Müller-H...20.04.2011 | 07:46 Uhr

Die Sicherheitskräfte des verhassten Assad-Regimes haben heute und gestern in mehreren Städten und Regionen Syriens Massaker angerichtet. Wo es Tote gab, war das perfide Muster immer dasselbe: Nicht Polizisten in Uniform feuerten die tödlichen Schüsse ab, sondern Heckenschützen in Zivil, die auf Hausdächern lauerten und willkürlich in die Menschenmengen schossen, um Panik und Furcht auszulösen. In Homs sind dadurch so viele Menschen verletzt worden, dass Ärzte unter den Demonstranten in den Gassen der Altstadt improvisierte Lazarette einrichteten, erzählte eine Augenzeugin der BBC. Es ist an der Zeit, auch das Assad-Regime zu ächten und international zu isolieren.

Helmuth Alkadli22.04.2011 | 23:50 Uhr

Mit diesem Satz hat Jesus seinem Bruder gezeigt, dass die Liebe stärker ist als Hass und Neid.
Luzifer wollte seinen Bruder, den Metadron (Jesus) vom Thron stürzen, um für sich selber die Herrschaft zu stehlen. Jesus lies sich aus Liebe zu seinem "verlorenen" Bruder freiwillig am Kreuz morden. Er wußte, dass Gott ihm das Leben zurück geben wird.
GOTT IST >Leben kann man nicht töten. Es wäre sonst nicht das Leben das ewig ist! Es wandelt sich nur.

Die Christen beten beim Gottesdienst: "Deinen Tod oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" Da haben sich die Herren in Rom aber einen schönen Unsinn ausgedacht. Wer will denn noch immer den Tod Jesu verkünden und warum? Der Teufel will es. Nutzt ihm aber nichts, denn Jesus lebt und ändert von der geistigen Welt aus das Leben auf der Erde. Das ist ein sehr schwieriger Änderungsprozess, weil die Menschen freiwillig nichts ändern und auch nicht umdenken wollen.
Trotzdem wird das Werk gelingen, weil es der Wille Gottes, des Vaters ist.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lässt Änderungen wie derzeit in der Arabischen Welt zu und auch im Christentum hat ein Nachdenken bereits begonnen. Gott ist die Liebe und die Liebe ist die stärkste Macht im Universum und Gott liebt uns alle gleich.
http://www.hopeland.at
Möge das Werk gelingen. Das wünsche ich mir und allen Menschen auf der Erde.
Mathilde

Mathilde Heiml30.04.2011 | 10:51 Uhr

exzellenter artikel. danke.

ulrich johannes...30.04.2011 | 12:56 Uhr

Die Idee, die durch die zurückgehende gesellschaftliche Bindungskraft der evangelischen Kirche ausgelöste (innere) Krise als Chance auf eine Neuformierung im Sinne einer neofundamentalistischen, gesellschaftliche Fragen ausblendenden Missionstheologie zu interpretieren, mag als privates Hirngespinst von Herrn Pfarrer (sic!) Teufel hingenommenwerden müssen, als Vorbote einer dadurch beförderten ethnisch-religiösen Kantonisierung unserer Gesellschaft ist es mir jedoch eine Horrorvorstellung! Stattdessen brauchen wir tatsächlich eine weit konsequentere Hinwendung zum Laizismus und die Rückkehr zu einer tatsächlich (statt nur noch alibimäßig betriebenen) umverteilenden Sozialpolitik und ein Bündnis aller (auch der jeweils moderaten Anhänger der diversen Religionen) zu deren Durchsetzung. Sonst können wir uns in zwanzig Jahren mit bosnischen Verhältnissen zwischen Rhein und Oder anfreunden...

Max Schumacher30.04.2011 | 17:02 Uhr

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