Ein fein gewobener Stoff aus Mystik und Musik

Die deutsch-persische Sängerin Cymin Samawatie ist Kopf der Band Cyminology. Mit dem Quartett hat sie unter anderem die Texte des persischen Dichters Hafez und des Gelehrten und Lyrikers Omar Khayyam vertont. Ein Porträt von Lewis Gropp

Cymin Samawatie; Foto: www.cyminology.de
"Die verschiedenen Stile haben sich in unsere Musik hineingeschlichen", erklärt Cymin Samawatie.

​​Zu keiner anderen Zeit haben zeitgenössische Musiker auf eine so unerschöpfliche Vielfalt an musikalischen Traditionen zurückgreifen können, wie dies heute der Fall ist. Doch gelingt es nur wenigen Musikern und Komponisten, so viele verschiedene Stilrichtungen so subtil und feinsinnig miteinander zu verbinden wie der Berliner World-Jazz-Band Cyminology.

Diese Kunst zeigt sich insbesondere bei dem Stück "Emu" auf ihrem ersten Album namens "Per se". In der ganz eigenen Klangfarbe der Band entdeckt man hier die verschiedensten musikalischen Eigenschaften:

das elegant Tänzelnde des Bossa Nova, das frei Schwebende französischer impressionistischer Arien, die Melancholie des Fado, die Off-Beat-Patterns des Bebop und die perfekte Dramaturgie der Melodieführung, die auch neben Tondichtungen der Wiener Klassik bestehen könnte.

"Klassik, Jazz, Rock, Pop, Hip-Hop, traditionelle und moderne Musik – die verschiedenen Stile haben sich in unsere Musik hineingeschlichen", erklärt Cymin Samawatie.

Die Mystik des Taktes

Auch hinsichtlich des Metrums gibt es einiges zu entdecken: "Per se", das Titelstück, eröffnet das Album mit einem hypnotischen 5/4-Takt, der mit frei schwebendem Gesang einsetzt und dann mit einem treibenden Ostinato von Bass und Klavier dunkel pulsiert. Das zweite Stück, "Delam", spielt die Band im ungewöhnlichen 11/4-Takt. Und mit "Biabam" hat Cyminology auch ein 7/4-Stück aufgenommen.

Durch die ungeraden Rhythmen entsteht beim Hören der Eindruck des Rätselhaften, weil sich der Takt nicht wie gewohnt auflöst. Man spürt den Puls des Liedes, aber er erschließt sich einem nicht ohne weiteres – das ist die Mystik des Taktes.

Nur ein gut aufeinander abgestimmtes Ensemble technisch versierter Musiker ist in der Lage, anspruchsvolle Kompositionen mit derartiger Leichtigkeit und Eleganz einzuspielen.

Cyminology spielt seit nunmehr vier Jahren in dieser Formation. Zusammen mit Keran Bhatti, dem 1981 in New Delhi, Indien, geborenen Schlagzeuger, bildet der erfahrene Ralf Schwarz am Kontrabass die Rhythm Section. Benedikt Jahnel ist mit erst 26 Jahren bereits ein stilsicherer Virtuose an Piano und Flügel.

Hafiz und Omar Khayyam

Die meisten Kompositionen stammen indessen aus der Feder von Cymin Samawatie. Im vergangenen Jahr hat sie das Studium für Jazzgesang an der renommierten Hochschule der Künste in Berlin abgeschlossen.

Die Band Cyminology; Foto: www.cyminology.de
Seit vier Jahren spielt die Band Cyminology in dieser Formation, nächstes Jahr erscheint ihre zweite CD

​​Obwohl in Deutschland geboren und seit nunmehr elf Jahren nicht mehr das Land ihrer Eltern besucht, liegt Cymin Samawatie der Bezug zum Iran am Herzen. Seit einiger Zeit, erzählt sie, nimmt sie Persisch-Unterricht bei einem Lehrer, der ihr auch zeitgenössische iranische Autoren nahe bringt. Doch es ist auch noch nicht lange her, da hat sie die beiden großen persischen Dichter des 14. Jahrhunderts für sich entdeckt.

"Wenn man sich intensiver mit den Texten von Hafiz und Omar Khayyam beschäftigt, kann man in ihnen eine unbeschreibliche Tiefe, Emotionalität und Schönheit finden", sagt sie.

Hafiz besang seinerzeit die Verzückung religiöser Einkehr, die Freuden des Trinkens und der Knabenliebe. Darüber hinaus spottete der Mystiker und Wahrheitssucher über Heuchler und Philister. Hafiz gilt bis heute als einer der größten Dichter Irans.

Neben ihren eigenen persischen Songtexten singt Samawatie Hafiz' persische Texte konsequent in der Originalsprache. Auf dem neuen Album, das bereits eingespielt ist und im nächsten Frühjahr erscheint, werden indessen vornehmlich Texte von Omar Khayyam zu hören sein.

"Das erste Album ist insgesamt eher ruhig und zart geworden", sinniert die Sängerin. "Das zweite Album ist mit ein paar Ausnahmen insgesamt sehr lebhaft und bewegt."

Lewis Gropp

© Qantara.de 2006

Die Band Cyminology tritt am Freitag, den 25. August 2006, im Rahmen des Morgenland-Festivals in Osnabrück auf. Weitere Informationen finden Sie hier.

Qantara.de

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