Syrischer Bürgerkrieg

Neues altes Syrien

Assad bleibt an der Macht. Und hat diese dennoch verloren – an Iran, Russland, syrische Milizenführer und Kriegsgewinnler. Was Deutschland jetzt für die Syrer tun sollte. Von Kristin Helberg

Nach sechseinhalb Jahren Konflikt sieht es so aus, als hätte Machthaber Baschar al-Assad geschafft, was bislang keinem arabisches Despoten gelang: Er kann trotz Hunderttausender Toten und zwölf Millionen Vertriebener weiterherrschen wie bisher – mit staatlicher Willkür, dem Einsatz von geächteten und chemischen Waffen und der systematischen Massenvernichtung von Zivilisten in den Haftzentren des Regimes. Aber hat er den Krieg damit gewonnen? Ist der Syrien-Konflikt bald vorbei? Und können die geflüchteten Syrer dann endlich nach Hause zurückkehren?

Zweifelsohne hat das syrische Regime militärisch die Oberhand. Seit Russlands massiver Intervention im September 2015 konnten Assad-loyale Kräfte viele Gebiete von der Opposition zurückerobern. Da US-Präsident Donald Trump lediglich den IS besiegen will, wird er sich irgendwann mit dessen Vertreibung brüsten und Syrien ansonsten anderen überlassen. Schließlich interessiert ihn der innersyrische Konflikt ebenso wenig wie die US-Bombardierung von Zivilisten, industrialisierte Folter oder das Schicksal Assads.

Die Kurden und die wenigen Rebellen, die noch amerikanische Unterstützung bekommen – wohlgemerkt nur für den Kampf gegen den dschihadistischen Terror – wird Trump fallenlassen, sobald der IS aus Syrien verschwunden ist. Einziges mittelfristiges Ziel der USA ist die Einhegung des Iran. Und die glaubt man in Washington am besten mit Russland erreichen zu können. Je größer die Rolle Moskaus in Syrien desto kleiner diejenige Teherans, so die einfache Logik. Aber so einfach ist es nicht.

"Assads Syrien" gibt es nicht mehr

In Wirklichkeit ist Syrien längst aufgeteilt. Nicht geografisch, wie gerne behauptet wird, sondern innerlich. "Assads Syrien" gibt es nicht mehr, das Land befindet sich nicht länger im Privatbesitz eines Clans. Denn Assad hat für seinen Machterhalt einen hohen Preis bezahlt: seine Unabhängigkeit. Der syrische Machthaber muss all jene belohnen und beteiligen, die ihm zum militärischen Sieg verhelfen – er ist ein Gefangener seiner engsten Verbündeten. Und diese betrachten Syrien als Beute, deren Aufteilung ihnen mehr Einfluss, Macht und Geld beschert.

Besuch des iranischen Außenministers Sarif in Damaskus bei Präsident Assad am 15. Januar 2014; Foto: Reuters
Schiitische Achse von Teheran über Bagdad und Damaskus: Mit seiner militärischen und politischen Präsenz, seinem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Engagement ist Iran zur Hegemonialmacht in der Levante aufgestiegen – das ärgert Saudi-Arabien und beunruhigt Israel – ändern wird sich dadurch wenig.

Vier Akteure haben Assads Sturz in den vergangenen sechseinhalb Jahren verhindert: Iran und Russland, syrische Milizenführer und regimenahe Geschäftsleute. Sie sind bisher die eigentlichen Gewinner des Konfliktes. Wer wissen will, wie es in Syrien unter Assad weitergeht muss deshalb fragen, was diese vier für ihre Treue einfordern.

Der Iran ist nach Syrien gegangen, um dort zu bleiben und das Land zu einem zuverlässigen Transitstaat der eigenen schiitischen Achse von Teheran über Bagdad, Damaskus und Beirut bis ans Mittelmeer aufzubauen. Mit seiner militärischen und politischen Präsenz, seinem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Engagement ist Iran zur Hegemonialmacht in der Levante aufgestiegen – das ärgert Saudi-Arabien und beunruhigt Israel – ändern wird sich dadurch wenig.

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