Porträt der Sozialarbeiterin Saloua Mohammed

Eine Streetworkerin gegen den Fundamentalismus

Saloua Mohammed stellt sich Salafisten entgegen, indem sie zuhört: Eltern, deren Kinder sich radikalisieren. Jugendlichen, die vom Salafismus schwärmen. Und jungen Frauen, die aus Syrien nach Deutschland zurückkehren. Von Esther Felden

"Das wollen wir doch mal sehen, wer am Ende gewinnt. Die kriegen meine Jugendlichen nicht so einfach." Die, das sind radikale Salafisten. Ultrakonservative Muslime, die den Koran wörtlich auslegen, ihren Glauben leben wie zu Zeiten ihres Propheten und auf der Suche nach neuen Anhängern sind. Und genau das – die Rekrutierung von Jugendlichen – will Saloua Mohammed verhindern.

Die Sozialarbeiterin kämpft für jedes "ihrer" Kinder. Sie ist selbst überzeugte Muslima, trägt Kopftuch. Sie geht in die Moschee, aber manchmal auch in den Kölner Dom, um Ruhe zu finden. Mohammed stammt aus einer liberalen marokkanischen Familie, in der über Religion diskutiert und Toleranz gelehrt wurde. Und das, so sagt sie selbst, habe ihr Argumente und einen Schutzpanzer mit auf den Weg gegeben. Beides kann sie jetzt bei ihrer Arbeit brauchen.

Saloua Mohammed ist Mitte 30 und ein Energiebündel. Wenn sie spricht, sind ihre Hände fast pausenlos in Bewegung. Neben ihrem Job als Sozialarbeiterin beim Caritas-Verband der Stadt Bonn engagiert sie sich seit Jahren ehrenamtlich als Streetworkerin. Die nordrhein-westfälische Stadt gilt als eine Hochburg der salafistischen Bewegung im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland. Bekannte salafistische Prediger wie der konvertierte Ex-Boxer Pierre Vogel sind hier immer wieder öffentlich aufgetreten.

Niemand möchte Journalisten dabei haben

Mohammed arbeitet vor allem mit Jugendlichen, die schon mit der Szene in Berührung gekommen sind. Sie spricht mit verzweifelten Eltern, geht an Schulen oder besucht betroffene Familien zu Hause. Wir treffen Saloua Mohammed in einem Café in der Bonner Innenstadt. Nicht im Einsatz. Zwar wäre sie bereit gewesen, sich von Journalisten bei der Arbeit begleiten zu lassen. Aber ihre "Sorgenkinder" wollten das nicht - ausnahmslos. Das Thema sei einfach zu sensibel, erklärt Mohammed.

Kostenlose Koran-Verteilungen zu Zeiten der "Lies!"-Aktion wie diese waren immer wieder in der Bonner Innenstadt zu beobachten; Foto: DW/I. Azzam
Bonn - die einstige Hochburg der deutschen Salafisten-Szene: Kostenlose Koran-Verteilungen zu Zeiten der "Lies!"-Aktion wie diese waren immer wieder in der Bonner Innenstadt zu beobachten.

Für ihr soziales Engagement bekam sie 2013 den Integrationspreis der Stadt Bonn. Neben dem öffentlichem Lob gibt es aber auch Kritik - und persönliche Beschimpfungen: "Für Rechtsextreme bin und bleibe ich eine Terroristin, die sich – Zitat – eine Bombe um den Bauch binden und in die Luft jagen soll." Salafisten auf der anderen Seite bezeichnen sie als Verräterin ihres Glaubens. Ihnen ist Saloua Mohammed viel zu offen und westlich. "Für die bin ich nur eine 'Euro-Muslima' ", sagt die Streetworkerin und zuckt mit den Schultern.

Mit Anfeindungen von außen kann Saloua Mohammed umgehen, die wischt sie weg. Das sei Meinungsfreiheit, sagt sie, "ein hoch geschätzter Wert in unserer Gesellschaft". Man müsse halt damit leben, dass es Menschen mit anderer Meinung gebe. Schwieriger ist es, wenn Kritik aus dem eigenen Umfeld kommt. Auch das sei ihr passiert, erzählt sie.

Einige Freunde haben sich von ihr abgewendet, sie war ihnen zu liberal. Eine Erfahrung, die weh getan hat, gibt sie zu. Aber trotzdem ist sie überzeugt, das Richtige zu tun. Sie fühlt sich als Deutsche. Als Deutsche mit Migrationshintergrund. "Und ich bekenne mich voll und ganz zu meinem Land."

Wenn das eigene Kind zum Fremden wird

Wenn Jugendliche sich radikalisieren, dann stellt das oft die ganze Familie vor eine Zerreißprobe, berichtet Mohammed. "Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Es gibt Eltern, die sich, wenn ihr Kind nach Syrien geht, regelrecht von ihm lossagen." Andere dagegen würden verzweifelt darum kämpfen, ihre Kinder wieder zurückzubringen. "Die sagen dann: Ich kenne doch mein Kind. So etwas würde es nicht wollen, so habe ich es nicht erzogen. Bestimmt wird es gezwungen."

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