Muslimische Pfadfinder

Offen für neue Wege

Als Teil einer internationalen Jugendbewegung wollen die Mitglieder für Frieden und Verständigung sorgen: Seit 2010 gibt es den Bund Muslimischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands. Arnd Zickgraf informiert

Ein buntes Hemd und ein schmales Halstuch – so sieht die Kluft aus, die traditionelle Bekleidung der Pfadfinder. Dass zunehmend auch junge Muslime diese Erkennungsmerkmale tragen, dafür sorgt der "Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands" (BMPPD). Er teilt nicht nur die äußeren Symbole, sondern auch die Ideale und Interessen der weltweiten Bewegung. "Es gibt nichts Schöneres, als draußen zu zelten und jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen", sagt Sprecher Fouad Hartit.

Während sich in Frankreich schon 1991 muslimische Pfadfinder in einer Vereinigung organisiert haben, entstand der BMPPD erst 2010. Der Bund mit Sitz in Monheim am Rhein hat rund 150 Mitglieder, die meisten sind marokkanischer Herkunft. "Die Gründer sind als Kinder selbst Pfadfinderinnen und Pfadfinder gewesen und bauen nun neue Gruppen in Deutschland auf", sagt Andreas Bierod von der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG).

Die katholische DPSG, mit 95.000 Mitgliedern der größte Pfadfinderverband Deutschlands, unterstützt die muslimischen Gleichgesinnten – "auf Augenhöhe", wie Bierod betont. Unter anderem schult der katholische Verband Gruppenleiter für die Arbeit mit Jugendlichen. Zum BMPPD gehören fünf Gruppen aus Nordrhein-Westfalen und Hessen. Es gibt Anfragen, in anderen Bundesländern weitere aufzubauen, zum Beispiel in Berlin und Baden-Württemberg.

Pfadfinder und ihre Betreuer vor ihren Zelten; Foto: Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands
Aufgabe des BMPPD ist - laut eigener Darstellung - die koedukative Erziehung und Bildung junger Menschen im Alter von 7 bis 21 Jahren in Deutschland. Die Pfadfinder-Lager werden regelmäßig organisiert und ermöglichen den Pfadfindern und Pfadfinderinnen sich mit Spiel, Spaß und Freude im Team persönlich weiterentwickeln zu können.

Unabhängig von islamischen Dachverbänden

Im Jahr 1987 hatten Muslime in Deutschland schon einmal versucht, einen Pfadfinderverband zu gründen. Dieser war allerdings als Jugendverband des "Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland" organisiert, eines Vereins mit engen Verbindungen zur umstrittenen islamischen Bewegung Milli Görüş. Weil der Pfadfinderverband nicht als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt wurde, bekam er keine Fördergelder von Bundesländern und Kommunen, was letztlich zur Auflösung führte.

Der BMPPD will dagegen unabhängig von islamischen Dachverbänden bleiben, versteht sich aber durchaus als religiös geprägt. Spirituelle Richtlinie sind die Lehren des Korans und die Tradition des Propheten Mohammed. Auf dieser Basis bietet der BMPPD die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Jungen sowie jungen Erwachsenen im Alter zwischen sieben und 21 Jahren an.

Zugleich sollen sich die jungen Muslime mit der Geschichte ihres Heimatlandes Deutschland auseinandersetzen und Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben übernehmen. Rückenwind bekamen die Muslime in ihrem Anliegen nicht zuletzt durch die Rede des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit. "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland", sagte Wulff 2010.

Die Leiter demonstrieren den Pfadfindern in einem Zelt wie man einen Knoten bindet; Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands
In regelmäßigen Pfadfinder-Seminaren demonstrieren die Leiter den Pfadfindern grundlegende pfadfinderische Methoden, wie zum Beispiel Seile zu knoten.

Mit der Friedensfackel nach Berlin

Mit seiner Arbeit möchte der BMPPD nicht zuletzt das negative Bild verändern, mit dem sich Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland und Europa mitunter konfrontiert sehen. Dieses Ziel wird besonders deutlich bei der Aktion "Flamme der Hoffnung".

Der Bund hat die Idee von den muslimischen Pfadfindern in Frankreich übernommen, den "Scouts Musulmans de France". Im Jahr 2006 war in Marseille ein Brandanschlag auf einen Bus verübt worden, erläutert Fouad Hartit vom BMPPD die Entstehung der Aktion. Jugendliche mit Migrationshintergrund seien daran beteiligt gewesen, junge Muslime daraufhin in der öffentlichen Wahrnehmung in ein schlechtes Licht geraten. "Die muslimischen Pfadfinder in Frankreich fragten sich: Wie kann man mit den Symbolen 'Bus' und 'Feuer' ein gegenteiliges Bild erzeugen?"

Sie borgten sich eine Fackel früherer Olympischer Spiele und organisierten einen Bus. Im Jahr 2011 steuerten sie damit 15 Großstädte an, unter anderem in Tunesien, Libyen und Frankreich. Vor jedem Rathaus legten sie öffentlich ein Bekenntnis für den Frieden ab.

Von 2012 bis 2013 lief eine ähnliche Aktion in Deutschland. Die muslimischen Pfadfinder organisierten bei ihrer Rundreise Konzerte mit orientalischer Musik und internationalem Pop sowie Workshops und Diskussionen. Sie forderten andere Jugendliche auf, ihre Ideen für ein vorurteilsloses Zusammenleben zu formulieren.

Die Gedanken mündeten in eine elf Punkte umfassende Charta. In Berlin wurde der BMPPD schließlich von Regierungsvertretern empfangen und übergab die Charta. Bundespräsident Joachim Gauck, erinnert sich Hartit, erwähnte die Pfadfinder später in einer Grußbotschaft zum Fastenbrechen. "Das zeigt: Die Aktion ist in der Gesellschaft angekommen."

Arnd Zickgraf

© Goethe-Institut 2014

 

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Leserkommentare zum Artikel: Offen für neue Wege

Lieber Autor! Haben Sie mal auf der Website des Bundes muslimischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen unter "Wer wir sind" nachgelesen? Offensichtlich nicht. Wie naiv kann man eigentlich noch sein? Interkonfessionell, unabhängig von Religion oder Politik. So werden die internationale Pfadfinderbewegung und ihre Mitglieder definiert, per Duden, per Wikipedia. Soweit und so schoen. Muslimische Pfadfinder.... Da brauch man die Gehirnwaesche doch nicht mehr Koranschulen nennen, hört sich doch so besser und unverfänglicher an... Erziehung der Pfadfinder im Sinne des Koran und der Sunna und Nachfolge des Koran in Sachen dialogische Begegnung mit Menschen anderer Kulturen, Hautfarbe, Religionen, Volksgruppen etc. die man als gleichberechtigte Partner empfindet??? Steht so auf dieser Website. WIE BITTE??? Haben die ihren Koran selbst nicht gelesen oder für wie blöd halten die einen? Wo steht sowas in diesem Buch?

Ingrid Wecker05.09.2014 | 23:14 Uhr

Lesen bildet, erst recht, wenn man von lexikalischen Einträgen mehr als die einführenden Worte liest, die zugegebener Weise mißverstanden werden können.

Schauen Sie mal im Wikipediaartikel unter "Deutschland" nach, da finden Sie aufgeschlüsselt nach Mitgliederzahlen die einzelnen Verbände. Von 260000 Pfadfindern vereinigen die vier christlichen unter ihren Dächern über 200000 Mitgliedern, von diesen stellt die DPSG als katholischer Verband wiederrum fast die Hälfte.
Auch Ihre Korankenntnisse gehen nicht über die Vulgärexegese eines Pierre Vogel hinaus, der glaubt einen 1400 Jahre alten Text, der in einer Sprache geschrieben ist, die so heute keiner mehr spricht, "wortwörtlich" deuten zu können. Ein einfach lachhaftes Unterfangen!

Unterlassen Sie es besser anderen Naivität zu unterstellen, Sie wissen nicht wirklich wovon Sie schreiben.

Wolfram Obermanns07.09.2014 | 21:23 Uhr

Lieber Herr Obermanns! Was Sie da namentlich mit mir verquicken, verbitte ich mir energisch aufs Schärfste! Das ist abstrus und voellig daneben und eine Unerhoertheit. Dass Sie nicht meiner Meinung sind damit kann ich indes gut leben! Gut dass Sie so genau wissen wo es lang geht... Die Realität in Deutschland überholt Sie allerdings gerade aktuell rasant.

Ingrid Wecker08.09.2014 | 21:52 Uhr