Dieses Buch flechtet keine engen Beziehungen zwischen bestimmten Charakteren. Im Nachwort sagt Al-Koni, er wolle, dass der Roman außerhalb von Beziehungen existiere.

Das Buch bereitet uns darauf ab der ersten Szene vor, die auf einem Berggipfel beginnt, erzählt von einer namenlosen Figur, die sich von ihrem Körper "befreit" hat und das "ameisenhafte Umherwuseln" der Menschen tief unten beobachtet.

Wie "lächerlich und hässlich doch ihr Streben von weit oben erscheint!" Neben unserem Erzähler beobachten wir winzige Menschen, die einen kleinen Teil einer riesigen Wüstenlandschaft ausmachen.

Konflikt zwischen nomadischen und sesshaften Völkern

Es gibt hier einen Aspekt, der auf Ibn Khaldūn (1332-1406) verweist. Wie der große maghrebinische Philosoph in seiner Schrift Al-Muqaddimah verfolgt auch Al-Konis Roman die Generationenkämpfe der Menschen, insbesondere zwischen nomadischen und sesshaften Völkern. Das Werk ist gespickt mit der sufistisch-hegelianischen Dialektik von frei und versklavt, Nomaden und Sesshaften, Monotheisten und Animisten. Ereignisse sind oft magisch, aber das ist weniger ein magischer Realismus als ein mystischer, sufistischer.

Es ist ungewöhnlich, auf ein Buch mit mehr als 500 Seiten zu stoßen, bei dem Handlung und Charaktere kaum eine Rolle spielen. Die Magier ist ein solches Buch. Es gibt nur wenige Hauptfiguren: Musa (der auch als "der Derwisch" bezeichnet wird), Udâd (der durch die Wüstengipfel streift und dessen Name Berberschaf bedeutet), Âdda (normalerweise nur als "der Anführer" bezeichnet), Tênere (oft "die Prinzessin" genannt), Ânay (Têneres Onkel und der Sultan von Waw) und Okha, ein Adliger, der Udâds Rivale um Têneres Zuneigung ist.

Aber man könnte genauso gut sagen, dass es keine "Hauptfiguren" gibt und dass jeder – einschließlich der Akazienbäume, der Dschinns und der Wüstenechsen – gleichermaßen wichtig ist.

Wie ein riesiger Teppich

Al-Koni legt im Nachwort nahe, dass er sich für den Roman von einer Wette zwischen seinem Bruder und einem anderen jungen Mann inspirieren ließ, bei der dieser eine Felswand hinaufstieg. In Die Magier wird Udâd von Okha herausgefordert, eine ähnliche Felswand zu erklimmen. Sollte es Udâd schaffen, gewinnt er Têneres Herz. Aber diese Wette steht nicht im Mittelpunkt des Romans. Das Buch spannt keinen üblichen Bogen mit einem Handlungsstrang, der sich zu einem zentralen Höhepunkt aufschwingt, sondern ist wie ein riesiger, gemusterter Teppich.

Das bedeutet nicht, dass der Roman zeitlos ist, zumal wir gegen Ende einen zeitlichen Hinweis erhalten: "Seit mehr als einem Jahrhundert ragen die Ruinen der Stadt Waw über die Ebene. ... Dann spülte die große Flut von 1913 alle Gebäude weg, sodass nicht ein Stein auf dem anderen blieb." Es war 1913, als die italienische Armee gewaltsam eindrang und Ghadames einnahm, die Oasenstadt in der Nähe des Geburtsorts von Al-Koni.

Die Charaktere von Die Magier – die mehr als ein Jahrhundert vor der Ankunft der Italiener lebten – zeigen Interesse an der Welt außerhalb ihrer Wüste. Wir hören nichts von den osmanischen Herrschern, jedoch von der untergegangenen Almoraviden-Dynastie. Es werden Städte im Norden erwähnt und wir hören sogar von den Christen, allerdings nur dann, als die Familie eines Händlers entführt und in die Sklaverei verkauft wird.

Dieses Buch ist nicht für jeden Leser gedacht. Wenn man in Al-Konis kürzeren Werken Blutender Stein und Goldstaub kleine Gemälde sieht, die man an eine Wohnzimmerwand hängen kann, dann ist Die Magier ein riesiges Museumswerk für mehrere Räume. Es bittet uns darum, in Etappen gelesen und durchleuchtet zu werden, während uns der heiße Wüstenwind eine Handvoll Sand in den Mund weht.

Marcia Lynx Qualey

© Qantara.de 2019

Aus dem Englischen von Peter Lammers

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