Das Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra

Der Orient im Spiegel westlicher Kompositionen

Die Welt von "1001 Nacht" zog viele Komponisten magisch an. Einige davon präsentiert nun das "Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra" auf seiner Debüt-CD. Klaus Gehrke stellt das Album und die Musiker vor.

CD-Cover des Debüt-Albums des Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra; Foto: &copy artefakt-berlin.de/DW
Das Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra trat zum ersten Mal 2003 als Hausorchester des "International Istanbul Music Festival" in Erscheinung. Zu den renommiertesten Solisten zählen u.a. Solveig Kringelborn, Isabelle Faust, Daniel Hope und Denis Matsuev.

​​Istanbul, die Metropole am Bosporus, gilt seit Jahrhunderten als Brücke zwischen Orient und Okzident.

In diesem Jahr ist sie eine der europäischen Kulturhauptstädte – und hat damit die Möglichkeit, international auf ihre zahllosen kulturellen Einrichtungen aufmerksam zu machen, die außerhalb der Türkei kaum bekannt sein dürften. Dazu gehört auch das "Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra".

Abseits gängiger Klischees

Wer erwartet, dass ein türkisches Orchester nur orientalische Arabesken spielen kann, wird bei einem Auftritt des Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra schnell eines Besseren belehrt.

Selbstverständlich stehen Komponisten wie Mozart, Beethoven, Schumann oder Schostakowitsch auf den Konzertprogrammen und namhafte internationale Solisten wie der Tenor Juan Diego Florez, der Geiger Daniel Hope, Alexander Melnikov oder das Juilliard String Quartet.

Dennoch fühlt man sich auch der musikalischen Tradition der Türkei verbunden, spielt Werke einheimischer Komponisten und arbeitet regelmäßig mit prominenten Landsleuten wie dem türkischen Pianisten Fazil Say zusammen.

Das 20. Jahrhundert im Fokus

Konzert BIPO in Istanbul, Foto: &copy artefakt-berlin.de/DW
Beeindruckender europäischer Klangkörper: das "Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra" während eines Konzerts in Istanbul am 14.01.2010.

​​Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Sinfonieorchestern ist das "Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra" ein junger Klangkörper; seine Wurzeln hat es im "Borusan Kammerorchester", das der türkische Dirigent Gürer Aykal 1993 gründete.

1999 erwuchs daraus das Sinfonieorchester, das sich rasch zu einem der führenden Ensembles der Türkei entwickelte. Vor zwei Jahren wurde der Österreicher Sascha Goetzel Nachfolger von Aykal Chefdirigent am Bosporus und brachte neue Ideen mit.

Dazu gehört das bemerkenswerte CD-Debüt beim Label Onyx. Dafür suchten sie gezielt nach Werken, in denen westliche Komponisten orientalische Themen verarbeiten.

Salome, Turandot und die Königin von Saba

Foto: &copy artefakt-berlin.de/DW
Neue Klangwelten und Impulse für den Bosporus: der österreichische Dirgent Sascha Goetzel

​​Alle drei Kompositionen auf der CD stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Florent Schmitts Tanzspiel "Die Tragödie der Salome", das die Handlung von Richard Strauss' Oper aufgreift, Ottorino Respighis Orchestersuite "Belkis, Königin von Saba" und Paul Hindemiths "Symphonische Metamorphosen nach Themen von Carl Maria von Weber".

Dass Hindemith auf der Debüt-CD des Orchesters vertreten ist, ist kein Zufall, denn immerhin hat der Komponist in den 1930er Jahren das Musikleben in der Türkei organisiert und maßgeblich beeinflusst.

Alle drei Werke spielt das "Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra" unter der Leitung von Sascha Goetzel mit zupackender Leidenschaft, Agilität und Sensibilität, dass man sich nur wünschen kann, bald mehr von diesem Orchester zu hören.

Klaus Gehrke

© Deutsche Welle 2010

Redaktion: Arian Fariborz/ Qantara.de

Qantara.de

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