Buchtipp Mehdi Bazargan

Und Jesus ist sein Prophet

Mehdi Bazargan, erster Premierminister der provisorischen Regierung der Islamischen Republik, hat in seinem Buch die Aussagen des Korans über das Christentum zusammengestellt, um die Verständigung zwischen Muslimen und Christen zu fördern. Von Tagrid Yousef

Mehdi Bazargan, erster Premierminister der provisorischen Regierung der Islamischen Republik und Führer der iranischen Freiheitsbewegung, hat in seinem Buch die Aussagen des Korans über das Christentum zusammengestellt, um die Verständigung zwischen Muslimen und Christen zu fördern. Von Tagrid Yousef

Mehdi Bazargan; Foto: © Bettmann/Corbis
Bazargan gehörte als Vorsitzender der "Iranischen Freiheitsbewegung" bis 1984 dem Parlament der Islamischen Republik an.

​​Mehdi Bazargans Buch dient es in erster Linie der Aufklärung im christlich-islamischen Dialog. In "Und Jesus ist sein Prophet. Der Koran und die Christen" hat er sich der Frage gewidmet, welche Schilderungen über Jesus, Maria und die Christen im allgemeinen im Koran enthalten sind. Dabei ist es Bazargan gelungen, diese Aussagen zu einer knappen wie auch gehaltvollen Darstellung zusammenzufassen.

Gleichheit der Offenbarungsreligionen

Bazargan eröffnet sein Buch mit dem Grußwort: "An meine christlichen Brüder und Schwestern", um alsdann hervorzuheben, dass Christen im Koran als "Nazarener" bezeichnet werden oder auch als Angehörige des Buches ("Ahl al-Kitab") – womit er gleichsam auf die tradierte islamische Gleichstellung der Buchreligionen verweist.

Bereits im Vorwort erklärt der Autor, dass der Koran seiner Ansicht nach sowohl für Gläubige, als auch für Wissenschaftler eine authentische Quelle der Erkenntnis sei. Im gleichen Atemzug geht Bazargan aber auch auf die Widersprüche und Kontroversen ein, welche die mündlichen Überlieferungen (Hadiths) in der unmittelbar nach-Mohammedanischen Zeit bis in die heutige Gegenwart verursacht haben.

Postume Publikation

Dem Publizisten und Islamwissenwissenschaftler Navid Kermani ist es zu verdanken, dass das Buch elf Jahre nach dem Tod Bazargans letztlich doch noch veröffentlicht werden konnte.

In seiner Einleitung beschreibt Kermani den iranischen Reformpolitiker und Korangelehrten nicht nur als religiösen, sondern auch als sehr liberalen Menschen, der für individuelle Selbstverantwortung und demokratische Entscheidungsfindung eintrat – sowohl während der Schahzeit, als auch in der Ära Khomeinis.

Bazargan warnte nicht nur vor jeglichem Zwang, zum Beispiel was das Tragen des Tschadors betrifft, sondern verachtete prinzipiell jegliche Anwendung von Gewalt gegen so genannte "Ungläubige".

In seinen Erläuterungen bezieht sich Bazargan mit dem Wort "Islam" auf die wörtliche Übersetzung, "die Ergebung in Gottes Willen". Dieses Konzept steht in seinen Augen dafür, dass vor Gott alle monotheistischen Religionen gleich gestellt sind.

Chronologische Ordnung

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die in diesem Buch gewählte Darstellungsform. Bei der Nennung der Koranverse und ihrer Erläuterungen bedient sich Bazargan einer chronologischen Ordnung. Er ordnet die einzelnen Verse des Korans bezogen auf die "Wissenschaft der Anlässe der Offenbarung".

Bazargan orientiert sich also an die zeitliche Reihenfolge der Offenbarung der einzelnen Verse, indem er genau angibt, zu welchem Zeitpunkt dem Propheten Mohammed die Suren offenbart wurden.

Rückkehr zu einem "authentischen Islam"

Bezeichnend für den 1907 in Teheran geborenen Bazargan war die Suche nach einem offenen Verständnis des modernen Islam. Er veröffentlichte zahllose Bücher und hielt Vorträge, in denen er seine Ideen von einem fortschrittlichen Islam vorstellte.

Bazargan setzte sich für die Rückkehr zu einem "authentischen" Islam ein und setzte sich eine aktive Beteiligung aller Muslime an der Veränderung ihrer Gesellschaften ein.

Zwischen 1955 und 1978 wurde er viermal verhaftet und verbrachte fünf Jahre im Gefängnis. 1961 gründete er mit gleichgesinnten Intellektuellen die "iranische Freiheitsbewegung" ("Nehzat-e azadi"), die bis heute zu einer der wichtigsten oppositionellen Kräfte im Iran zählt.

Im Februar 1979 ernannte ihn Khomeini, trotz großer Differenzen, zum ersten Ministerpräsidenten der Revolutionsbewegung. Bazargan erhoffte sich, kraft dieses Amtes, die Revolution in demokratischere Bahnen zu lenken. Ein aussichtsloses Unterfangen, denn nur zehn Monate nach seinem Amtsantritt schied er wieder aus dem Amt.

Bis 1984 gehörte Bazargan dann als Vorsitzender der "Iranischen Freiheitsbewegung" dem Parlament an. In dieser Funktion kämpfte er gegen den Missbrauch der Religion und die Verletzung der Menschenrechte. Bis zu seinem Tod am 20. Januar 1995 zählte der couragierte Politiker und Korangelehrte zu den Symbolfiguren der national-religiösen und liberal-islamischen Kräfte seines Landes.

Tagrid Yousef​​

© Qantara.de 2006

Mehdi Bazargan: Und Jesus ist sein Prophet. Der Koran und die Christen, mit einer Einleitung von Navid Kermani, Verlag C.H. Beck München, 2006, 108 Seiten, 14,90 Euro

Qantara.de

Dossier
Dialog der Religionen
Das interreligiöse Gespräch ist immer noch mit allerlei Problemen behaftet, aber es gibt, gerade im Kleinen, doch eine Reihe bemerkenswerter Initiativen - auch im 'Trialog' der drei abrahamischen Religionen Judentum, Christentum, Islam (der Islam bezeichnet sie als Religionen des 'Buches').

www

Mehdi Bazargan: Und Jesus ist sein Prophet bei C.H. Beck

Verwandte Themen
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.