Ägyptens TV-Satiriker Bassem Youssef

"Es ist wichtig, dass es andere Meinungen gibt"

Ägyptens TV-Satiriker Bassem Youssef über die Fortsetzung seiner Fernseh-Show "Al-Bernameg", die Situation der Medien und die Pressefreiheit am Nil seit dem Sturz der Muslimbrüder. Mit ihm sprachen Jaafar Abdul-Karim und Khalid El Kaoutit

Das letzte Mal wurde Ihre Show nach nur einer Folge gestoppt. Wie wird es diesmal?

Bassem Youssef: Wir haben gerade erst produziert. Wenn wir heute schon gestoppt werden sollten, dann wird das Ergebnis eine Null-Folge sein. Ich hoffe trotzdem, dass alles gut geht. Ich bin großer Hoffnung, dass die Entscheidungsträger intelligent und vernünftig genug sind, dass sie keine Umstände machen wegen einer satirischen Show. Und das ist letztendlich, was wir sind. Nicht mehr.

Es gibt Leute, die die Sendung kritisieren und sagen, dass Du zuviel Kritik übst und dass politische Satire in dieser kritischen Phase, in der alle zusammenhalten sollten, unangebracht sei.

Youssef: Da frage ich mich, wer bestimmt, wann es zu viel ist? Wer sagt, dass die Zeit nicht geeignet ist für politische Satire? Wann soll es denn besser sein? Sie haben vor sechs Monaten auch gesagt, dass die Zeit nicht geeignet sei. Dasselbe vor einem Monat. Und heute. Wie lange sollen wir das denn noch sagen?! Und wo ist der Maßstab? Sie können auch noch  nach einem Jahr behaupten, die Zeit sei noch nicht reif für eine Satire-Sendung. Ägypten hat viele Probleme, die nicht in kürzester Zeit gelöst werden können. Jedes Land hat seine Probleme. Aber das ist noch lange kein Grund zu sagen, die Zeit sei noch nicht reif für politische Satire.

Haben Sie auf bestimmte Themen in Ihrer neuen Folge bewusst verzichtet?

Youssef: Welche Themen sollen wir denn ausgeklammert haben? Wir haben seit sechs Monaten nicht mehr produziert. In dieser Zeit ist eine Menge passiert. Deshalb bitte erst nach dem Ende der Saison urteilen und nicht nach einer einzigen Folge.

Journalists Phil Moore (rechts) und Jessica Hatcher protestieren gegen die Inhaftierung eines Mitarbeiters von Al-Dschasira English; Foto: picture-alliance/dpa
Maulkorb für unbequeme Journalisten: Seit dem Sturz Mursis am 3. Juli 2013 gehen die ägyptischen Behörden systematisch gegen Journalisten und Medien vor, die direkter oder indirekter Verbindungen zur Muslimbruderschaft verdächtigt werden. 20 Al-Dschasira-Mitarbeitern soll wegen "Verbreitung falscher Informationen" Mitte Februar der Prozess gemacht werden.

Ägypten ist gerade für Journalisten ein ziemlich gefährliches Pflaster. Inzwischen gibt es bei vielen Sendern rote Linien. Wie wichtig ist Ihre Sendung gerade in dieser Zeit für die Meinungsfreiheit? Vor allem für die jungen Journalisten?

Youssef: Es ist wichtig, dass es andere Meinungen gibt. Und die Leute sollten sich auch verschiedene Meinungen anhören. Wenn alle Medien immer das Gleiche erzählen, dann kehren die Menschen den Medien den Rücken. Es wäre besser, wenn es eine Art politische Bewegung geben würde. Ich kann verstehen, dass manche Angst haben und sagen, dass die Zeit nicht reif für andere Meinungen ist. Das kann ich verstehen - in Zeiten, in denen Angst und Furcht herrschen, ist es immer schwierig, mit Logik zu argumentieren, insbesondere mittels Satire.

Wie gehen Sie mit dem zunehmenden Druck um?

Youssef: Ich versuche, und das gelingt mir nicht immer, den ganzen Druck bei der Arbeit abzubauen, damit ich nach Hause gehen und schlafen kann. Ich versuche, nicht viel darüber nachzudenken. Das letzte Jahr war sehr stressig und ich hoffe, dass dieses Jahr besser wird. Übrigens: Der einzige Druck, den ich wirklich verspüre, ist nicht politisch, sondern er resultiert aus meinem Anspruch, eine gute Sendung zu präsentieren.

Wie hat sich denn Ihr Alltag verändert?

Youssef: Nun, ich kann nicht mehr so frei auf der Straße laufen wie früher. Ich habe kein Privatleben mehr. Es gibt nur Arbeit, die restliche Zeit verbringe ich mit meiner Frau und meiner Tochter. Ich gehe nicht so oft raus. Und als öffentliche Persönlichkeit zeigen die Leute immer mit dem Finger auf Dich und Du wirst ständig beschuldigt, etwas gesagt oder gemeint zu haben.

Interview: Jaafar Abdul-Karim & Khalid El Kaoutit

Die politische Satireshow "Al Bernameg" von Bassem Youssef war bis Anfang November 2013 für Millionen arabischer Zuschauer jede Woche das TV-Highlight. Dann wurde sie plötzlich abgesetzt. Am Freitagabend (07.02.2014) startet sie erneut auf MBC Egypt, ab Mitte Februar ist eine Zweitausstrahlung auf dem arabischen Kanal der DW geplant.

© Deutsche Welle 2014

Redaktion: Sonila Sand/DW & Arian Fariborz/Qantara.de

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Leserkommentare zum Artikel: "Es ist wichtig, dass es andere Meinungen gibt"

ICH FINDE, DASS BASSEM YOUSSEF DERZEIT GAR KEINE ROLLE SPIELT, DASS ER ANGST VOR DEM MILITAERRAT UND ZWAR AL-SISI HAT. FUEHRER UEBT ER MURSI HEFTIG SOGAR MIT SCHIMPFWOERTERN , ABER HEUTE DARF ER AL-SISI PERSOENLICH NICHT KRITSIEREN. DER SATIRIKER KANN FREI NICHT KRITISIEREN, WAS FUER SATIRE :D

ABDO NASSER26.02.2014 | 12:20 Uhr