Gewaltforscher Andreas Zick: Abwertung des Islam ist Teil der europäischen Identität

22.01.2016

Der Bielefelder Gewaltforscher Andreas Zick führt Islamfeindlichkeit in Deutschland und Europa auch auf eine langjährige Abschottung gegenüber islamischen Ländern zurück.

Die Attentate der Terrormiliz «Islamischer Staat» sowie die großen Flüchtlingszahlen hätten die ohnehin bestehenden Ressentiments gegenüber Muslimen noch verstärkt, sagte Zick dem Evangelischen Pressedienst (epd). «Es gibt zunehmend islamfeindliche Übergriffe in allen europäischen Ländern. Muslime und der Islam genießen sehr wenig Sympathie.»

Er halte die negativen Bilder und eine bewusste Abwertung des Islam sogar für einen «Teil der europäischen Identität - so bitter das auch klingt, weil sehr viele Muslime in Europa leben». In der 2011 veröffentlichten Studie «Die Abwertung der Anderen» hatte Zick
festgestellt, dass Islamfeindlichkeit in allen europäischen Ländern stark verbreitet ist. Er ist Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld.

Europa habe es versäumt, zu den muslimischen Staaten Brücken zu bauen, betonte Zick am Rande einer Konferenz zu Islamfeindlichkeit in Osnabrück. Dabei wären gute Kontakte zur muslimischen Welt gerade jetzt wichtig. Denn sonst werde eine Lösung der Flüchtlingskrise nicht möglich sein. Die Politik beginne immerhin langsam zu begreifen, «dass es nicht gut ist, Partner auf Distanz zu halten, die man eigentlich braucht». Auch die Integration der muslimischen Einwanderer habe der Westen nur halbherzig und nicht den Menschen zugewandt betrieben. «Dabei ist unserem Blick entgangen, dass sich unter den Migranten muslimische Gemeinschaften gebildet haben.»
 
Die Deutschen und die Europäer hätten in der Mehrheit zwar gelernt, dass sie Muslime nicht unter Generalverdacht stellen dürften, sagte der Professor für Sozialisation und Konfliktforschung. «Aber wir haben nicht hinreichend gelernt sie wertzuschätzen. Wertschätzung ist aber unabdingbar, wenn man Vorurteile abbauen will.»

Die von ihm geleitete Studie habe gezeigt, dass interreligiöse und interkulturelle Freundschaften Vorurteile und Islamfeindlichkeit abpuffern könnten. «Die Menschen nur über den Islam zu informieren, reicht nicht aus.» (epd)

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