Ex-Bundespräsident Wulff für offenen Umgang mit Muslimen

22.08.2016

Altbundespräsident Christian Wulff hat sich für einen offenen Umgang mit Flüchtlingen, insbesondere Muslimen, ausgesprochen. «Ein respektvoller Umgang ist eine Voraussetzung für die Integration», sagte Wulff in seiner Kanzelrede zum Thema «Weltfrieden und Weltreligionen» am Sonntag in der Stadtkirche in Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Vielfältige Gesellschaften seien flexibler und lebendiger. Er sprach sich gegen Abgrenzung, Abschottung und für ein tolerantes Miteinander und Teilhabe aus.

Jeder müsse sich in diesem Land positionieren, forderte Wulff. «Denn die Demokratie ist auch von innen gefährdet.» Die Demokratie sei brüchig. Der Katholik appellierte, das eigene Herz und Gewissen zu befragen. Den Gläubigen Freiräume einzuräumen, sei kein Christengrundrecht, sondern ein Recht für alle. Zugleich erinnerte Wulff an die deutsche Geschichte und forderte dazu auf, vielmehr die Gemeinsamkeiten im Glauben zu suchen.

Die Stadtkirche Wittenberg war die Predigtkirche des Reformators Martin Luther (1483-1546). Die Wittenberger Kanzelreden schließen an die Tradition der Stadtkirche an, ein besonderer Predigtort zu sein. Dazu werden regelmäßig Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Politik geladen, um Diskussionen anzustoßen.

Die nächste Kanzelrede ist für den 9. Oktober geplant. Dann soll Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) zum Thema «Wachstum und Nachhaltigkeit» sprechen.

Am Sonntagnachmittag sollte zudem in Wittenberg in einem Podiumsgespräch zum Thema «Verspielen wir das vereinte Europa?» mit Wulff und dem Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich diskutiert werden, der Schirmherr der Generalsanierung der Kirche ist. Bei der Benefizveranstaltung sollte um Spenden für die Sanierung gebeten werden.

Der CDU-Politiker Christian Wulff wurde 2010 zum zehnten Bundespräsidenten gewählt und trat im Februar 2012 im Zuge einer Affäre, in der es um Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Vorteilsnahme im Amt ging, von seinem Posten zurück. Mit seinem Satz: «Der Islam gehört zu Deutschland» hatte der damalige Bundespräsident Wulff 2010 eine Debatte ausgelöst. (epd)

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