Appelle zu friedlichem Dialog mit Islamisten auf den Philippinen

01.06.2017

Die Rückkehr zu gewaltfreien Friedensverhandlungen auf der von Kämpfen und Terror erschütterten philippinischen Inselgruppe Mindanao fordert das Internationale Katholische Missionswerk missio. "Leider drohen jetzt alle Fortschritte aus früheren Verhandlungen der Konfliktparteien zunichte gemacht zu werden, wenn die Regierung nicht wieder versucht, den Friedensprozess in Gang zu setzen", sagte missio-Länderreferentin Margarethe Roßkopf am Freitag in Aachen.

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hatte unlängst das Kriegsrecht über die Inseln im Süden des Landes verhängt. Gegenwärtig liefern sich dort Regierungstruppen mit islamistischen Rebellen blutige Gefechte. Behörden sprechen von mittlerweile mehr als 100 Toten.

Auslöser war ein Überfall einer islamistischen Terror-Splittergruppe namens "Maute" auf die Stadt Marawi, bei der Kirchen zerstört und offenbar mehr als 240 Geiseln genommen wurden, darunter auch der katholische Generalvikar von Marawi, Teresito "Chito" Suganob. Die Terroristen fordern offenbar die Einstellung der Offensive der philippinischen Armee

Ebenso wie Länderreferentin Roßkopf mahnte auch der Direktor des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten (JRS) Asien-Pazifik, Pater Bambang A. Sipayung, die Rückkehr zu einem gewaltfreien Dialog an. Viele Menschen hätten Angst, dass das ausgerufene Kriegsrecht auf Mindanao zeitlich unbegrenzt ausgedehnt werde, so Bambang.

Ähnlich äußerte sich einer der wichtigsten Friedensaktivisten auf Mindanao und Partner von missio, Pater Sebastiano D'Ambra, dessen Bewegung Silsilah im christlich-muslimischen Dialog engagiert ist. "In dieser Situation ist es besonders wichtig, dass wir Jugendlichen Bildungsprogramme zu den Themen Dialog und Friedensarbeit anbieten."

Mindanao ist laut Angaben von missio Schauplatz eines der ältesten Konflikte Südostasiens. Lange bildeten die Muslime dort die Mehrheit. Doch in den 1950ern förderte die Regierung die Zuwanderung von Christen aus übervölkerten nördlichen Landesteilen. Dadurch verloren viele Muslime und Angehörige indigener Volksgruppen ihr Land.

Ein jahrzehntelanger Kampf zwischen philippinischer Regierung und bewaffneten Rebellengruppen um mehr Autonomie war die Folge. Mindestens 120.000 Menschen kostete der Bürgerkrieg das Leben, Hunderttausende flohen vor der Gewalt. Die an Bodenschätzen reiche Insel ist heute das Armenhaus der Philippinen.

Der Konflikt wird von einer Vielzahl von Gruppen ausgetragen. Dazu gehören muslimische Separatistengruppen genauso wie kommunistische und kriminelle Gruppen, aber auch Privatarmeen großer Clanfamilien. Die Lage der Menschenrechte beschreibt missio als "sehr prekär". (KNA)

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