Bis Annas eine Arbeit gefunden hat, gibt der Staat ein Menge Geld für die Familie und die vielen anderen Geflüchteten aus, die noch nicht auf dem Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten. Für Ökonomen ist dieses Geld gut investiert. Laut Institut der Deutschen Wirtschaft hat Deutschland im vergangenen Jahr knapp 18 Milliarden Euro für die in 2015 und 2016 ins Land Geflüchteten ausgegeben. Die Ausgaben belasten den Staatshaushalt, aber sie tragen auch zum Wachstum der Wirtschaft bei. Neue Lehrer müssen eingestellt und Unterkünfte gebaut werden.

In einem Dschungel an Vorschriften

Für Petra Bendel gibt es noch einen anderen Aspekt: "Was der Staat für die Geflüchteten ausgegeben hat, etwa Investitionen in Kitas und Schulen oder Angebote zur Qualifizierung auf dem Arbeitsmarkt, kommt allen Bürgern zugute."

Fachleute klagen, dass Geflüchteten teilweise der Zugang zum Arbeitsmarkt unnötig erschwert wird. Das betrifft nicht Flüchtlinge wie die Familie Malhis. Ihr Asylgesuch wurde schnell anerkannt, daher gibt es keine Beschränkungen für sie. Bei Geflüchteten, die lediglich in Deutschland geduldet sind, ist das anders. Wer von ihnen ab wann und unter welchen Bedingungen arbeiten darf, ist in einem Dschungel an Vorschriften geregelt, den selbst Experten kaum durchschauen.

Problematisch ist auch noch etwas anderes. Das neue Integrationsgesetz hat Geflüchtete in zwei Kategorien eingeteilt. Wem eine sogenannte "gute Bleibeperspektive" bescheinigt wird, der erhält einiges an Unterstützung. Anders sieht es bei der zweiten Gruppe von Geflüchteten aus, jenen "ohne gute Bleibeperspektive".

Gefahr der Ausbeutung

Erfahrungsgemäß werden auch viele von ihnen zumindest Jahre in Deutschland bleiben. Doch sie haben keinen Anspruch auf integrationsfördernde Maßnahmen. Hier besteht die Gefahr, dass eine Gruppe von Menschen im Land lebt, die bei illegalen oder prekären Jobs ausgebeutet wird.

In den öffentlichen Debatten stehen meist kulturelle und religiöse Aspekte der Zuwanderung im Mittelpunkt. Für die Integration ist aber viel entscheidender, ob die Geflüchteten eine befriedigende Arbeit finden, Kontakt zu Nachbarn haben und so etwas wie ein Zuhause finden.

Auch Familie Malhis empfindet Deutschland als anders. Husna, die schüchterne 36-jährige Mutter der Familie, findet es befremdlich, dass in Deutschland die meisten Mütter berufstätig sind. Kontakte zu deutschen Müttern hat sie bisher nicht. Sie bleibt lieber zu Hause, fühlt sich trotz Sprachkurs unsicher und lässt ihren Mann in den türkischen Läden einkaufen.

Das heißt aber nicht, dass sie Deutschland ablehnt. Sie ist auch knapp zwei Jahre nach ihrer Ankunft in München unendlich dankbar für die Bildungschancen, die ihre Töchter hier erhalten. Aber noch lieber wäre es ihr, sie könnten alle nach Syrien zurückkehren. Nach Aleppo, wo noch Teile der Familie leben.

Während sich ihre Töchter in zehn Jahren mit einem Universitätsabschluss am Beginn einer erfolgversprechenden Karriere sehen, ist die Elterngeneration zerrissen zwischen der zerstörten alten und der fremden, neuen Heimat.

Claudia Mende

© Qantara.de 2017

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