Das neue Integrationsgesetz vom August 2016 erlaubt es Asylbewerbern aus Ländern mit sogenannter sicherer Bleibeperspektive (z.B. Syrien oder Irak) an einem Sprachkurs teilzunehmen, noch bevor ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Das war vorher nicht so. Aber es gibt noch zu wenig Kurse. Nach Angaben einer im März 2017 erschienenen Studie der OECD zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen in Deutschland fehlten in 2016 Sprachkurse für 240.000 Geflüchtete Sprachkurse. Hier besteht noch Nachholbedarf.

Schwierige Jobsuche

Wie ein Mantra wird wiederholt, dass Deutschland ausländische Fachkräfte und Auszubildende brauche. Das stimmt zwar, und die allermeisten Geflüchteten wollen auch arbeiten. Aber in der Praxis ist das nicht so einfach. Integration ist ein Marathon, kein Sprint. Im Moment passen die Qualifikationen der Neuzuwanderer nicht unbedingt mit dem zusammen, was Unternehmen suchen. Viele von ihnen werden zunächst nur einfache Arbeiten annehmen können. Bis die junge Generation ihre Ausbildung beendet hat, dauert es noch.

Wie viele der Geflüchteten aus 2015 und 2016 inzwischen einen Job gefunden haben, weiß niemand. Viele dürften sich noch in Sprach- und Qualifizierungskursen befinden, deshalb tauchen sie in den Arbeitslosenstatistiken nicht auf. Für München hat das IFO-Institut 400 Geflüchtete aus Ländern mit "sicherer Bleibeperspektive" befragt. Nach sechs Monaten Arbeitsuche hatten etwa 20 Prozent von ihnen einen Job gefunden; wie diese Arbeitsverhältnisse aussehen, dazu macht die Studie keine Angaben.

"Aus vorigen Integrationsbewegungen wissen wir, dass nach rund fünf Jahren 50 Prozent der Migranten im Arbeitsmarkt integriert sind und nach zehn bis 15 Jahren bis zu 80 Prozent einen Arbeitsplatz gefunden haben", sagt die Politikwissenschaftlerin Petra Bendel von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Momentan gibt es noch viele Hindernisse, größte Hürde ist die Sprache. Annas Malhis, 48 Jahre, war in Aleppo Unternehmer, er betrieb zusammen mit seinem Bruder eine Firma mit zwölf Angestellten, die Textilien mit Ornamenten bestickten.

"Für das, was ich kann, gibt es in Deutschland keinen Bedarf", sagt Annas bedrückt. Aber er wolle jede Arbeit annehmen. Am liebsten hätte er mit Pflanzen zu tun. Im Moment kämpft er noch mit der Sprache. Den Abschluss für das Niveau B1, die dritte Stufe auf einer Skala von insgesamt sechs, hat er knapp um einen Punkt verfehlt. "Ich kämpfe mit der Grammatik und..." –  er sucht nach dem passenden Wort, blickt zu seinen Töchtern, die ihm aushelfen - "dem Hörverständnis".

Einen Versuch hat er noch. Nach dann hoffentlich bestandener Prüfung will er sich Arbeit suchen, irgendeine. Im Moment lebt die Familie von Grundsicherung. "Für mich ist es schwer, in Deutschland anzukommen", gesteht er. "Ich bin wegen meiner Töchter hier." Für die Ausbildung der Mädchen machen die Eltern alles.

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