Der Fotograf Khaled Bahr glaubt, dass in weiten Teilen der Gesellschaft der Glaube an eine "Überlegenheit des Alters" vorherrscht, der dazu führt, dass die Sudanesen der jungen Generation mit Arroganz begegnen. Bahr erklärt: "Die Mehrheit derer, die das 'goldene Zeitalter des Sudan' miterlebt haben, die in jener sorgenlosen Zeit aufgewachsen sind, betrachten die Gegenwart als eine Art 'temporäres Ghetto'. Sie denken, dass das Land eher früher als später zusammenbrechen wird und bemitleiden die heutige Jugend."

Unterschiedliche Wahrnehmung

Das Verhältnis zwischen den Generationen im Sudan ist bisweilen von einer Art Hartnäckigkeit geprägt, die sich aus kulturellen und sozialen Grenzen ergibt, die strenger und mit der Religion verbunden sind. Einerseits geht es um die Grenzen dessen, was im Islam erlaubt und nicht erlaubt ist (Halal und Haram), aber auch darum, dass ältere Menschen immer noch direkte Autorität über die Jugend haben.

Das Ausmaß der unterschiedlichen Wahrnehmungen wird besonders in Hinblick auf soziale Themen und Werte deutlich sowie bei der Auslegung der vorherrschenden Traditionen und Bräuche, welche die Jugend mit ihren Mitteln zu überwinden sucht. Mit der Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien, die die Grenzen des Wissens erweitert, Zugang zu neuen Kulturen eröffnet aber auch Reibungspunkte vervielfacht haben, haben sich die Gräben zwischen den beiden Generationen weiter vertieft.

Der junge Aktivist Malath Abdulkadir beschreibt den Kampf zwischen den Generationen als Unterschied in der Wahrnehmung. Die jüngere Generation betrachtet die Ideen der Älteren meist als zu einem anderen Zeitalter gehörend und unvereinbar mit den Veränderungen, die heute von Einzelpersonen und Gruppen empfunden werden.

Was Khaled Siraj angeht, so ist es ein wesentlicher Bestandteil der Freiwilligenarbeit, produktiv zu sein und sich zu engagieren.

Musab Hassouna, Gründer einer Initiative, die Kindern das Filmemachen beibringt, meint, dass die vorige Generation bessere Möglichkeiten und Rahmenbedingungen hatte.

Musab hofft, dass die jetzige Generation in der Lage sein wird, im Bereich des Films Spuren in der sudanesischen Gesellschaft zu hinterlassen. "Im Rahmen der Initiative, mit der wir Kindern zeigen, wie man Filme macht, haben wir in den vergangenen drei Jahren über 40 Kurzfilme gedreht. Diese Arbeit zeigt, dass die heutige Generation der sudanesischen Gesellschaft sehr viel geben kann", so Musab.

Khalid Siraj glaubt, solange der Generationenkonflikt das Leben nicht verkompliziere, sei dieser auch kein schwerwiegendes Problem.

Hassouna ist der Meinung, dass die Bildung gemeinsamer Standpunkte dabei helfen könnte, die beiden Generationen im Sudan wieder einander näher zu bringen.

"Das freiwillige Engagement im Sudan hat das Bewusstsein zweifelsohne erweitert und die junge Generation dazu ermutigt, gesellschaftlich aktiv zu werden. Dies ist nur einer von vielen möglichen Wegen, den Sudan voran zu bringen", so Khaled Siraj. Dagegen sieht Musab Hassouna auch die ältere Generation in der Pflicht: "Sie müssen ihre Autorität reduzieren und der jungen Generation Verständnis entgegenbringen. Diese muss im Gegenzug die ältere Generation auffangen, damit ein Dialog zwischen den beiden Seiten entsteht, der den Weg für eine konstruktive und fruchtbare Beziehung ebnet."

Abdelsalam Alhaj

© Goethe-Institut Kairo/"Perspektiven"

Übersetzt aus dem Arabischen von Antonia Brouwers

Abdelsalam Alhaj ist Journalist und im Sudan für verschiedene Medien tätig. Seine Interessen umfassen insbesondere Kultur und Soziales und als Spezialist für digitale Medien ist er für diverse Webseiten als Berater tätig. Seine Texte sind in zahlreichen Zeitungen und auf Webseiten innerhalb und außerhalb des Sudans erschienen.

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