Im Allgemeinen hat sich die Lebenssituation im Sudan jedoch verschlechtert. Die institutionellen und politischen Strukturen werden von Jahr zu Jahr immer maroder und treiben junge Menschen dazu, nach alternativen Lebensstilen zu suchen, einschließlich freiwilliger Aktivitäten. Insbesondere im Bereich Social Media konnten jedoch mit geringem Aufwand deutliche Fortschritte erzielt werden.

Wohlstand und Wachstum

Einige Forscher, die die zivilgesellschaftliche Arbeit untersuchen, sehen im ehrenamtlichen Engagement ein Charakteristikum für den Wohlstand einer Nation. Einer dieser Forscher ist Dr. Abdelrahim Belal, der der Ansicht ist, dass "der Sudan eine sehr große Vielfalt an Freiwilligenverbänden aufweist. Das Klima für ehrenamtliche Arbeit oder auch "Sozialkapital", wie es in der Fachliteratur heißt, ist gegenwärtig gut. Die Herausforderung besteht nun darin, dieses soziale Kapital für eine wissenschaftliche Revolution zu nutzen – eine Revolution der technischen und persönlichen Qualifikation. Ohne diese können politische Entscheidungen nicht implementiert werden, die auf Wissenschaft aufbauen und auf Projekten, die dem Allgemeinwohl der Bevölkerung dienen", so Belal.

In dieser Zeit der Blüte, und aufgrund des nur schwach ausgeprägten staatlichen Bildungsangebots im Sudan, entstand 2011 die Organisation "Bildung ohne Grenzen". Sie gehört zu den wichtigsten Freiwilligenorganisationen im Bildungssektor und setzt auf die Philosophie von Bewegungen für den sozialen Wandel: Das bedeutet, dass sich die Bevölkerung für Bildung und Engagement zunehmend begeistern kann, die Gruppe weiter wächst, um schließlich eins mit der Gesellschaft zu werden. Letztendlich sollte sie sich auflösen und eine Gesellschaft hinterlassen, die davon überzeugt ist, dass die Förderung der Bildung eine wichtige Angelegenheit ist. "Bildung ohne Grenzen" betreut mittlerweile über zehn verschiedene Projekte.

Ein durch Crowd-funding finanziertes Krankenhaus im Sudan; Foto: Hawadith Street Initiative/Facebook
Sudan, ein Land reich an "Sozialkapital": "Die Herausforderung besteht darin, dieses soziale Kapital in eine intellektuelle Revolution zu investieren. Dies ist unerlässlich, um eine Politik umzusetzen, die auf Wissenschaft und praktischer Erfahrung basiert und den Interessen der Allgemeinheit dient", sagt Abdul Rahim Bilal.

Bei der Diskussion über Freiwilligenarbeit im Sudan kann man die "Hawadith Street Initiative" nicht ignorieren, die kranke Kinder behandelt und betreut. Aus dieser Initiative entstand im Jahr 2015 die Intensivstation des "Mohamed Alamin Hamid Hospital for Children" in Omdurman mit einem Budget von über einer Milliarde sudanesischer Pfund. Seitdem hat sich das ehrenamtliche Engagement auf mehr als 20 Städte im ganzen Land ausgeweitet.

Youssef Handoussi, Mitglied der "Hawadith Street Initiative", erklärt: "Die Gesundheit der Kinder ist außerordentlich wichtig. Und angesichts der Lebensrealität sind alle hochmotiviert, jede freie Minute dazu zu nutzen, kranken Kindern zu helfen. Sie sind schließlich die Zukunft dieses Landes."

Machtkämpfe

Manche meinen, dass sich der Generationenkonflikt im Sudan um Macht und Kontrolle dreht. Dass die Alten die Zügel der Macht nicht aus der Hand gegeben und damit die Mehrheit der jungen Generation außen vor gelassen haben, habe den Konflikt verschärft. Seit den 1960er Jahren werden die wichtigsten Parteien von denselben Personen geführt. Wechsel gibt es nur dann, wenn jemand stirbt. Wer noch am Leben ist, der ist bis heute an der Macht.

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