Zehn Jahre Cross Culture-Programm

Botschafter der Welt

Seit zehn Jahren können junge Berufstätige aus islamischen Ländern und aus Deutschland im Rahmen eines Förderprogramms des Instituts für Auslandsbeziehungen jeweils für drei Monate in eine fremde Kultur eintauchen. In Berlin wurde jetzt das Jubiläum des Programms gefeiert. Von Fabian Pianka

Junge Berufstätige aus 32 islamischen Ländern - von Mauretanien über den Nahen Osten und Zentralasien bis nach Indonesien –  und aus Deutschland können im Rahmen des Cross Culture-Programms eine Zeitlang in einer fremden Kultur leben und arbeiten.  450 Stipendien für den Kulturaustausch konnte das Institut für Auslandsbeziehungen als Partner des Auswärtigen Amts seit 2005 vergeben. Für die Stipendiaten war es eine Gelegenheit, nicht nur ihre professionellen und persönlichen Kompetenzen zu erweitern, sondern auch den interkulturellen Dialog in ihre jeweilige Zivilgesellschaft zu tragen.

Etwa 200 Cross Culture-Absolventen und –Alumni aus muslimischen Ländern und aus Deutschland trafen sich zur Jubiläumsfeier mit Gästen aus Politik und Kultur in Berlin.

Unter dem Motto „Crossing Borders – Begegnungen und Zusammenarbeit mit der islamischen Welt“ feierte man im Stadtbad Oderberger Straße das Wiedersehen mit alten und neuen Freunden aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Alle aktuellen und ehemaligen Cross Culture-Stipendiaten verbindet eine gemeinsame Haltung: Sie begreifen den interkulturellen Austausch als eine Chance zur  persönlichen Weiterentwicklung.

Zum Auftakt der Veranstaltung wies ifa-Generalsekretär Roland Grätz darauf hin, dass  das Cross Culture-Programm Menschen aus Deutschland und aus der islamischen Welt dauerhaft verbindet. Da viele ehemalige Stipendiaten auch nach dem Ende ihres Auslandsaufenthaltes die Verbindung untereinander und zu ihren Partnerorganisationen in Deutschland halten, sei ein wichtiges Netzwerk von Kontakten in den Bereichen Medien, Kunst, Politik und Zivilgesellschaft entstanden. Dieser persönliche Kontakt sei von großem Wert. „Digitale Foren können die persönliche Begegnung nicht ersetzen“, sagte Eva Sodeik-Zecha, die Leiterin des Cross Culture-Programms.

Kulturelle Intelligenz wichtiger denn je

Andreas Görgen, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, und der deutsch-irakische Schriftsteller Abbas Khider diskutierten über das Thema Flucht und Migration und die Herausforderungen durch die aktuelle Flüchtlingskrise.

„Der Umgang mit Flüchtlingen muss gesellschaftlich ausgehandelt werden“, betonte Görgen. Dafür sei „kulturelle Intelligenz“ von großer Bedeutung, zu der auch das „Einfühlen in die Erlebnisse und Traumata“ von Flüchtlingen gehöre.

Andreas Görgen und Abbas Khider diskutieren auf der Bühne
Wachsende Bedeutung des interkulturellen Dialogs: Vor allem in politisch unruhigen Zeiten sei „kulturelle Intelligenz“ von großer Bedeutung, zu der auch das „Einfühlen in die Erlebnisse und Traumata“ von Flüchtlingen gehöre, betonte Andreas Görgen, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt.

Eine solche Einfühlung in das Leben unter einer Diktatur leistet auch Abbas Khider mit seinem neuesten Roman „Brief in die Auberginenrepublik“, der zurzeit von Saddam Hussein im Irak spielt. Khider, der im Jahr 2000 nach Deutschland kam und dann in München Literatur und Philosophie studierte, lobte die Entstehung einer Willkommenskultur für Flüchtlinge in Deutschland. Allerdings beklagte er auch die Störfeuer aus der Politik, die diese Willkommenskultur wieder in Frage stellten.

Zahlreiche Stipendiaten äußerten den Wunsch, das Cross Culture-Programm in Zukunft für weitere Länder und Kulturen zu öffnen. Mehr Menschen sollten die Möglichkeit erhalten, diese besondere Erfahrung zu erleben und interkulturelle Freundschaften zu schließen.  Die Künstlerin Katrin Ströbel, die ihr Cross Culture-Stipendium 2006 in Marokko absolvierte, sagte: „Es ist sehr wichtig, in andere Länder zu gehen, um zu lernen. In meiner Zeit in Marokko habe ich so viel über das Land, aber durch den Blick von außen auch über Europa gelernt.“ Ihrer Meinung nach herrschten in Deutschland „oft falsche, teilweise naive Vorstellungen über die arabischen Länder“.

Die Brücke zwischen zwei Kulturen hat auch Adam Ashab aus Jordanien geschlagen. Er arbeitet als Stipendiat derzeit im Büro einer Abgeordneten des Deutschen Bundestags und sieht den Wert des Kulturaustausches darin, „das Beste aus beiden Welten, aus Orient und Okzident, zu erleben.“

Fabian Pianka

© Qantara.de 2016

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