YPG-Rückkehrer

Terrorbekämpfer unter Terrorverdacht

Ist die YPG Freund oder Feind? Auch Deutsche haben in Syrien mit der kurdischen YPG-Miliz gegen den selbsternannten "Islamischen Staat" gekämpft. Nach der Rückkehr erwartet viele ein Verfahren – wegen Terrorverdachts. Von Esther Felden und Matthias von Hein

Jan-Lukas Kuhley verlor jedes Zeitgefühl. Was er noch weiß: Es war Freitag, der 4. Oktober 2019 gegen neun Uhr morgens, als es an seiner Tür klingelte. Davor stand ein halbes Dutzend Polizeibeamte mit einem Durchsuchungsbefehl, ausgestellt vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Dem obersten Gericht Deutschlands, wenn es um Strafrecht und Zivilrecht geht. Wie lange die Ermittler in seiner Studenten-Wohngemeinschaft alles durchforsteten, kann er nicht mehr sagen.

Zeitgleich bekamen die Eltern von Jan-Lukas Kuhley Besuch von der Polizei. Durchsucht wurde auch eine weitere Wohngemeinschaft, aus der er kurz zuvor ausgezogen war. Grund für die groß angelegte Aktion: Verdacht auf Verstoß gegen Paragraf 129b, Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

Der schmale Student hatte sich 2017 als Freiwilliger den kurdischen Selbstverteidigungseinheiten YPG in Syrien angeschlossen. Er war mehrere Monate aktiv am Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat beteiligt - in einer Einheit, die mit Geschützen und gepanzerten Fahrzeugen operierte. Manchmal sei die Situation lebensbedrohlich gewesen, berichtet er.

Terrorismusbekämpfung für Deutschland?

Als die Beamten Kuhleys Wohnung verließen, hatten sie mehrere Handys, seinen Laptop und verschiedene Datenträger beschlagnahmt. Komplett überrascht habe ihn die Wohnungsdurchsuchung nicht, sagt der Politikstudent bei einer Tasse Tee in seiner Küche. Er kenne andere YPG-Rückkehrer, denen es ähnlich ergangen sei.

Der ehemalige YPG-Freiwillige Jan-Lukas Kuhley; Foto: DW/M. von Hein
Im Zwielicht: Für die deutschen Behörden spielt die Motivation Jan Lukas Kuhleys, eines ehemaligen Freiwilligen der kurdischen Selbstverteidigungseinheiten YPG in Syrien, keine Rolle. Für sie zählt: Er hat bei einer ausländischen Miliz eine militärische Ausbildung bekommen und Kampferfahrung gesammelt. Nach eigener Aussage unterscheidet die Bundesregierung nicht "zwischen vermeintlich guten und bösen Terroristen".

Nachvollziehen kann er die Ermittlungen wegen Terrorverdachts aber nicht. "Die YPG hat die Hauptlast im Kampf gegen den IS getragen", betont Kuhley. Sie habe Unterstützung durch die internationale Koalition gegen den Islamischen Staat erhalten, "in der auch die Bundeswehr aktiv ist. Wir haben auch im Interesse Deutschlands Terrorismusbekämpfung gemacht."

Für die deutschen Behörden spielt Kuhleys Motivation keine Rolle. Für sie zählt: Er hat bei einer ausländischen Miliz eine militärische Ausbildung bekommen und Kampferfahrung gesammelt. Nach eigener Aussage unterscheidet die Bundesregierung nicht "zwischen vermeintlich guten und bösen Terroristen".

So steht es jedenfalls in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Bundestagsabgeordneten der Linkspartei aus dem Jahr 2015. Ihre Abgeordnete Ulla Jelpke bezeichnet die Überwachung und Ausspähung von Rückkehrern und ihren Familien wie im Fall Kuhley als "Sippenhaft".

Die Redaktion empfiehlt

Leserkommentare zum Artikel: Terrorbekämpfer unter Terrorverdacht

Es ist wirklich unglaublich wie hier die Pkk runter gespielt wird nur um ihr ein besseres Bild zu Verpassen. Ja genau das sind ja die guten Terroristen.wie konnte ich das nur vergessen .Warum wird den nicht darauf hingewiesen das es eine lenninistische marxistische komunistische terrorgruppe ist .Oder waren es doch Lupenreine Demokraten ?? Einfach unglaublich was sie hier schreiben.Nach ihrer Meinung wird auch die ISIS irgendwann zu guten Terroristen erkläret wenn sie zb gegen noch schlimmere kämpfen .Nur weiter so super Artikel......

hans04.02.2020 | 15:10 Uhr