Es ist wohl auch eine gewisse Abhängigkeit, die die irakische Regierung dazu veranlasst hat, sich in dem Konflikt zwischen den USA und dem Nachbarn Iran neutral zu verhalten. Beide Parteien haben in Bagdad erheblichen Einfluss.

Die Amerikaner haben dem Irak dabei geholfen, eine neue Regierung und ein neues Militär aufzubauen und unterstützen das Land im Kampf gegen "Islamischen Staat" und bei dessen Zerschlagung. Der Iran hingegen unterstützt politische Parteien und Milizen finanziell. Und liefert neben Gas- und Strom auch Grundnahrungsmittel sowie Obst und Gemüse in den Irak.

"Die Amerikaner schaden nicht nur dem Iran"

Diese Abhängigkeit ist besonders in Najaf sichtbar, wo jeder den Namen "Donald Trump" als Grund für die vielen Probleme nennt. "Die Amerikaner schaden nicht nur dem Iran, sie schaden auch dem Irak, denn wir verlieren Kunden und damit Geld", sagt Said Ali Mossawi, Teilhaber eines Restaurants, das normalerweise Touristengruppen versorgt. Wie schon in den vergangenen Monaten bleiben die vielen Stühle auch an diesem Mittag leer.

Schmuck-Verkäufer Ahmed Ali aus Najaf; Foto: Judit Neurink/Deutsche Welle
Unter Anpassungsdruck: Ahmed Ali, der auf einem der vielen Basare von Najaf wertvolle Steine, Ringe und anderen Schmuck verkauft, hat 85 Prozent seines Geldes eingebüßt. Die Iraner kaufen bei ihm sonst einen speziellen weißen Stein, der fast durchsichtig ist und den es nur in der heiligen Stadt Najaf gibt. Doch solch einen Stein hat der 17-Jährige seit Monaten nicht mehr verkauft. Nun bietet er Schmuck an, der auch Pilger aus anderen Ländern ansprechen soll.

Die Hälfte seiner Kundschaft habe er verloren, sagt Mossawi. Außerdem musste er 40 Prozent seiner Angestellten entlassen. "Und ich bin noch nicht mal komplett von den Iranern abhängig. Stellen Sie sich vor, wie das für jene ist, die nicht mit Irakern oder Pilgern aus anderen Ländern zusammenarbeiten." Nur die Iraner kamen das ganze Jahr über in großer Zahl. In den fast leeren Straßen rund um Najafs heiligen Schrein suchen einige Libanesinnen Schutz vor der Sonne. Schiiten aus Ländern wie Pakistan, Indien, Bangladesch und den Golfstaaten, kommen vor allem rund um die religiösen Feiertage.

Nicht alle in Najaf konnten sich mit den Massen an Menschen, die sich einst durch die Stadt schoben, anfreunden. Nun beschwert sich niemand mehr darüber. Der Wechselkurs für den iranischen Toman - die Währung hatte das Land einst reich gemacht - fiel als Folge der US-Politik, in den Keller. In den Straßen von Najaf werden kaum noch Toman ausgegeben. Halbfertige Häuser finden sich überall im Zentrum der Stadt, wo Busse noch immer einige Iranerinnen, eingehüllt in ihre schwarzen Tschadors, absetzen.

"Sie bringen sogar ihr eigenes Essen mit und bereiten es dann hier zu", sagt Hamid Abbas, Besitzer eines Kebab-Ladens. Er hatte schon lange keine Gäste aus dem Iran mehr. "Seit Trumps Entscheidung gehen die Iraner nicht mehr essen." Seine Einnahmen haben sich um 40 Prozent verringert, doch er bleibt optimistisch. "Wenn die Probleme für den Iran vorüber sind, dann sind auch unsere Probleme gelöst."

Geschenkte Visa und doch keine Besserung

Ahmed Ali, der auf einem der vielen Basare von Najaf wertvolle Steine, Ringe und anderen Schmuck verkauft, hat 85 Prozent seines Geldes eingebüßt. Die Iraner kaufen bei ihm sonst einen speziellen weißen Stein, der fast durchsichtig ist und den es nur in der heiligen Stadt Najaf gibt. Doch solch einen Stein hat der 17-Jährige seit Monaten nicht mehr verkauft. "Ich muss mich anpassen", sagt er und deutet auf den neuen Schmuck, den er nun feilbietet. Er soll auch Pilger aus anderen Ländern ansprechen.

Um die Abwärtsspirale aufzuhalten, hat der Irak den Iranern ihre Visa geschenkt. Aber auch diese Maßnahme habe keine erkennbaren Verbesserungen gebracht, sagen jene, die von der Krise in Najaf betroffen sind. "Im Iran kostet ein Huhn ungefähr 15 Toman. Bei uns kostet das mehr als 100 Toman", erklärt Kebab-Laden-Besitzer Abbas. Schmuck-Verkäufer Ali, wie viele andere Bewohner Najafs auch, haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. "Sobald Trump es ihnen erlaubt, werden die Iraner wiederkommen."

Judit Neurink

© Deutsche Welle 2019

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