"Wir brauchen Rollstühle für Mossul", war das Fazit. Die Deutsche Botschaft in Bagdad stellte hierfür rasch Geld zur Verfügung. Faris und seine Männer konnten 100 Stühle dafür kaufen. Zuerst habe man an türkische gedacht, weil die länger halten. Aber türkische Rollstühle gibt es in Mossul nicht zu kaufen. Also kaufte man "Made in China".

Die Bundesrepublik ist derzeit der größte Geldgeber für den Irak. Mehr als eine Milliarde Euro sind in den letzten drei Jahren in das Land zwischen Euphrat und Tigris geflossen. Zwar haben die USA mehr Mittel in Aussicht gestellt, doch ist bislang nur ein Bruchteil des Geldes ausbezahlt worden. Die größte Finanzhilfe kam aus Deutschland wurde für die fast vier Millionen Binnenflüchtlinge ausgegeben, für Lebensmittel und Infrastruktur in den Lagern. Nach dem vermeintlichen Sieg über den IS Ende 2017, werden die Mittel nun für Wiederaufbau und Stabilisierung benötigt.

Gezielte Hilfe – nicht nach dem Gießkannenprinzip

Die Verteilung der Gelder erfolgt vor allem über das Bundesministerium für Zusammenarbeit (BMZ) und das Auswärtige Amt. Für den Wiederaufbau des zerstörten irakischen Nordens schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Finanzbedarf von 88 Milliarden US-Dollar, allein für Mossul seien 28 Milliarden notwendig. Im Haushalt der irakischen Regierung dagegen sind gerade einmal 120 Millionen US-Dollar für Mossul vorgesehen.

Kurz nach dem Sieg über den IS im Juli 2017 war die Bereitschaft groß, der zerstörten Stadt zu helfen. Doch das Management lief schlecht, die Korruption grassierte und Mossul hatte daher einen sehr schlechten Ruf. Gouverneur Jubouri ist bereits der dritte Mann auf diesem Posten. "Bislang ist vieles schlecht gelaufen", räumt der Gouverneur ein. Doch er arbeite hart, um das nun zu ändern.

"Wir brauchen dringend neue Wohnungen und Häuser für die Menschen, damit sie zurückkommen können. Ich möchte die historischen Gebäude bewahren, vor allem in der Altstadt. Aber wenn ein Teil der Häuser total zerstört ist, will ich lieber neue Wohngebäude im modernen Stil bauen lassen. Ich habe meinen Leuten Filme aus Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, wie die Deutschen damit umgegangen sind. Für mich ist das ein Vorbild. Ich habe ihnen von den Trümmerfrauen erzählt, die dabei geholfen haben, die Städte, insbesondere Berlin, wieder aufzubauen. Wir brauchen alle, wirklich alle, die helfen. Doch viele zögern noch."

Zum Schluss äußert der Gouverneur von Mossul noch einen Wunsch: "Kann Deutschland ein Viertel oder eine Straße im Osten und im Westen von Mossul aufbauen und wieder herrichten?" Mit dem technischen, architektonischen und sozialen Know-How, das Deutschland habe, wäre dies wunderbar. Nicht mit der Gießkanne, sondern gezielt. "Damit wir zeigen können, das hat Deutschland getan."

Birgit Svensson

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