Faris ist stolz, dass er und seine Organisation die ersten waren, die in Mossul nach dem IS-Terror wieder aufgebaut haben. Im Juli 2017 galt die Stadt als befreit, im September wurde das "Rebuild Iraq Recruitment Program" (RIRP) ins Leben gerufen. Obwohl der Name englisch ist, stammt die Nichtregierungsorganisation aus Deutschland - die einzige deutsche NGO, die seit Jahren ihren Sitz in Bagdad hat und von dort aus in ganz Irak tätig ist. Ihr Name ist Programm – "Rebuild", Wiederaufbau. Was macht das mit einem, wenn man jahrelang nur Trümmer gesehen, Zerstörung und Elend erfahren hat? "Das ist Irak", antwortet der 49-jährige Faris nüchtern.

"Danke Deutschland!"

"Danke Deutschland, danke den Deutschen, dass sie uns helfen", ruft Salma als Willkommensgruß, als wir ihrer Tochter den Rollstuhl bringen. Amal ist 15 und schon von Geburt an schwer behindert. Sie kann nicht gehen, muss gefüttert werden. Auch die Arme hängen schlaff herunter. "Nur die Deutschen arbeiten hier", sagt Salmas Nachbar, und das Golfemirat Qatar stellt die nötigen Gelder für den Aufbau der Schule. Wir sind in Intissar, einem der größten Stadtviertel Mossuls, im Osten gelegen.

Amal sitzt in ihrem neuen Rollstuhl, rechts von ihr steht Bauingenieur Faris; Foto: RIRP
"Danke Deutschland!" - Amal ist 15 Jahre alt, von Geburt an schwer behindert und auf den Rollstuhl angewiesen, da sie nicht gehen kann und gefüttert werden muss. Die Deutsche Botschaft in Bagdad stellte für den Kauf von Rollstühlen in Mossul Geld zur Verfügung. Faris und seine Männer konnten davon 100 Stühle kaufen.

In den rund 7.000 Häusern wohnen in diesem Stadtteil bis zu 100.000 Menschen. Hier leben die Ärmsten der ohnehin Armen von Mossul. An dem einzigen Schulgebäude des Stadtviertels sind fünf unterschiedliche Schriftzeichen angebracht, fünf unterschiedliche Bildungseinrichtungen müssen sich das Gebäude teilen.

Nicht Sieger, sondern Verlierer

Auch wenn Intissar übersetzt "Sieger" heißt, fühlen sich die Einwohner eher als Verlierer. Als der IS kam, sind nicht wenige von ihnen aus Mossul geflohen, in die kurdischen Autonomiegebiete oder die Lager, die für sie errichtet wurden. In die leer stehenden Häuser zogen die IS-Kämpfer.

Als der Kampf um Mossul tobte, kam es auch zu Luftangriffen der Amerikaner auf diese Häuser. Die Schäden sind auch heute noch sichtbar. Wo früher Häuser standen, liegen jetzt Schutthaufen. "Die haben sehr präzise gebombt", sagt Salmas Nachbar, "sie wussten genau, wo der IS war." Als die früheren Besitzer nach der Befreiung zurückkamen, fanden sie oftmals nur noch Trümmer vor.

Salma und Amal sind geblieben. Wie hätten sie fliehen sollen? Mit Behinderten ist eine Flucht nahezu unmöglich. Als Faris und sein Team das Haus renovieren, weil in der Straße eine Autobombe explodierte, bemerken sie die Behinderung der Tochter und stellen fest, dass sie nicht mal einen Rollstuhl hat. Das sei unzählige Male so gewesen, berichtet der Bauingenieur.

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