Dies deckt sich mit den Ansichten von Modi und denen seines außenpolitischen Strategen Ajit Doval. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Doval ist seit 2014 Modis nationaler Sicherheitsberater. In dieser Eigenschaft führt er eine offensive Kampagne gegen Aktionen islamistischer Milizen, die sich gegen Indien richten, was unter anderem Vergeltungsschläge bis weit hinein nach Pakistan beinhaltet.

Es überrascht daher nicht, dass die Vereinigten Arabischen Emirate die indische Politik kontinuierlich unterstützen, ob bei den Luftschlägen jenseits der Kontrolllinie mit Pakistan nach den Angriffen islamistischer Milizen auf die indische Militärbasis bei Uri 2016 oder bei der Aberkennung des Sonderstatus der Kaschmir-Region.

Konsequenzen für Pakistan

Die Beziehungen zwischen Indien und den Golfstaaten haben Konsequenzen für die Beziehungen zwischen der Golfregion und dem asiatischen Raum, angefangen bei Pakistan. Pakistan war historisch gesehen der engste asiatische Partner der GKR-Länder, nicht zuletzt dank der großen pakistanischen Arbeitnehmerschaft auf der Halbinsel, der Pflege einer gemeinsamen religiösen Identität und der bedeutenden Rolle, die die Streitkräfte Pakistans beim Aufbau der militärischen Streitkräfte am Golf innehatten.

Die Weigerung Islamabads 2015, der von den Saudis angeführten Koalition im Jemenkrieg beizutreten, hat jedoch die Zusammenarbeit zwischen Pakistan und dem Golf getrübt.

Karte zeigt Chinas "Belt and Road"-Initiative; Quelle: beltroad-initiative.org
Divergierende Meinungen in Hinblick auf Chinas "Belt and Road"-Initiative (BRI): Indien ist gegen die BRI, während Saudi-Arabien und die VAE bestrebt sind, sich als zentrale Akteure für China in der Region zu positionieren, schreibt Samaan. Wenn der indisch-chinesische Regionalwettbewerb jedoch eskaliert und zu einem Nullsummenspiel wird, wird dies zu einem Lackmustest: Dritte wie Saudi-Arabien oder die VAE könnten mit einem unlösbaren Dilemma konfrontiert werden.

Dies führte allerdings nicht zu einer vollständigen strategischen Neuausrichtung der Golfstaaten in Südasien. Obwohl sich hier die Gelegenheit für eine verstärkte Zusammenarbeit mit Indien eröffnete – eine Dynamik, die der indische Premierminister Modi geschickt nutzte –, war der Graben nicht unüberwindbar.

 

Die Wahl von Imran Khan zum Premierminister Pakistans im Jahr 2018 markierte einen Neuanfang. Khan sah die Herrscher in Riad und Abu Dhabi als dringend benötigte Investoren. Mit ihnen wollte er die Wirtschaft am Laufen halten und einen weiteren Kredit des IWF abwenden.

 

Letztendlich wird die eigentliche Herausforderung für die Beziehungen zwischen Indien und der Golfregion nicht Pakistan sein, sondern China.  Die Annäherung zwischen dem GKR und Indien fiel zusammen mit den immer engeren Beziehungen Chinas zur Arabischen Halbinsel. Doch die chinesische Logik ist eine andere: Der Haupttreiber für das Verhältnis zwischen dem Golf und China ist die Belt and Road Initiative (BRI) von Chinas Staatspräsident Xi Jinping.

Indien lehnt die BRI ab, während Saudi-Arabien und die VAE sich als zentrale Akteure für China in der Region empfehlen wollen. Bisher konnten die Golfstaaten Beziehungen zu beiden Seiten pflegen.

Wenn der Wettbewerb in der Region zwischen Indien und China eskaliert und zu einem Nullsummenspiel wird, kommt es zum Lackmustest: Dritte, wie Saudi-Arabien oder die VAE, könnten sich mit einem unlösbaren Dilemma konfrontiert sehen.

Jean-Loup Samaan

© Sada | Carnegie Endowment for International Peace 2019

Jean-Loup Samaan ist Associate Professor für Strategische Studien am "National Defense College" der VAE. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten geben nicht die Ansichten des "National Defense College" der VAE, des "Near East South Asia Center for Strategic Studies" oder einer Regierung wider.

Aus dem Englischen von Peter Lammers

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